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Mittwoch, 3. Juni 2015

TERROR EYES - DER FRAUENKÖPFER (Night School 1981 Ken Hughes)


Ein Motorradfahrer köpft mehrere Frauen, die alle irgendwie in Verbindung zu einem Anthropologie-Professor standen...


Wasserköpfe...

Der letzte von Ken Hughes inszenierte Film, jenem Mann der sich mit drei anderen u.a. die Regie der berühmten James Bond-Parodie „Casino Royal“ teilte, war ein Horror-Thriller mit harter Thematik passend zur Anfang der 80er Jahre noch immer beliebten Terrorwelle, die in den 70ern zu ihrer vollen Blüte kam. Mag sich die Inhaltsangabe auch wie ein früher Vertreter der durch „Halloween“ und „Freitag der 13.“ ausgelösten Slasher-Welle lesen, so schaut sich „Terror Eyes - Der Frauenköpfer“ doch eher wie eine amerikanische Version eines italienischen Giallos. Im Gegensatz zum drei Jahre später folgenden „Fröhliche Weihnacht“, der ähnliche Parallelen zu den harten Kriminalthrillern Italiens aufwies, beherrscht Ken Hughes deren Stil schon wesentlich besser.

Er zelebriert die Morde und die Vorphase dieser, ohne dass die Kamera im eigentlichen blutigen Moment wirklich drauf hält. Abgetrennte Köpfe und blutverschmierte Körper bekommen wir trotzdem zu sehen, das Genre des Giallos ist kein harmloses, aber Hughes vertraut hauptsächlich der Suspense, was er auch muss, geben die Figuren des Streifens doch nicht viel her, und steht der Mörder für jeden der den Wald vor lauter Bäumen nicht sieht doch eigentlich von Anfang an fest. Allerspätestens wenn eine Kellnerin nach einem Flirt ermordet wird sollte der Zuschauer wissen was Sache ist.

Vom ermittelnden Inspektor wird zwar immer wieder behauptet dass er die Intelligenzbestie ist, die einst in Harvard studierte, Beweise seiner Kombinationsgabe bekommen wir jedoch nicht serviert. Der gute Mann arbeitet eher intuitiv, ist aber, wie so jede andere Figur des Streifens, auch gar nicht der Mittelpunkt des Films. Eine wirkliche Hauptrolle gibt es nicht. Der Professor und seine Assistentin teilen sich den einen Teil der Arena, der Inspektor und sein Gehilfe den anderen. Je nachdem was Hughes wichtig ist, rückt eines von beiden Pärchen in den Mittelpunkt. Kommt es zum Wechsel tritt das vorherige in den Hintergrund bis es wieder benötigt wird. Wenn keins von beidem auftaucht liegt der Fokus auf dem Mörder oder auf eines seiner Opfer.

Tief gehen die Charaktere nicht, eine Eigenschaft die für den italienischen Giallo, bis auf einige Ausnahmen wie „Profondo Rosso“, nicht unüblich ist. Es ist die düstere und trockene Atmosphäre die zählt, die Ruhe mit der eine gewalttätige Geschichte zelebriert wird. Und hier liegt die Stärke von Hughes und seinem Team. Der Verantwortliche für die Kamera unterstützt das Feeling des Streifens mit schlichten, aber stilsicheren Einstellungen und Kamerafahrten, der Autor der Geschichte führt den Zuschauer gerne in die Irre, z.B. in der Restaurantszene nach dem Mord, und die Musikuntermalung Brad Fiedels, der auch den tollen Soundtrack von "Fright Night" komponierte, ist stimmiger Natur ohne sich dabei aufzudrängen. Oft nimmt man sie eher unbewusst wahr.

Lediglich die Schauspieler wissen großteils wenig zu überzeugen. Der Inspektor ist völlig fehlbesetzt, die meisten Frauen spielen zu steif, sind aber ohnehin nur dafür da ermordet zu werden und zuvor ein wenig Erotik zu versprühen, und die Leiterin der „Night School“ (Originaltitel) ist ebenso austauschbar. Der Schauspieler des von den Studentinnen begehrten Anthropologie-Professors besitzt zumindest ein gewisses Charisma. Er weiß in seiner Rolle zu überzeugen ohne wirklich gut spielen zu müssen. Dank der stimmigen Inszenierung von Hughes richtet die maue Auswahl des Castings nur geringe Schäden am fertigen Werk an. Zu einem wahrlich guten Genre-Beitrag verhelfen sie in Kombination mit kleinen anderen Mängeln jedoch nicht.

Ein weiterer solcher ist die Unglaubwürdigkeit mancher Situation, so z.B. fast jede in welcher die zukünftigen Opfer ihren Mörder bemerken. Echte Gegenwehr oder wahre Fluchtversuche gibt es da nicht. Fast könne man meinen die Opfer wären suizid, hätten den Mord an sich selbst nicht gewagt, und sehen nun ihre Chance per Fremdhilfe, so sehr lassen sie es geschehen, ohne es dem Killer all zu schwer zu machen. Ausnahmen bestätigen die Regel. So spielt z.B. die sehr stimmige Eingangssequenz überzeugend mit der Hilflosigkeit des ersten (aber eigentlich zweiten) Opfers.

Auch mancher Dialog will nicht so richtig überzeugen, aber da mag auch die Deutschvertonung dran Schuld sein. Durch den fehlenden Untertitel auf der von mir gesichteten DVD habe ich „Kopfjagd in Boston“ (Alternativtitel) nicht mit Originalton gesehen. Generell gibt es an der Synchronisation jedoch nichts zu meckern. Die Stimmen sind passend zu den Personen ausgesucht, und ihre Sprecher besitzen genügend Talent um auch in ihrer Betonung in den einzelnen Situationen zu überzeugen.

Reißerisch mag „Terror Eyes“ ja sein, aber auch das gehört eigentlich zu einem Giallo dazu, und wäre der Streifen nicht aus Amerika würde man ihn auch ohne zu zögern zu dieser Gattung Film dazu zählen. Ob ein Ami-Beitrag dieser Handschrift offiziell bei Kennern dieser Stilrichtung die Bezeichnung tragen darf, oder ob dies nur den italienischen Vertretern zusteht, weiß ich nicht. Aber Freunden dieses Bereichs kann man Hughes letztes Werk durchaus empfehlen, auch wenn ihm der letzte Schliff fehlt Cineasten im allgemeinen zu begeistern. „Night School“ dürfte nur Genre-treue Seelen überzeugen.


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