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Mittwoch, 9. Dezember 2015

ICH GLAUB' ICH STEH' IM WALD (Fast Times at Ridgemont High 1982 Amy Heckerling)


Während der ewig zugedröhnte Kiffer Spicoli dem strengen Lehrer Mr. Hand die Nerven raubt, versucht sich Stacey mit einem Fremden am ersten Sex, obwohl sie eigentlich den schüchternen Mitschüler Mark recht süß findet. Ihr Bruder Brad macht währenddessen beruflich wie auch beziehungstechnisch eine schwere Zeit durch...


Stichproben...

„Ich glaub‘ ich steh‘ im Wald“ erzählt uns die alltäglichen Abenteuer diverser Teenager während eines kompletten Schuljahres. Damit ist keine detailreiche Betrachtung möglich, der Film stochert eher in den Highlights des Privatlebens der Schüler herum, aber er macht dies auf eine solch sensible und charmante Art, dass der in seiner Unaufgeregtheit erzählte Film tatsächlich zu den großen Beiträgen seines Genres aus den 80er Jahren gehört.

Regisseurin Amy Heckerling, die auch für das Drehbuch dieses auf einem Roman basierenden Filmes verantwortlich war, nimmt ihre Figuren ernst. Und trotz der zeitlichen Sprünge und dem Hin und Her zwischen den Figuren trifft sie doch immer wieder ins Schwarze, so dass die Geschichte nicht gehetzt und halbherzig eingefangen wirkt, sondern nah am Empfinden von Jugendlichen dran ist. Da wird nichts schön geredet, nur selten übertrieben (z.B. bei einem äußerst brutalen Football-Spiel) und manches Mal überrascht der amerikanische Streifen aufgrund seiner Freizügigkeit. Wir befinden uns mitten im Leben der Teenager der 80er Jahre, und Klischees werden maximal gestreift als dass man in ihnen suhlt. Man lernt die Protagonisten tatsächlich als Menschen kennen.

Der hier in Deutschland relativ unbekannte, in Amerika aber zum Kultfilm erklärte, „Fast Times at Ridgemont High“ (Originaltitel) fährt allerhand Prominenz auf. Während Sean Penn in der mit Blick von heute völlig unerwarteten Rolle des Oberkiffers brilliert, weiß Phoebe Cates als Sexualerfahrung vorgaukelnde Humorlose zu überzeugen. Jennifer Jason Leigh darf bezaubernd die Naive mimen, die zum Ende des Streifens über mehr Lebenserfahrung verfügt als ihre großmaulige Freundin. Judge Reinhold hat die wohl am schwierigsten zu greifende Rolle erwicht, eben weil er so gar keinem klassischen Charakter-Typ entsprechen will. Und Forest Whitaker ist in einer recht kleinen Rolle zu sehen, die jedoch noch wesentlich größer ausgefallen ist als die Statistenrolle Nicolas Cages, der immer wieder mal im Hintergrund zu sehen ist.

„Ich glaub‘ ich steh‘ im Wald“ erzählt von den enttäuschenden Sexualerlebnissen der Teens, die nie den Träumen entsprechen, wie man sich diese Erfahrungen als Jungfrau ausgemalt hat. Es werden Erkenntnisse gesammelt, wobei jeder auf dem zum Charakter-Typ passenden Niveau eine Entwicklung durch macht. Glaubwürdig bleiben selbst die übertriebensten Figuren, sogar der obercoole Kumpel von Mark, der für einen etwas tragischen Part für kurze Zeit überraschend in den Vordergrund rückt. Heckerling macht sich nie über Schwächen lustig. Ihr Werk kommt manches Mal tragikomisch und meist sensibel humorvoll daher. Und wenn sich das Schuljahr dem Ende neigt ist jeder um Erfahrungen reicher.

Was mir persönlich am Film so gefällt ist die Gelassenheit und die Natürlichkeit in welcher er seine Situationen taucht. Die Konfrontation zwischen Kiffer und strenger Lehrer wird auf zurückhaltender, fast brav zu nennender Ebene ausgefochten, Peinlichkeiten aufgrund von Schüchternheit werden auf simpelste, alltäglichste Art aufgezeigt, usw. „Ich glaub‘ ich steh‘ im Wald“ ist hierbei niemals die Art Teeniefilm, wie wir sie durch „American Pie“, „Eis am Stiel“, nicht einmal durch die großartigen John Hughes-Streifen der 80er Jahre kennen. Trotz aller Lustigkeiten und teilweise recht schräger Figuren bleibt der Film immer bodenständig, verzichtet darauf Film zu sein, sprich er baut nicht auf jenen Grad Übertreibung, der zum Medium im Popkornbereich eigentlich automatisch dazu gehört. Er vertraut auf den Wiedererkennungswert für den Zuschauer, auf das Menschliche, das Schrullige wie das Normale. Und er erzielt damit ein hohes Interesse an dem was man sieht.


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