Schlombies Filmbesprechungen auf Facebook:

Montag, 15. Juni 2015

RIOS RACHE (One-Eyed Jacks 1961 Marlon Brando)


Nach fünf Jahren Knast möchte Rio Rache an seinem Partner Longworth nehmen, der ihn nach einem Überfall im Stich gelassen hat. Dass Longworth mittlerweile Sheriff geworden ist, erschwert die Sache zwar, hält Rio jedoch nicht von seinen Plänen ab...


Der zarte Zwielichtige...

„Rios Rache“ erzählt eine Interesse weckende Geschichte mit einem einsamen Helden im Zentrum, was grundsätzlich im Genre zu wirken weiß. Nur leider ist dieser Westernbeitrag mit Marlon Brando in der Hauptrolle einfach falsch besetzt, wirkt er doch so soft und zart wie Neros Rolle in der „Carmen“-Version „Mit Django kam der Tod“. Zwar wird sein Charakter über den Überfall hinaus zwielicht gezeichnet, am deutlichsten wohl in der Art wie er Frauen für schnellen Sex belügt, aber Brando wirkt einfach zu soft, und seine übertriebene Gentleman-Art steht ihm bei der Erfüllung seiner Rolle noch zusätzlich im Weg.

Das ist alles gut gemeint, vielleicht fehlte ihm auch einfach der rationale Blick auf seine Leistung in einem Film bei dem er selbst Regie führte, aber mit einem Wackelkandidaten in der Hauptrolle geht einfach viel vom Potential einer guten Geschichte verloren. Allerdings ist die Geschichte ohnehin nicht ganz so gut wie sie sich zunächst liest, zieht sie sich doch mit Unnötigkeiten und noch schlimmer mit Unglaubwürdigkeiten in die Länge, ohne dass das Verhalten vieler Personen für den Zuschauer nachvollziehbar wäre. Das betrifft nicht nur die neuen Kumpanen Rios, die in aller Geduld, obwohl rücksichtslos charakterisiert, auf ihren Krüppel von Freund Monate warten bevor sie eine Bank überfallen, bis es ihnen schließlich viel zu spät reicht und endlich passiert was längst hätte passieren müssen, bei so wenig Ehrfurcht die sie vor Rio hatten.

Noch viel schlimmer schaut sich die Geschichte jedoch bezogen auf die Love Story, die eigentlich viel Zunder parat gehalten hätte, entsteht doch eine Liebschaft zwischen Rio und der Tochter seines Feindes. Der innere Konflikt der mit Rios Rache einher geht wird relativ flach überflogen, aber immerhin durch eine miese Tat Longworths entschieden. Warum die Tochter Rio noch vor dem Wissen der Schwangerschaft hinterher heult, obwohl dieser sie auf übelste Art belogen und benutzt hat, wird auch nie ganz klar. Gravierend werden diese Fehler dadurch, dass Brando eigentlich keinen klassischen Westernstoff erzählen will, sondern in aller Ruhe eine Charakterstudie aufzeigen möchte. Ein lobenswerter Ansatz, der mit solch einem Drehbuch jedoch nicht umzusetzen ist. Und ohne die mystische Atmosphäre eines glaubwürdigen Einsamen, so wie wir ihn z.B. in „Spiel mir das Lied vom Tod“ kennen lernen durften, funktioniert das erst recht nicht.

Dass sich „Der Besessene“ (Alternativtitel) trotzdem noch halbwegs interessant auf seine Laufzeit von über 130 Minuten guckt, liegt an den tollen Landschadftsaufnahmen, dem großartigen Spiel von Karl Malden in der Rolle des Longworth und der an sich sympathischen Geschichte. Einzelne Momente sind teilweise großartig eingefangen. Andere wirken unnötig und halten den Verlauf der Geschichte zu sehr auf ohne dem Werk einen Vorteil zu bescheren. Die Gesamt-Story selbst wirkt zu sprunghaft, teilweise orientierungslos. In „Noch hänge ich nicht“ (Alternativtitel) passiert manches etwas zu spät und vieles viel zu spät. Aber letztendlich hätte der Film mit einem wenig überzeugenden Brando als Rio ohnehin nicht das Zeug gehabt großes Kino zu werden, auch ohne die inhaltlichen Fehler.


Weitere Reviews zum Film: 

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen