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Freitag, 3. Oktober 2014

EIN TICKET FÜR ZWEI (Planes, Trains and Automobiles 1987 John Hughes)


Neal Page möchte pünktlich zum Erntedankfest zu Hause sein, aber es gibt Probleme mit seinem Flug von New York nach Chicago. Er ist gezwungen auf andere Art Heim zu kommen, und auf recht merkwürdige Art ist er dabei an den nervigen Dale Griffith gekettet, der das selbe Ziel hat...


Flugzeuge, Züge und Automobile...

„Ein Ticket für zwei“, im Deutschen so genannt weil „Solo für Zwei“ ein großer Erfolg war, gehört zu den besten Werken mit Steve Martin, der diesmal den für die Rolle der stillosen Nervensäge ideal gecasteten John Candy zur Seite gestellt bekommen hat, während Martin vom Grund-Typ her noch einmal den relativ konservativen Menschen spielen darf, wie er bereits in „Solo für Zwei“ angedeutet wurde. Während beide Komiker jeweils ihr persönliches Ding durchziehen, sprich ihren speziellen, individuellen Humor einbringen dürfen, trägt das Gesamtwerk die klassische Handschrift von Regisseur John Hughes, der mit „Planes, Trains and Automobiles“ (Originaltitel) sein Ausnahmewerk schuf, nachdem er ansonsten nur Filme mit Teenagern und jungen Erwachsenen gedreht hat.

Sein Humor funktioniert auch in der Erwachsenenwelt (und wie spätere Produktionen des guten Mannes zeigen sollten auch in der Kinderwelt), und wer „Ferris macht blau“ kennt, der darf sich auf ein Wiedersehen drei bekannter Gesichter freuen, von denen zwei eigentlich den selben Typ Mensch verkörpern wie in der berühmten Teenie-Komödie um den Schulschwänzer. Aber John Hughes-Produktionen gucken sich ohnehin immer wie kleine Familienzusammenkünfte, lediglich Steve Martin kehrte nie wieder in einem Film aus dem Hause Hughes zurück, dabei passt er hervorragend in dessen Welt.

„Ein Ticket für zwei“ lebt jedoch nicht nur vom kompatiblen Zusammenfinden der drei individuellen  Humor-Richtungen dreier Profis ihres Fachs, Hughes komponiert einen Großteil der Szenen gar bis zur Perfektion durch, ob sie nun zur untermalten Musik passen oder ohne solche ihren idealen Rythmus finden. Zudem gesteht er dem Film lange Szenen zu, z.B. jene in welcher Page ausrastet und sich nach einer nervigen Nacht Luft macht, indem er seinen Reisebegleiter aufs Übelste beleidigt, wenn auch nicht völlig grundlos. Gleichzeitig steht diese Szene Pate für das gelungene Zusammenspiel von zum lauten Lachen einladender Komik und dem Tiefgang, der immer wieder mit einhergeht, gefühlvolle Szenen jenseits von Kitsch, zumindest wenn es um den Haupterzählstrang geht.

Unangenehm fallen lediglich die völlig unnötigen, da nicht einmal einen Kontrast bildenden, Szenen auf, in welchen die auf Neal wartende Ehefrau gezeigt wird. Nicht nur dass sie den mit heutigen Augen so unterkühlten Frauentyp repräsentiert, bei dem jede Sympathie flöten geht, jegliche Szene mit der Frau und den Kindern wäre nicht nötig gewesen. Man hätte die Geschichte komplett ohne sie erzählen können. Eine Frauenrolle am Telefon hätte durchaus gereicht, und den Schluss hätte man einige Minuten vor dem eigentlichen Schluss stattfinden lassen können. Der ganze Hickhack im trauten Heim ist unnötig, zumal der Zuschauer sich denken kann was dort passiert. An anderer Stelle baut Hughes auf das Mitdenken des Zuschauers. Das macht den völlig unlustigen und unsentimentalen Schluss um so unnötiger. Lachend gemeinsam den Koffer tragen und Ende, damit hätte der Film meiner Meinung nach perfekt geschlossen.

Diese Kritikpunkte sind für den Hauptfilm jedoch nicht wirklich von Bedeutung, schwächeln das Werk darunter doch nur minimalst, und eine Flut an skurrilen Figuren, geistreichen Witzen, herrlich flachen (aber niemals stillosen) Albernheiten, amüsante Dialoge und die Charakterzeichnungen, sowie das Spiel mit und die Entwicklung von ihnen, all das und vieles mehr macht „Ein Ticket für zwei“ so unglaublich sehenswert und lässt besagte Negativpunkte bestens verkraften.

Selten traf eine amerikanische Großproduktion so genial den Lachmuskel und die Gefühlswelt des Zuschauers zugleich. John Hughes Komödie ist ein Evergreen, auch wenn man ihm die 80er Jahre all zu gut ansieht, und eine der größten Empfehlungen was familientaugliche Komödien der 80er Jahre betrifft. Ein schöner Soundtrack rundet die Sache ab, selbst der wird erst in besagter letzter Szene schlecht, aber auch damit kann ich ganz gut leben. „Planes, Trains & Automobiles“ kann ich immer wieder gucken. Schön wenn geistreich und albern, sowie lustig und gefühlsbetont in so großartiger Harmonie Hand in Hand gehen.


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