Donnerstag, 7. Februar 2013

30 ÜBER NACHT (13 Going On 30 2004 Gary Winick)


Eine frustrierte 13jährige duscht auf ihrer Geburtstagsparty weinend versehentlich in Wunschpulver, als sie sich wünscht endlich 30 zu sein, da das Leben in dem Alter sicherlich viel besser ist. Sie schläft ein und als sie wieder aufwacht sind 17 Jahre vergangen...


Zeitreise auf die andere Art...

Von Mann zur Frau, von Alt nach Jung und umgekehrt, sogenannte Bodyswitch-Komödien gibt es hundertfach und immer wieder überrascht es, dass sich im Meer dieser so viele angenehme Varianten befinden. Sicherlich erfindet keiner dieser Spätbeiträge wie „Freaky Friday“ das Subgenre neu, aber dank unverkrampfter Geschichten und spielfreudiger Darsteller bietet diese Art Komödie noch immer häufig kleine, kurzweilige Perlen, für das geistige Abschalten nach dem alltäglichen Stress.

Bei der Geschichte um eine 13 jährige, die wie der Titel bereits verrät, über Nacht 30 wird, denkt man zu aller erst unweigerlich an „big“, in dem Tom Hanks einen über Nacht gealterten kleinen Jungen spielen durfte. Beim Sichten von „30 über Nacht“ stellte sich dieser Vergleich jedoch als falsch heraus. Die 13jährige, in den 80ern aufgewachsen, erwacht im Heute, mit dem Leben, ihrem Leben, einer 30jährigen. Ihr Geist ist 13, denn sie hat die restliche Zeit übersprungen und steht nun vor den Tatsachen, die ihre Art zu leben und ihre Wünsche hervorgebracht haben.

Wenn man also einen Vergleich ziehen will, dann muss man eher auf „Peggy Sue hat geheiratet“ schielen, einem Film, der das komplette Gegenteil erzählte. Dort landete eine erwachsene Frau in ihrer Jugend mit dem Geist eines Erwachsenen. Somit ist auch nur die grobe Story verwandt, denn der kleine Unterschied erweist sich als gravierend anders zur Weitererzählung einer Geschichte. Und so distanzieren sich die beiden Filme „30 über Nacht“ und „Peggy Sue hat geheiratet“ im groben Inhalt recht stark voneinander, und der hier besprochene Filme nähert sich thematisch doch eher „big“.

Welchem Film er nun eigentlich mehr ähnelt ist ja auch ziemlich egal, immerhin sind sich die Bodyswitch-Komödien alle recht ähnlich, egal was sie so erzählen. Die Heldin mit Namen Jenna erwacht also in ihrer Wunschzukunft. Alles scheint zunächst wunderbar zu sein, doch der Schein trügt. Jennas Leben ist in Wirklichkeit ein Trümmerhaufen. Ihr Charakter ist fies, echte Freunde hat sie nicht, wahre Kindheitsfreunde hat sie im Stich gelassen.

Dass bei einer solchen Aufzählung der moralisch erhobene Zeigefinger deutlich wird, dürfte klar sein. Es ist jedoch angenehm, dass „30 über Nacht“ diesen nicht so säuerlich bitter verpackt, sondern ganz im Gegenteil nostalgisch angenehm. „Peggy Sue hat geheiratet“ badete in Nostalgie, im Schwelgen an vergangene, bessere (?) Zeiten, zeigte die Freude am Vergessenen und den Schmerz. „30 über Nacht“ schafft selbiges, trotz der umgekehrten Idee. Jenna war von ihrer Vergangenheit nicht 20 Jahre weg, sondern nur einen Tag, und doch wird sie sich über das Schöne ihrer Kindertage auf kindlicher Ebene bewusst, so dass der Film gleiches abarbeiten kann wie „Peggy Sue hat geheiratet“.

Dieses Thema findet etwas kleiner statt als im Vergleichsfilm. Dieser war wesentlich trauriger, während „30 über Nacht“ ein Funfilm ist, mit kleinen, traurigen Momenten. Genau diese machen den Film, der eher etwas für Erwachsene als für Kinder ist, so wertvoll. Nicht ohne Kitsch und Klischee, aber irgendwie bei mir auf den richtigen Knopf gedrückt, darf man eine Nebenrolle, den Kindheitsfreund Matt, erleben, mit dessen gefühlsmäßigen Aufs und Abs der Film erst richtig lebendig wird. Nichts gegen Jennas Geschichte, sie sprudelt vor netten Ideen wie der Pyjama-Party mit „anderen“ 13jährigen, aber diese Hauptgeschichte ist mit dem Intrigenspiel in der Arbeitswelt auch etwas zu vorausschaubar und routiniert. Zudem passt Jennifer Garner viel mehr in die Rolle Jennas, die übersprungen wird: eitel, gemein, erfolgsorientiert, und weniger zu der Rolle die man aktiv erlebt. Garner bleibt nicht unsympathisch, aber sie erspielt sich auch nicht die gleiche Sympathie wie ihre Kollegen vergleichbarer Produkte.

Ganz anders die große Nebenrolle Matt, die bei mir viel mehr Identifikationsfigur wurde, als die eigentliche Hauptrolle. Er ist griffig, sein Charakter ehrlich und sympathisch. Er ist es, mit dem man mitfühlt, egal ob als Kind oder als Erwachsener (mit kindlichem Gemüt). Seine Geschichte, die schlussendlich mit Jennas Geschichte eine große ergibt, ist der wichtige Part von „30 über Nacht“, der den Film so angenehm gucken lässt. Er ist der Grund, warum man sich auf ein Happy End freut. Er gibt dem ganzen den nötigen nostalgischen Touch, und er ist es, der die Botschaft weiter gibt: Entsinne Dich deiner Jugend und ihrer Ehrlichkeit.

In meinen Augen geht der Drehbuchautor mit dieser Sichtweise etwas blauäugig mit der Jugend um. Gerade dort waren wir alle keine Engel. Die sogenannten Flegeljahre waren alles andere als ehrlich, zu Zeiten wo cool sein das wichtigste war und man Anerkennung von Leuten wollte, bei denen sich mit der Zeit herausstellte, dass sie nie das gleiche Milieu teilen würden.

Rückblickend wirkt alles besser als es wirklich war. Der Schmerz ist in Erinnerung aber irgendwie taub geworden. Alles wirkt wie unter Schmerztabletteneinfluss. Ach was war die Jugend schön. Diese Sichtweise ist nicht gerade positiv, aber was soll’s. Für 90 Minuten Film kann man diese Lüge ruhig einmal leben. Man sollte sich dieser aber auch bewusst sein, bevor man die Moral eines solchen Filmes unüberlegt annimmt.

Was mir etwas fehlte war die Orientierung in der moderner gewordenen Zeit. Außer dem Entdecken eines Handys und dem Nichtbegreifen eines Klingeltons findet kein Kultur-Zusammenstoß statt. Mag sein dass wer Jugendliches Neuem aufgeschlossener, vielleicht sogar einfacher, begegnen kann, aber es gäbe im Sprung aus den 80ern sicherlich wesentlich mehr zu entdecken, als das was hier gezeigt wird, auch wenn Jenna mit 13 noch keinen wirklichen Blick in die Erwachsenenwelt der 80er werfen konnte.

Da dies kein Haupteckpfeiler der Geschichte ist, ist dieser Bereich jedoch nur ein kleiner Wermutstropfen in einem sonst sehr angenehmen Film. Gerade wegen der moralischen Keule erfreut es, dass „30 über Nacht“ eigentlich recht unverkrampft und gut erzählt ist.


Trailer,   OFDb

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