HALLOWEEN - DIE NACHT DES GRAUENS (Halloween 1978 John Carpenter)


Mit sechs Jahren tötete Michael Myers seine Schwester mit einem Küchenmesser. Seitdem saß er stumm und regungslos in einer psychiatrischen Anstalt, bis ihm 15 Jahre nach der Tat die Flucht aus dieser gelingt. Sein Psychiater Dr. Loomis, der Michael eher für ein Monster als für einen Menschen hält, vermutet dass er in seine Heimatstadt reisen wird. Und er hat recht. In besagter Stadt gerät die junge Laurie ins Visier des Mörders, und in der Halloween-Nacht wird er zuschlagen während Laurie einem Babysitterjob nachgeht...


War das der schwarze Mann?...

... klingt im Deutschen wahrlich besser als der Boogeyman im Original, dennoch sei das Sichten der englischsprachigen Fassung empfohlen, werden Kinder in der Deutschsynchro doch verkitscht und unüberhörbar von erwachsenen Frauen gesprochen, was dann doch etwas arg nervt. Von einigen kleinen Logiklöchern (der Sekundensex in zwei Fällen, ruppiger Tag-Nacht-Übergang,...) abgesehen, sind das auch die einzigen Kritikpunkte, die sich Carpenters legendäres Werk gefallen lassen muss, ist es ansonsten inszenatorisch doch eine Meisterarbeit und einer meiner absoluten Lieblingsfilme des Horror-Genres. Carpenter ist inspiriert durch Hitchcocks "Psycho" und dem damals modernen italienischen Giallo, der sich zur Entstehungszeit bereits rar machte, die Blaupause des heute üblichen Slasher-Horrors gelungen, die durch "Freitag der 13." später noch einmal versimpelt wurde. In Carpenters Ur-Werk, für welches er im TV-Film "Das unsichtbare Auge" kurz zuvor bereits spannungstechnisch üben durfte, handeln die Teenager noch glaubwürdig, sprich ihre Naivität und Dummheit ist dem Alter geschult und nicht der Schwäche des Drehbuchautors, und gerade die maximal durchschnittlich anzuschauende Jamie Lee Curtis wirkt in ihrer unscheinbaren Art innerhalb ihrer ersten Hauptrolle ungemein authentisch, was der unattraktive Kleidungslook, der ihr beschert wurde, perfekt zu unterstützen weiß.

Myers hingegen darf nicht nur der schwarze Mann genannt werden, der schlanke Typ wird in dunkle Klamotten gesteckt und mit einer unverkennbaren und ungemein wirksamen weißen Maske verkleidet, so dass auch er optisch perfekt zu seiner Phantompräsenz eingefangen wird, freilich unterstützt von der diesbezüglich hervorragenden Kameraarbeit, die nicht nur Laurie ein Gefühl der ungewissen Verfolgung beschert, sondern auch dem stets mehr wissenden Zuschauer. Das schwere, triebtäterartige Atmen Myers, als Verfolger am Rand des Bildes stehend oder klein mitten ins breite Bild hinein gesetzt, Myers ist unheimlich und meiner Meinung nach (auch durch die Fortsetzungen) eines der interessantesten Monster der Horrorfilmgeschichte, eben weil ihn eine Mystik umweht, die unerklärbar ist. Scheinbare Unlogiken, wie die Stärke des schmalen Hemdes, der schleichende Gang und das Wissen über Dinge, die er aus der Klinik nicht wissen kann, ebenso wie das stille Signal von dem in fast jedem Teil die Rede ist, unterstützen besagte Rätselhaftigkeit seines Wesens, die glücklicher Weise nie zu stark hinterfragt wird. Michaels Wesen, sein Drang, die Frage wie wurde er was er wurde und was ist er eigentlich gehören unbeantwortet, damit "Halloween" und seine Fortsetzungen funktionieren können.

Das mag manchem modernen Zuschauer, der Antworten auf jegliche Fragen beschert haben will, nicht schmecken, aber für die Art Publikum ist "Halloween - Die Nacht des Grauens" ohnehin nicht gedreht, ist er doch zudem in einer fast ereignislos scheinenden Langsamkeit inszeniert, und da er der Prototyp dieser Art Film ist, freilich ohne weitere Überraschungen seines minimierten Plots versehen. Für mich und viele andere sind dies freilich die Pluspunkte eines Streifens, der spannungstechnisch schnell zu packen weiß und dies konsequent bis hin zu seinem nervenzerreißenden Schluss. Der von Carpenter selbst komponierte Soundtrack unterstützt dies, und so theoretisch überladen wie dieser von Carpenter eingesetzt wird, weiß man auch wie sehr dies dem Regisseur bewusst war. Der Erfolg gibt ihm recht, der dominante Einsatz des genialen Sounds steht im krassen Gegensatz zum ansonsten angegangenen Minimalismus, der "The Babysitter Murders" (Alternativtitel) jene Genialität beschert, die ihn schließlich auch ausmacht. "Halloween" muss man als Horror-Fan gesehen haben, da geht kein Weg dran vorbei. Er gilt als Meilenstein des Genres und dies zu Recht. Alle Jahre wieder sehe ich ihn mir an und bin immer wieder aufs neue fasziniert davon wie gut er funktioniert. Zudem ist er in unscheinbaren Szenen, wie dem Mord im Auto, der Szene im Kleiderschrank, oder der Bettlaken mit Brille-Aktion, hervorragend fotografiert. Auch dies beeindruckt noch nach der x-ten Sichtung.


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