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Freitag, 3. Oktober 2014

AUF MESSERS SCHNEIDE - RIVALEN AM ABGRUND (The Edge 1997 Lee Tamahori)


Ein Milliardär und ein Fotograf, die beide um eine Frau konkurrieren, stürzen mit dem Flugzeug über dem Jagdrevier eines Bären ab...


Mit Bären ist nicht Honig schlecken...

Anthony Hopkins und Alec Baldwin, zwei Stars mit denen ich bisher nicht all zu viel am Hut hatte, spielen wunderbare Rollen, und sie spielen diese gut, was zwar von Profi Hopkins zu erwarten war, bei Alec Baldwin jedoch eher überrascht, auch wenn er der talentierteste seiner Familie ist. Die Einführung der Rollen die sie spielen hat mir so gut gefallen, dass ich sofort im Film drin war und es mir fast schon egal war worum es eigentlich nun gehen wird. Ein gutes Zeichen! Und so blieb es dann auch: der Film erzählte auf packende, teilweise spannende, Weise was das gute Drehbuch ihm vorgab.

Hauptdarsteller Hopkins hat die interessantere von beiden Rollen erwischt. Sein Milliardär ist gelangweilt, man erfährt nie wie er an sein Vermögen kam, und die Idee dass er mit einem breiten Spektrum an Allgemeinwissen glänzt macht seine Figurenzeichnung besonders reizvoll und erinnert ein wenig an DeNiros Rolle in "Ronin". Klischees werden möglichst umgangen. Niemals wird erwähnt, dass er aufgrund seines Reichtums ein böser oder fragwürdiger Mensch wäre, sogar das Gegenteil ist der Fall, es werden eher seine Leiden aufgrund seines Reichtums angeschnitten. Zeit das ganze wirklich tiefsinnig zu verfolgen hat man in „Auf Messers Schneide - Rivalen am Abgrund" aber ohnehin kaum, da es im Film stets um den Überlebenskampf geht, und wenn es dann doch mal hintergründig wird, dann wenn es darum geht wo der Mensch heute steht und auf was die Natur den zivilisierten Menschen im Kampf auf Leben und Tod reduzieren kann und was er dann noch wert ist.

Alec Baldwins Rolle wird zwar als zweifelhafter Charakter eingeführt, seine Mimik verrät uns aber zu früh dass er tatsächlich der Bösewicht des Streifens ist. Das ist nicht weiter schlimm, er spielt es gekonnt, und dank eines guten Drehbuchs bekam ein Skeptiker wie ich doch hin und wieder seine Zweifel ob er geläutert wird oder nicht. Im Nachhinein hätte ich es besser gefunden, wenn die gemeinsamen Geschehnissen des Films zu einer Männerfreundschaft geführt hätte. Hätten die Erlebnisse einfach zwei unterschiedliche Menschen zusammengebracht, indem der eine von beiden seinen Neid überwindet und damit auf ein Gut- oder Böse-Schema verzichtet worden wäre, hätte „The Edge“ (Originaltitel) zusätzliche Pluspunkte sammeln können. Aber im Amerikakino rechnet man mit so einem naiven Gedanken nicht ernsthaft, nicht im Star-Kino-Bereich.

Stars hin oder her, die Hauptattraktion von „Bookworm“ (Alternativtitel) ist der Bär, und der wirkt selbst für hartgesottene Cineasten erschreckend, er wirkt natürlich und nicht wie ein für einen Film trainiertes, zahmes Wesen. Kurz gesagt: er wirkt echt! Dass die Verantwortlichen des Streifens keine Puppen, Kostüme oder Computereffekte verwendeten weiß ihnen der Filmfreund aufgrund des authentischen Ergebnisses zu danken, das macht seine Auftritte tatsächlich zu großem Kino. Der Bär stampft nicht nur mal kurz durchs Bild, ständig taucht er auf, wird zur beständigen Bedrohung, bis sich unsere Helden darüber bewusst sind, das sie sich ihm stellen müssen, komme was wolle. Hierbei erreicht der Film, der eher dem Abenteuerbereich zuzuordnen ist, einen Spannungsbogen den viele Thriller und Horror-Werke vermissen lassen.

Die wunderbar fotografierte Naturkulisse könnte man glatt als Hauptdarsteller Nummer 4 bezeichnen und sorgt für den letzten, entscheidenden Schliff. Dass hier nicht im Studio gedreht wurde sieht ein Blinder, und man hätte dort auch nie die hier eingefangene Authentizität der Wildnis darstellen können. Auch der Green Screen kam glücklicher Weise nicht zum Einsatz. Wieder gilt das Lob den Verantwortlichen die richtige Entscheidung getroffen zu haben, so dass die Natur in ihrer facettenreichen Art wirken kann. Mal wirkt sie bedrohlich, mal friedlich, aber doch immer fremd für den zivilisierten Menschen. Das verhilft „The Wild“ (Alternativtitel) mitunter zu seiner atmosphärischen Stärke.

Es ist auch schön zu beobachten, dass die Frauenrolle nicht rein der Quote wegen unnötig vergrößert wurde, sondern dass wir es hier ungeschönt mit einer Gruppe Männer zu tun haben, die sich auf Männerart unterhalten, rivalisieren und sich so dem Problem stellen wie es für ihr Geschlecht typisch ist. Bereits mit dem Schwarzen im Dreierteam ist die politisch korrekte Pflicht Hollywoods erfüllt, schön dass man nicht noch Frauenrechtlern den Tag versüßen wollte, oder a la „Nur noch 60 Sekunden“ die Rolle eines weiblichen Stars zur verzweifelten Zuschauerlockung krampfhaft ins Geschehen integrierte. Von daher wurden viele Entscheidungen von Produzenten- und vielleicht auch von Regieseite aus so getroffen, wie sie in Hollywood nicht üblich sind. Das lässt einen über manch auftauchendes Klischee großzügig hinweg sehen, so dass „Auf Messers Schneide“ einfach nur gut zu unterhalten weiß.


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