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Donnerstag, 19. November 2015

JUNGFRAU UNTER KANNIBALEN (Il cacciatore di uomini 1980 Jess Franco)


Ein Vietnam-Veteran wird beauftragt die als Geisel genommene Schauspielerin Laura Crawford zu retten. Diese wird auf einer Insel gefangen gehalten, auf welcher Wilde ihrem Gott Menschen opfern...


Warum schießen immer alle auf uns?...

Man muss sich bereits von Anfang an an den unkonventionellen Stil Jess Francos gewöhnen, der mal wieder unter einem Pseudonym tätig war als er „Jungrau unter Kannibalen“ drehte. Allein was uns zu Beginn an wild geschnittenen Szenenwechseln beschert wird, gerne häufiger als im Minutentakt, sprengt bereits die üblichen Sehgewohnheiten. Aber dafür ist der Regisseur nun ja bekannt, ebenso für seine Methode improvisiert an Filme heran zu gehen. Das erklärt dann auch den äußerst wirren und gerne hin und wieder widersprüchlichen Plot, wenn man die ziemlich dahingeschluderte Story denn so nennen mag.

Die geht entgegen dem was uns der deutsche Titel einreden mag eben nicht um Kannibalen, und um eine Jungfrau schon gar nicht, zumindest spätestens nach einer halben Stunde, wenn besagte Jungfrau vom Anführer der Entführer vergewaltigt wird. Die „Kannibalen“ selbst sind lediglich Wilde die ihrem Gott Menschenopfer bescheren, vielleicht auch lediglich einem Monster, so genau lässt sich nicht sagen ob das Monster, das wie ein Zombie aussieht und der einzige Kannibale des Streifens ist, als Gottheit verehrt wird oder ob es lediglich besänftigt werden soll, zeigt uns Franco doch am Schluss ein erleichtertes Volk Eingeborener nach dem Tod der Bestie. Den Tod eines Gottes würde man wohl kaum bejubeln.

Letztendlich ist das aber auch egal, denn die Handlung ist wie bereits erwähnt äußerst wirr ausgefallen und der komplette Streifen billigst heruntergedreht ohne auf irgendwelche Feinheiten, egal welcher Art, zu achten. Im Gegensatz zu den meist anderen von mir gesichteten Franco-Filmen funktioniert das sogar halbwegs, was neben der 70er Jahre-Stimmung des 1980 gedrehten Filmes u.a. auch an der Hintergrundmusik liegt, die Bongo-Trommeln und Orgelmusik mischt und hin und wieder eine Art Apachen-Gesang über diesen wilden Mix legt. Das weiß eher auf trashige Art zu wirken als auf stimmige, aber so oder so wird es zu einem Pluspunkt in einem Film, den kaum wer aushalten dürfte, so hingerotzt er sich eigentlich guckt.

Ich weiß nicht genau warum ich trotzdem eine gewisse Sympathie zu dem Film hege. Vielleicht weil er einfach so eine ehrliche Ausstrahlung besitzt, macht er uns doch nie vor ein klassisch erzählter Film sein zu wollen. Und im Gegensatz zu den meisten mir bekannten Werken des Regisseurs ist „The Devil Hunter“ (Alternativtitel) auch nicht langweilig ausgefallen. Er schaut sich einfach nur völlig bescheuert.

Dies nicht nur weil er inhaltlich so stümperhaft wirkt, auch wegen manch typischer Eigenart Francos, so zum Beispiel seine lüsterne Art mit welcher er Szenen abfilmt. Da müssen Frauen nicht nur meist nackt sein, der alte Stelzbock liebt es auch immer wieder unnötig so nah wie möglich an die Intimzonen der Frauen heran zu zoomen. Warum dem Zuschauer verweigern was er sich heimlich wünscht? Manch zarter Popo als angenehme Aufnahme steht da manch wucherndem Intimbusch als unangenehme Aufnahme gegenüber, aber letztendlich lädt diese Provokation so oder so zum Schmunzeln ein und, ob gewollt oder nicht, weiß eine solche Szene damit bei mir zu ziehen.

Ich könnte nun nicht wirklich ein Loblied auf diesen sonderbaren Film anstimmen, er ist lediglich im Vergleich angenehmer zu schauen als viele andere Filme des Vieldrehers. Und wahrscheinlich habe ich auch einen besonders geduldigen Tag erwischt, wo dieser theoretische Scheiß doch eigentlich zum Ausschalten animieren sollte. Aber ähnlich wie bei „Dawn of the Mummy“ ist da etwas nicht Greifbares das mir gefällt, eine gewisse Stimmung, die sich erst entfacht wenn man sich eine Zeit lang in „Mandingo Manhunter“ (Alternativtitel) hineingeguckt hat. Freaks völlig ungewöhnlicher Filme sei dieser Beitrag des Kannibalenfilms also als Experiment ans Herz gelegt, auch wenn man eigentlich jedem von diesem Streifen abraten sollte.


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