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Sonntag, 21. Juni 2015

DER FLUCH DER MUMIE (The Mummy's Shroud 1967 John Gilling)


Kurz nachdem das Grab eines ehemaligen ägyptischen Prinzen, der vor 4000 Jahren lebte, entdeckt wird, verschwindet dessen Leichentuch, auf dem ein Spruch stand mit dem man Tote zum Leben erwecken kann. Ein Nachfahre der Grabwächter benutzt es und erweckt damit den damaligen Diener des Prinzen, der nun alle tötet welche die Grabesruhe des Adligen gestört haben...


Der Bandagenmann geht um...

Wenn es um Hammer-Filme geht habe ich die Werke des Regisseurs John Gilling bislang vernachlässigt. „Nächte des Grauens“ steht noch zur Sichtung an, und „Das schwarze Reptil“ wird noch länger auf sich warten lassen müssen, da es noch nicht zu meiner Sammlung gehört. Bislang war mir nur der Film „The Night Caller“ bekannt, der mit den Hammer Studios jedoch nichts zu tun hat und meiner Meinung nach trotz einiger sympathischer Aspekte auch nichts taugt. Nun habe ich zumindest einmal „Der Fluch der Mumie“ gesehen, Gillings letzte Regie-Arbeit bei einem Spielfilm für die kommenden acht Jahre, und der bietet so ziemlich alles was ich seinerzeit bei Karloffs „Die Mumie“ vermisst habe.

Endlich darf man mal ganz klassisch einen Bandagenmann stocksteif herumlaufen sehen, gewissen- und geisteslos Rache nehmend an Grabschändern. Mir war damals nicht bewusst dass es solche Momente im 30er Jahre Film der Universal Studios noch nicht gab. Das schmälerte die Freude am Film enorm. Im hier besprochenen Werk war sie dafür umso höher, auch wenn der wiedererweckte Tote erst zur zweiten Filmhälfte hin erstmals loslegen darf.

Das ist aber allein schon deshalb gar nicht wild, weil die Geschichte bis dahin interessant erzählt ist. Die Charaktere wissen zu interessieren, manche gar zu belustigen ohne „The Mummy‘s Shroud“ (Originaltitel) damit zur Horror-Komödie werden zu lassen. Etwas augenzwinkernd ist die bereits für damalige Zeiten etwas altbackene Geschichte um einen abergläubischen Fluch freilich trotzdem erzählt, jedoch auf eine Art die dennoch Respekt vor dem angegangenen Projekt besitzt.

Auch die liebevoll gestalteten Settings sind wieder einmal - typisch Hammer - Gold wert. Das unterstützt das angenehme Feeling noch lange vor dem Horroreinbruch in die Geschichte. Letztendlich guckt sich die Vorphase wie ein Abenteuerfilm, und auch wenn die Horrorelemente zur zweiten Hälfte in die Story einfließen, bleibt aufgrund der leichtfüßigen Inszenierung und dem eher seichten Grusel die Stimmung eines Abenteuerfilms bestehen.

„Der Fluch der Mumie“ ist ein liebevolles, durch und durch sympathisches Produkt, das kein Geheimnis aus der Naivität seiner Story und deren Klischees macht. Eine Wahrsagerin mit Kristallkugel gibt es ebenso wie eine esoterische Frau mit Vorahnungen. Es weht viel unsinniger Hokuspokus im Film umher, der nur deshalb nicht zur unfreiwilligen Komik wird, weil man sich dessen bewusst war und einen herzlichen Mittelweg aus Augenzwinkerei und respektvoller Umsetzung gegangen ist, mit einem Charme wie ihn heute in dieser Art kein Film mehr umweht.

Der schon damals gewünschte nostalgische Effekt bei einer Geschichte die in den 20er Jahren spielt ist bei einem Film aus den 60er Jahren mit Blick von heute freilich um so größer. Dies nicht nur aufgrund der klassischen Umsetzung, sondern freilich auch aufgrund der überholten Art den Zuschauer gruseln zu wollen. Das gibt dem theoretisch schlichtem Werk zusätzlich noch einiges an Wirkungskraft neben seinen Stärken, die er bereits zur Entstehungszeit besaß. Im Vergleich zu „Dracula“ mag der Film um den wandelnden toten Diener etwas blutleerer ausgefallen sein, aber der Grundton des Streifens ist ohnehin ein völlig anderer.

Wie bereits erwähnt würde ich ihn als leichtfüßig bezeichnen. Zudem ist das Monster des hier besprochenen Streifens, im Gegensatz zu dem um den adligen Blutsauger, lediglich das Werkzeug für Gerechtigkeit. Die bösen in diesem Film sind weder die Mumie, noch der Grabwächter der sie lenkt, sondern die Archäologen die kein Respekt vor dem Tod und vor anderen Kulturen besitzen. Dass es unter ihnen welche gibt die diesen Respekt durchaus besitzen, legitimiert ein Happy End das manch einer von ihnen erleben darf. Der lenkende Rächer wird jedoch missverständlicher Weise als Bösewicht des Streifens verstanden und darf dieses nicht erleben. Wer diese Filme mag, die geradezu typisch für einen faulen Sonntag-Nachmittag geeignet sind, der wird ebenso viel Freude an Gillings Werk haben wie ich ihn hatte.


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