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Montag, 27. Juli 2015

THE PURGE 2 - ANARCHY (The Purge: Anarchy 2014 James DeMonaco)


Eine neue Nacht der Säuberung steht bevor. In der Purge sind 12 Stunden lang jegliche Verbrechen erlaubt. Ein Sergeant möchte die Nacht nutzen um am Mörder seines Sohnes Rache zu nehmen. Durch gewisse Umstände wird er stattdessen zum Beschützer eines Paares, dem das Auto kurz vor der Säuberung mitten in der Stadt stehen geblieben ist und einer Mutter mit ihrem Kind, welche von einer gut organisierten Säuberungselite aus ihrem Haus heraus entführt wurden...


Gesegnet seien die neuen Gründungsväter...

Die simple Idee einer Gesellschaft, die eine Nacht jeglichen Verbrechen straffrei nachgehen darf ohne mit einer gesetzlichen Konsequenz zu rechnen, um die Kriminalität den Rest des Jahres fast komplett zu eliminieren, ist so simpel wie reizvoll, steckt sie doch sowohl voller politischer Möglichkeiten, wie auch rasanter Actionmomente und Gore-Effekte. „The Purge 2 - Anarchy“ wurde ebenso wie sein Vorgänger „The Purge - Die Säuberung“, der ein Jahr zuvor erschien, von James DeMonaco gedreht und geschrieben, und der erkannte die Vielfalt der Möglichkeiten, die situativ in der Grundidee stecken, so dass Teil 2 keinesfalls eine blasse Kopie des Vorgängers wurde.

Ging es in Teil 1 um einen Feind im trügerisch sicher abgeriegelten Haus, so erleben wir in der Fortsetzung das Treiben auf den Straßen während der Purge-Nacht, was den Gewaltpegel und die Actionsequenzen stark nach oben steigen lässt, erzählt in einer selbstgerechten Mentalität und gespiekt mit reißerischen Elementen, so dass die politisch satirischen Zwischentöne in ihrer Glaubwürdigkeit zu leiden haben und der Film nur das ist, was er scheinbar aber auch nur sein will: Unterhaltungskino.

Dank so einiger Überlegungen, welche die Ideen besagter Nacht bereichern und dem an sich vorhersehbarem Ablauf zumindest die ein oder andere Überraschung beschert, fällt „American Nightmare 2 - Anarchy“ (Alternativtitel) nicht so plump aus wie ein üblicher Film des geistfreien Popkornkino heutiger Zeit. Er kommt etwas raffinierter und interessanter daher als der etwas zu routinierte Vorgänger, und ein hohes Tempo im Ablauf der Geschehnisse sorgt dafür dass einem nie langweilig wird. Mit den Hauptfiguren kann man mitfiebern, obwohl sie der Klischeekiste entsprungen sind (allen voran der unbesiegbare Anführer, der ein wenig zu sehr auf Rambo getrimmt ist), und der Spannungsbogen ist konstant auf einem hohen Niveau.

Mainstream ist der Streifen dennoch, geht man doch nicht zu hart mit dem Zuschauer und damit mit den Protagonisten um, präsentiert der Film doch, typisch moderner Mainstream-Horror, harte Bilder in einer Geschichte in welchen den Guten nichts all zu Schlimmes passieren darf. Wenn dann noch eine Frau geschminkt duscht, eine im Umgang mit Waffen unerfahrene Frau völlig ohne Rückstoß eine besonders krasse Schusswaffe abfeuert und ein Moralist als Held dargestellt wird, nur weil er die Gegenseite der Purge-Nacht vertritt, obwohl er gleichzeitig das Wort Gottes predigt und mit dieser entmündigenden Religion keinen Deu besser als die neuen Gründungsväter ist, dann merkt man wie sehr „The Purge 2" noch Massenkino ist, fern wahrer roher Werke, quasi ein Film für ein anspruchsloses Publikum.

Um so erstaunlicher ist das positive Gesamtergebnis, das mir wirklich gut gefallen hat, wenn man sich mit einem Film arrangieren kann, der clevere Ideen in stumpfer Umsetzung präsentiert. Die maskierten Mörder wissen ein ungutes Gefühl zu entfachen, die blutigen Sequenzen schauen sich glaubwürdig, die klare Trennung von Gut und Böse, wie sie leider typisch für Ami-Denken ist, wird zumindest leicht gebrochen, auch wenn sie die meiste Zeit glorifiziert wird. Es ist also definitiv nicht alles Gold was glänzt, aber spannend, actionreich, interessant und einfallsreich ist „The Purge 2“ definitiv ausgefallen, und er gehört zu jenen Werken, welche den Idealisten, die glauben eine Fortsetzung könne nur schlechter als ihr Original sein (eine Idee die keiner Gesetzmäßigkeit folgen kann) einen Strich durch die Rechnung macht. Bereits Teil 1 war nett erzählt. Teil 2 reißt einen für 90 Minuten richtig mit.


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Kommentare:

  1. Hatte den Film letztes Jahr auch gesehen (und rezensiert :-) ) - bin genau deiner Meinung. Der Teil ist besser als der Erste. Was mich leider immer noch stört ist diese Grundidee. Bei mir will der Funke einfach nicht richtig rüberspringen wieso das Verbrechen an einem Tag erlaubt ist und sonst nicht... aber war trotzdem nett anzusehen.

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    1. Das finde ich allerdings noch mit das glaubwürdigste an den ganzen Filmen. Da hapert es meiner Meinung nach eher im nachvollziehbaren Verhalten der Figuren beider Filme.

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