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Sonntag, 22. November 2015

EINE JUNGFRAU IN DEN KRALLEN VON FRANKENSTEIN (La maldición de Frankenstein 1972 Jess Franco)


Ein irrer Wissenschaftler klaut mit Hilfe einer Vogelfrau Professor Frankenstein die frisch erweckte Kreatur, damit diese sich mit einer jungen Frau fortpflanzt um eine neue Rasse zu erschaffen, welche das menschliche Leben auf diesem Planeten auslöschen soll...


Der Tiefenstrahl hilft Papa sprechen...

Wenn man einmal bedenkt wie oft der Name Frankenstein, aufgrund dessen dass kein Copyright-Schutz auf den Begriff liegt, für Filmtitel genutzt wurde die nichts mit ihm zu tun haben, darf man in einem europäischen Trashfilm der 70er Jahre fast schon überrascht sein, wenn es unter dem Titel „Eine Jungfrau in den Krallen von Frankenstein“ u.a. tatsächlich um den Mann geht der es schaffte eine Leiche wiederzuerwecken. Im Gegensatz zu den vielen anderen Werken um diesen Forscher wird Frankenstein hier lediglich als wissenschaftliches Genie gefeiert, einen Mann den man ehren muss.

Als größenwahnsinnig gilt erst der tatsächlich noch durchgeknalltere Dr. Cagliostro, eine Art unsterbliches, da immer wieder neu geborenes, Wesen (ein Scientologe?), der so wahnsinnig ist, dass man keine seiner unsinnigen Taten je hinterfragen würde. Warum sollte man nicht eine Vogelfrau züchten, die Menschheit vernichten wollen, seine Botschaft stets per Gedankenkraft von wem anders verkünden lassen während man höchstpersönlich daneben steht oder Frankensteins Kreatur mit einem menschlichen Wesen ficken lassen? Es ist dieser Wahnsinn der in der Luft schwebt, der Francos Werk so entspannt gucken lässt. Hier ist alles möglich, und nach Sinn und Unsinn wird nie gefragt, denn wir blicken in eine fiktive Horrorwelt in welcher Klischees zum Alltag werden und Schwachsinn als Normalität betrachtet wird.

Franco taucht diese schrille bis groteske Welt schlicht abgefilmt in stimmige Bilder (am schönsten schaut sich der Gang in weiße Laken gekleideter Zombies durch einen nebligen Wald), untermalt es musikalisch mit stimmungsvoller spontan heruntergedudelt klingender Orgelmusik. Einmal durfte es zur Abwechslung in einem theoretisch spannenden Moment auch eine fröhliche Musikuntermalung sein, welche eher in eine Komödie hineingepasst hätte. Aber wer weiß, vielleicht hat Franco dies eingebaut um zwischen den Zeilen zu suggerieren dass all das spinnernde Treiben hier lediglich augenzwinkernd gemeint ist. Zweifeln darf man da bei Franco schon, versteht man den guten Mann doch eigentlich ohnehin nicht. Aber man weiß zumindest zu schätzen dass er all diesen Irrsinn ernst abfilmt und nicht wirklich versucht komödiantisch zu arbeiten.

„Das Blutgericht der gequälten Frauen“ (Alternativtitel) ist ein wunderbarer Mix aus stimmigem Schundfilm und zum Schenkelklopfen einladendem Trash. Da soll mal einer argumentativ gegenhalten bei all dem amüsanten Treiben das man hier vorgesetzt bekommt und all den Unsinnigkeiten, die sich auch im hier geschaffenen Horroruniversum nicht erklären lassen. Als besonders unfreiwillig komisch habe ich es empfunden, dass der verantwortliche Kommissar jegliche Polizeiarbeit, blauäugig könnte man diese Taten Ermittlungen nennen, einem mit ihm arbeitenden Wissenschaftler überlässt, während er selbst immer nichts tuend neben ihm hertrottet und dabei ein wenig wie Dr. Watson aus den Sherlock Holmes-Geschichten wirkt. Erst gegen Ende darf er einmal aktiv tätig werden, und da besteht seine Aufgabe lediglich darin mit einer Pistole auf diverse Feinde zu schießen.

Lustig ist auch aufgrund des billigen Produktionsniveaus, dass man einige Zeit als Zuschauer am rätseln ist, ob die Gestalten die in Cagliostros Schloss ein und aus gehen mit ihren Totenkopfmasken schräge Gäste in Kostümen sind, so wie die Partygesellschaft Franknfurters aus „Die Rocky Horror Picture Show“, oder ob sie wirklich übernatürliche Wesen sein sollen. Irgendwann wird man von Franco aufgeklärt, und diese Bande fröhlicher Karnevalisten sollen dann tatsächlich Zombies darstellen, deren Verwesungsprozess der mächtige Wissenschaftler nicht aufhalten konnte.

Zudem weiß ein silbernes Frankensteinmonster zu belustigen, ein ewig für wenige Minuten wiedererweckter Frankenstein, der, obwohl er weiß dass er nur wenig Zeit hat, bei seinen Erklärungen immer unnötig ausschweift anstatt ganz rational, wie es typisch für einen Wissenschaftler wäre, auf den Punkt zu kommen. „The Erotic Rites of Frankenstein“ (Alternativtitel zu einer Alternativfassung) steckt so voller liebenswerter bescheuerter Ideen, dass es eine Freude ist ihn zu sichten, auch wenn der etwas arg zähe Stil Francos die meist flüssige Ambiente hin und wieder auszubremsen weiß. Freunde des vergangenen unheimlichen Europa-Kinos sollten unbedingt mal einen Blick riskieren, gerade dann wenn sie Spaß an irren Ideen in trashiger Umsetzung haben.


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