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Montag, 12. Oktober 2015

DER BLOB (The Blob 1988 Chuck Russell)


Als in der Nähe einer Kleinstadt ein Meteorit einschlägt, befreit sich daraus ein Schleim, der fortan durch die Gegend zieht und ganze Menschenkörper in sich aufsaugt. Mit jedem Opfer wird das schleimige Etwas größer und größer...


Ein Rocker rettet die Stadt...

30 Jahre nach „Blob - Schrecken ohne Namen“, 16 Jahre nach dessen Fortsetzung „Beware! The Blob“ und im selben Jahr von dem teilweise Teil 1 parodierenden „Space Invaders“ drehte Chuck Russell, der ein Jahr zuvor mit „Nightmare 3“ der Retter der Freddy Kruger-Reihe wurde, die Neuverfilmung um den Schleim aus dem Weltall, mithilfe besserer Spezialeffekte und einer aufgepeppteren Handlung, welche die ein oder andere Überraschung bereit hielt.

Dabei weiß leider nicht jede zu funktionieren. So passt es doch z.B. nicht zu dem schleimigen Organismus, welcher das Zentrum des Schreckens darstellt, dass er plötzlich Fangarme bekommen hat, mit deren Hilfe er sich zwar besser die Opfer einfangen kann, die aber viel zu hart und fest wirken um zur Restkreatur zu passen. Alles in allem weiß die neu erzählte Geschichte aber bestens zu funktionieren, besser sogar als das naive Original. Krankte dies jedoch an typischen Merkmalen des 50er Jahre Kinos, so ergeht es dem Remake mit typischen 80er Jahre-Krankheiten.

So ist das Abspannlied beispielsweise ein erbärmliches Stück inspirations- und individualitätsloses Herumgedudel, welches zum schnellen Abschalten verleitet, wo man sonst als Cineast doch gerne den Abspann mitverfolgt. Auch die Frisuren sind freilich wieder unter aller Kanone und machen es zu Anfang schwer die Helden der Geschichte ernst zu nehmen.

Viel gravierender schadet jedoch die typische Haltung des 80er Jahre Kinos, das erste wahrlich geistlose Jahrzehnt von vielen die noch kommen sollten, im Finale den Film, in welchem man hinnehmen muss dass Aktionen, Entdeckungen und Unterhaltungen nicht hinterfragt und zu Ende gedacht werden, Ideen teilweise unreflektiert und unverstanden vom Original übernommen werden, weil die Geschichte einfach so sein muss, und damit entscheidende Phasen zu Nebensätzen verkommen und Handlungen nicht nachvollziehbar sind, gerade dann wenn Durchschnittsbürger wie so oft in 80er Jahre-Filmchen auch außerhalb des B-Movie-Sektors sich im Laufe der Handlung urplötzlich in Actionhelden verwandeln, egal ob das nachvollziehbar ist oder nicht.

Aber ebenso wie das Original wäre es falsch das Remake aufgrund solcher der Zeit geschulten Ausrutscher zu belächeln, ist es doch ein tolles Stück Horrorfilm, welches nicht mit harten und einfallsreichen Ideen spart und uns die einzig aus ätzendem Schleim bestehende Kreaur derart erschreckend zeigt, wie sie schon immer gedacht war, in den 50ern aber nicht entsprechend zu wirken wusste. Ehemalige Personen finden sich im Zerfallprozess im glibbrigen Schleim wieder. Der Blob wartet nicht bis die Opfer komplett zersetzt sind, bevor er weiter mordet. Und seine Größe wird diesmal auch wesentlich besser eingefangen als noch im Original. Erst im gefrorenen Zustand kam er mir etwas winzig vor im Vergleich zu dem zuvor Terror versprühenden Ungetüm, dem eine ganze Kleinstadt nicht Herr werden konnte.

Trotz kurzer eingestreuter humoristischer Momente nimmt sich die Fortsetzung ernst, belächelt seine Kreatur nicht, sondern zeigt was in ihr steckt. Und da dürfen sich die Verantwortlichen für die Spezialeffekte schon ordentlich austoben, wohingegen sich der Soundtrack lediglich im Routinebereich befindet. Die Figuren gehen tief genug, dass man sich auf ihre anstatt auf die Seite des Blobs schlägt, teilweise dürfen sie sogar intelligent handeln, und in den 80ern durften sie noch politisch unkorrekt rebellieren. Aber warum der Blob den Helden plötzlich in den Abwasserkanal folgt, anstatt sich ein Super Size-Menu in der Menschenmenge zu gönnen, weiß wohl auch nicht einmal der Autor der ganzen Chose. Aber da sind wir wieder bei den typischen 80er Jahre-Schwächen, also was soll‘s.

„Der Blob“ ist flotte Science Fiction-Horror-Unterhaltung, der Altes neu aufbereitet, mit eigenen Ideen ergänzt und der zu den wenigen Filmen gehört, die ihre Existenzberechtigung aus dem Fortschritt des Spezialeffekt-Sektors ernten. In den 90er Jahren wären die Effekte der einzige Aspekt gewesen, den ein Kinofilm beachtet hätte. In den 80ern legte man zudem noch Wert aufs Drehbuch, dass zwar nicht an jeder Stelle zu überzeugen weiß, sich jedoch wie das Original genügend Zeit für den Storyaufbau lässt, die Hauptfiguren nicht nur gesichtslose Charaktere sein lässt und dank der ernsten Herangehensweise auch im Bereich des Spannungsaufbaus zu gefallen weiß. Von daher ist das Remake jedem Freund schleimiger Monster durchaus zu empfehlen.


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