Samstag, 29. Dezember 2012

THE NIGHT CALLER (1965 John Gilling)


Eine ominöse Kugel, die vom Himmel kam, wird von Wissenschaftlern, beauftragt durch die Regierung, untersucht. Die Erkenntnisse sind gering, und eines Abends will eine junge Angestellte eine monströse Gestalt in dem Zimmer gesichtet haben, in dem die Kugel aufbewart und erforscht wird. Beweise gibt es dafür nicht, im Zimmer befindet sich nichts ungewöhnliches. Kurz darauf ist die Kugel, die sich als Reisetor für Außerirdische entpuppt, verschwunden. Ein Alien ist durch sie in unsere Welt gekommen, hat sie sich geschnappt und ist mit einem Auto geflüchtet. Von dem Wesen und der Kugel fehlt einige Zeit jede Spur. Als die Anzahl vermisster Frauen ungewöhnlich hoch wird, vermuten die wenigen Eingeweihten einen Zusammenhang zu dem Fremdling...


Bereit zum beamen, Scottie...

"The Night Caller", ein in Deutschland unbekannter Science Fiction-Horror, schien zunächst sehr reizvoll zu werden. Sein Poster machte mich bereits neugierig. Dass man davon nicht auf einen guten Film schließen oder hoffen sollte, dürfte jedem Filmfan klar sein. Ohne etwas vom Inhalt des Films zu wissen sah ich ihn mir an, und die komplette erste Hälfte lang war auch alles in Ordnung.

Das Werk war so nostalgisch, wie es zu dieser Entstehungszeit in seinem Genre fast immer der Fall war (wohl auch der Pluspunkt der miesesten Werke seiner Zeit), der Vorspann war mit einer recht flotten, wenn auch leicht monotonen Musik untermalt. Und die Geschichte hielt sich nicht lange mit Unnötigkeiten auf. Ziemlich schnell entdecken die Menschen eine Kugel, die aus dem All kommt. Das Ding wird ebenso schnell erforscht, und noch während man am rätseln ist, was das ganze soll, bekommt man bereits eine monströse Hand zu sehen.

Zu diesem Zeitpunkt ist der Film maximal 30 Minuten dran, und wer Filme dieses Genres aus dieser Zeit kennt, weiß wie ungewöhnlich dort ein derart schleuniger Gang der Ereignisse ist. Die Schauspieler geben alle keine Spitzenleistungen ab, sind aber o.k. zu nennen. Der Filmfreund wird sogar ein bekanntes Gesicht erkennen: John Saxon spielt in jungen Jahren mit, jener Mann, der später den Vater Nancys, Freddys erster Hauptgegnerin, in "Nightmare - Mörderische Träume" spielen darf. Diese Rolle wiederholte sich im 3. Nightmare-Film und vielleicht mag der ein oder andere Horror-Narr Saxon noch aus "Asphalt-Kannibalen" kennen. 

Die weibliche Hauptrolle ist zwar mit einer Blondine gecastet, aber selten sah ich so lebensechte Aufnahmen einer Frau im Schundfilmbereich wie hier. Es wird nicht in jeder Einstellung versucht sie als attraktiv hinzustellen, in einigen Szenen geht man sogar so weit, sie mit einem ziemlich widerlichen Gesichtsausdruck zu filmen (ohne dass dieser überzogen wirkt).

Es geht aber noch weiter in Sachen ungewohnter Echtheit in diesem Filmchen: die Forscher unterhalten sich sehr realitätsnah und forschen auch viel anstatt sinnlos zu schwätzen. Und zur Hälfte des Filmes findet eine Befragung mit einem Ehepaar mittleren Alters statt, die wie aus dem Leben gegriffen scheint. Diese Authentizität wird außerdem unterstützt durch Szenen, in denen man sich einfach mal Zeit für Unnötigkeiten ließ, beispielsweise eine für die Story ziemlich unwichtige Telefonszene ziemlich zu Beginn, die man auch schneller hätte abwickeln können.

