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Samstag, 21. November 2015

WAS IST MIT BOB? (What About Bob? 1991 Frank Oz)


Der neue Psychiater des stark gestörten Bob Wiley fährt nach der ersten gemeinsamen Sitzung in Urlaub. Bob ist begeistert von dem Mann und dementsprechend frustriert dass er für einen Monat verreist ist. Bob findet mit List und Tücke heraus wo dessen Urlaubsort ist. Er reist ihm hinterher und wirbelt vor Ort das Leben des von ihm angebeten Kontroll-Freaks ordentlich durcheinander. Im Gegensatz zum Psychiater kann dessen Familie Bob unglaublich gut leiden. Während Bob aufgrund der Herzlichkeit der Familie psychisch immer mehr gesundet, geht es mit dem Geisteszustand des Psychiaters immer weiter bergab...


Ich fühl mich gut. Ich fühl mich toll. Ich fühl mich wundervoll...

Frank Oz in der Regie, Bill Murray und Richard Dreyfuss in den Hauptrollen und Julie Hagerty, die bereits in „Die unglaubliche Reise in einem verrückten Flugzeug“ bewiesen hat wie augenzwinkernd sie die naive (Ehe)Frau darzustellen weiß, in einer Nebenrolle, allein das sind vier Argumente die bereits für den großartigen „Was ist mit Bob?“ sprechen, einem Film der noch die Komödienluft der 80er Jahre atmet, meiner Lieblingszeit US-amerikanischer Komödien. Die Geschichte selbst wird mit den beiden Stars im Zentrum gar zum Selbstläufer, so dass es überhaupt nicht stört dass vieles vom eigentlichen Handlungsablauf vorhersehbar ist. Denn hier kommt es auf das wie an, und das ist treffsicher eingefangen mit gezielter Pointensetzung.

Wie gut „What About Bob?“ (Originaltitel) ist, lässt sich allein daran erkennen wie gekonnt Oz sich dem geistigen Abdriften des Psychiaters nähert, das keinesfalls zu ruckartig daher kommt und recht clever vorbereitet wird. Ohnehin ist diese Komödie keine gedankenlose unüberlegte Klamauk-Chose. Spielfreudige Stars unterstützen hier ein cleveres Drehbuch, welches genau weiß warum es welchen Bereich des Lebens wie parodiert. Die Schwächen von Psychiatern und die Vorurteilen über sie werden genauso auf die Spitze getrieben wie jeder weitere gesellschaftliche Aspekt den der Streifen aufgreift. Dabei geht kein Witz auf Kosten der Charaktere, die für das Gelingen des Humorbereichs im Mittelpunkt stehen und tiefgründig genug ausgefallen sind, so dass das ganze so funktioniert, dass man weder zu verkopft noch zu dümmlich unterhalten wird.

Privat sollen sich die beiden Hauptdarsteller nicht verstanden haben. Das wird ihnen sicher dabei geholfen haben sich in ihren Rollen zurecht zu finden. Aber wir reden hier von zwei wahrlich großen Leuten ihres Fachs, die bis auf die kleinste Mimik genau wissen wie die Figur und die jeweilige Situation zu verstehen ist. Es ist, wie so oft im Kino bis in die 80er Jahre hinein, in Kombination mit taltentierten Mimen das psychologische Verständnis des Autors, der das tatsächliche Funktionieren des Streifens ausmacht. Das Verständnis wie Charaktere funktionieren, wie sie zu dem wurden was sie sind, und warum sie zu dem werden was sie am Schluss sind, aufgrund eines Verstehens darüber welche Situation und Tat welchen Einfluss auf den jeweiligen Charakter und zukünftige Situationen hat. Das ist eine Stärke die im modernen Kino immer mehr verloren geht und damit solch stumpfe Werke wie „Die Wutprobe“ hervorbringt.

„Was ist mit Bob?“ guckt sich trotz seiner humoristischen Intelligenz locker leicht, bzw. gerade deswegen, eben weil man sich nicht krampfartig in eine Situation hinein schreibt, die man psychologisch nicht versteht. „Was ist mit Bob?“ ist gut beobachtetes Kino, welches einer herrlich übertriebenen Comic-artigen Idee nachgeht und in jedem Moment weiß was es gerade erzählen möchte, frei von Publikums-Anbiederung, Kitschmomenten, sowie idealistischem und moralischem Getue. Unterstützt wird das clevere Drehbuch dabei von einem hervorragenden Cast in den Händen eines begnadeten Regisseurs, der bereits einige Jahre zuvor mit „Zwei hinreißend verdorbene Schurken“ bewies wie geistreiche Komik aussehen kann.


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1 Kommentar:

  1. Fantastischer Film! Ebenso komisch, wie teils verstörend. Mag ich wirklich sehr.

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