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Donnerstag, 22. Januar 2015

DER UNSICHTBARE (The Invisible Man 1975 Leslie Stevens u.a.)


Bei einem Selbstversuch macht sich Dr.  Daniel Westin unsichtbar. Nach einiger Zeit funktioniert die Rückverwandlung nicht mehr. Dank eines Freundes aus der plastischen Chirurgie erhält er zumindest ein künstliches Gesicht, das er nach Belieben an- und ausziehen kann. Gemeinsam mit seiner Ehefrau und Wissenschafts-Kollegin löst er von nun an Kriminalfälle im Auftrag der Firma, für die er schon während seiner Forschungen gearbeitet hat...


Der Unfehlbare...

Die Science Fiction-Krimiserie „Der Unsichtbare“ aus dem Jahr 1975 hat weder etwas mit dem gleichnamigen 30er Jahre Universal-Film und dem ihm vorliegenden Roman von H.G. Wells zu tun, noch mit der später Anfang der 00er Jahre erschienenden Serie „The Invisible Man“. Letztendlich ist die hier besprochene Version der Unsichtbaren-Thematik schlichte Grundlage für eine Serie im Fahrwasser von „Hulk“, „Spider-Man“ und „Werwolf“, in welchen Menschen mit phantastischen Eigenschaften Kriminalfälle lösen. Gesetzlich schwebt man irgendwo im Nirgendwo wie in „Ein Colt für alle Fälle“ und dem „A-Team“, und eine ominösen Organisation hält im Hintergrund das Ruder, so wie es bei „Knight Rider“ der Fall war.

Das Prinzip war schon 1975 nicht neu, und dass ein paar olle, längst überholte Unsichtbaren-Tricks das Interesse des Publikums für das immergleiche Konzept nicht wirklich aufrechterhalten konnten, zeigt das frühzeitige Beenden der Serie nach gerade einmal 13 Folgen. Was macht man also, wenn man solch einen Flop trotzdem auf DVD vermarkten möchte? Man erklärt die Serie aufgrund der kurzen Laufzeit und seltenen Ausstrahlung zum Kult, und schon wird irgendwer zugreifen. Die Rechnung ging auf, zumindest ich griff neugierig zu und bin alles andere als begeistert.

„Der Unsichtbare“ kommt völlig Ideen-arm daher, macht es sich selbst in der alternativ längeren Pilotfolge beim Erarbeiten seiner Grundlagen viel zu einfach (allein schon was das synthetische Gesicht angeht) und zelebriert seine konservative, republikanisch orientierte Weltsicht ohne diese auch nur im Ansatz kritisch zu hinterfragen. Ein Senator muss ein guter Mann sein. Die Regierung ist lieb. Konservative Werte sind das einzig wahre im Leben. Lediglich ein Zugeständnis, dass das im Zentrum stehende Liebespaar immer wieder sexuelle Anspielungen im Dialog aufkommen lässt, um ein wenig frech zu wirken, ließ sich 1975 wohl nicht mehr verhindern, was aber auch für damalige Zeiten nicht so modern ist wie es klingen mag, hat es solche doch selbst in der biederen Serie „Drei Mädchen und drei Jungen“ gegeben.

Mit 08/15-Geschichten von unmotivierten und unkreativen Autoren wird der Zuschauer abgespeist, in der Hoffnung die Unsichtbaren-Thematik würde bereits ganz allein für den letzten Schliff reichen. Die kommt jedoch viel zu kurz, hat optisch nichts zu bieten was nicht schon in den 30er Jahren beeindruckt hätte, und der Wunsch irgendwann einmal wieder für immer sichtbar zu sein, wird nach dem Piloten totgeschwiegen, so als wäre er nicht mehr existent. Wozu auch? Die Eigenschaft wird schließlich für das Vaterland eingesetzt, warum solle man da auch wieder gesund werden wollen?

Zeitweise lässt sich „Der Unsichtbare“ zumindest auf unfreiwillig komischer Basis schauen. Dabei hilft nicht nur das biedere, Regierungs-treue Weltbild, sondern noch viel mehr die Charakterzeichnungen, allen voran jene des Helden, der ein völlig selbstüberschätzter Egomane ist, dessen Pläne immer hinhauen und der immer Recht behalten soll. David McCallum spielt diesen Mann völlig arrogant und frei von Ironie, so dass es wundern darf, dass die Serie auf seine nicht vorhandene Sympathie setzt. Seine Ehefrau ist das hübsche Anhängsel, welches trotz Doktortitel passend zur Weltsicht des Serie als völlig dümmlich dargestellt wird und Bösewichte meist verführen oder mit ihrem Aussehen ablenken muss. Ein gleichrangiger Partner ist sie nicht, und ihre Schönheit ist vom Zeitgeist längst überholt und in den gegenteiligen Bereich gelenkt.

Ja zugegeben, so etwas weiß zu belustigen, aber eben auch nur mal so für eine Folge, nicht auf eine komplette Serie gesehen, und mag sie noch so kurz ausgefallen sein wie im hier vorliegenden Fall. Dementsprechend ist das was uns auf dem DVD-Cover mit dem Verweis auf Kult schmackhaft gemacht werden soll tatsächlich nur Verschwendung wertvoller Zeit, da „Der Unsichtbare" weder nostalgisch wirkt, noch vom Unterhaltungswert her. Dafür ist das altbackene Getue viel zu routiniert erzählt und einfallslos ausgefallen. Zumindest die Episode mit dem Geisterbeschwörer weiß immerhin ein bisschen mehr als der Rest zu funktionieren, aber dies auch nur im direkten Vergleich mit dem müden Mist der anderen Folgen.


1 Kommentar:

  1. Ich hatte da irgendwie auf einen Nostalgiedeffekt gehofft. War nix, war nur gelangweilt und überrascht, wie sich nur 13 Folgen derart in die Länge ziehen können.

    Gruß
    Harry

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