Das mag auf den ungeduldigen, actionlechzenden Zuschauer langweilig wirken, für den wahren Cineasten hingegen wurde "The Night Caller" damit zunächst ein Leckerbissen und schien nur ein weiterer Fall solcher Werke zu sein, die wegen seiner Konsequenz und Distanz zum Massenpublikum unverständlicherweise ignoriert wurden.

Ganz so war es dann aber doch nicht. Denn auch die schönsten Unnötigkeiten, und seien sie auch noch so lebensnah eingefangen, müssen im letzten Drittel einen Schritt zurückgehen, um dem Werk das nötige Tempo zu schenken. Das wird in diesem kleinen Film jedoch vernachlässigt. Außerdem wird aus einer mystischen Geschichte, aus der man sehr viel hätte machen können und die auf seine eigene Art die Idee von "Stargate" vorwegnahm, keine interessant weitergeführte Story mehr, sondern eine öde Sache, die mehr Kriminalfilm als Science Fiction ist.

Die Leute, die nach dem im Laufe der Geschichte entflohenen Alien suchen, wirken von ihrer Anzahl her und von ihren Räumlichkeiten nicht gerade wie Regierungsmitarbeiter. Da man aufgrund der Geschehnisse nicht einmal weiß wie viele Außerirdische sich mittlerweile auf der Erde befinden und somit der ganze Planet in Gefahr sein könnte, scheint das die Regierung nicht sehr zu beeindrucken. Auch die Bevölkerung bleibt nach Einschalten der öffentlichen Medien ruhig und geht seinem Alltag nach.

Diese groben Fehler werden auch auf der anderen Seite der Geschehnisse gemacht: noch immer haben wir es nur mit einem Alien zu tun, das seiner Mission wie ein Verbrecher aus klassischen Krimis nachgeht. So mietet es z.B. Büroräume an, um Menschenfrauen zu locken. Auch das klassisch düstere Outfit, mit welchem das fremde Wesen unerkannt unter den Erdenbürgern wandelt, wird dem Stil von Kriminalfilm-Gangstern gerecht.

Wirklich vom Hocker reißt da nichts. Es ist auch etwas schade, dass der Außerirdische sich so gut mit der Menschheit auskennt, was zwar von der Geschichte erklärt wird, das Wesen selbst den kompletten Film aber zu menschlich wirken lässt. Mehr noch, wenn wir den Fremdling gegen Ende erstmals komplett zu Gesicht bekommen, sieht er sogar aus wie ein Mensch, nur ein wenig entstellt. Die Monsterhand zu Beginn, die ein ganz anderes Wesen vermuten ließ, war auch nur entstellt.

Für einen Film, der so ominös, mystisch und monströs begann, ist das einfach zu schlicht. Man ist ja bereits beim Ausbruch des Außerirdischen in der Mitte des Films verwundert, dass er mal eben schnell mit dem Auto flieht. Sofort fühlte ich mich an Carpenters Meisterwerk "Halloween" erinnert, in welchem der jahrelange Insasse einer Nervenheilanstalt urplötzlich Auto fahren konnte. In "The Night Caller" macht dies im Nachhinein zumindest mehr Sinn als in "Halloween". Es ist aber dennoch ein gutes Beispiel dafür, wie menschlich sich unser Alien benimmt.

Und so fehlt schließlich jede Magie, die der Film zuvor hatte. Klar bleiben ihm so immer noch die Vorteile der ungewohnt echten Darstellung menschlicher Verhaltensweisen (wenn auch nicht in jeder Szene) und natürlich der Nostalgiebonus. Aber diese beiden Elemente können auch nicht mehr retten, was mit der zweiten Hälfte ruiniert wurde. Nicht nur dass die erste Hälfte dafür nicht entschädigen kann, ihre mystische Story trägt Schuld daran, dass die eher mäßige letzte Hälfte vollkommen seine Wirkung verliert. Mit dem Lüften des Geheimnisses hinter alle dem und der Sichtung des Außerirdischen verpatzt "The Night Caller" die letzte Möglichkeit das Ruder zum passablen Film hin noch einmal rumzureißen. So bleibt man nach Sichtung enttäuscht zurück und weiß nun aus welchen Gründen heute kein Mensch mehr vom "Blood Beast From Outer Space" (Alternativtitel) spricht. 


OFDb

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen