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Sonntag, 7. Februar 2016

DISASTER! - THE MOVIE (Disaster! 2005 Roy T. Wood)


Ein Asteroid rast auf die Erde zu und droht sie zu zerstören. Ein Team lebensmutiger Experten fliegt mit einer Rakete ins All um den Asteroiden in die Luft zu sprengen...


Armer Geddon...

Bereits das Aussehen der Figuren in diesem Knetgummi-Stop Motion-Film deutet den Anarchogehalt dieses wilden Streifens an. Mühevoll umgesetzte, aber absichtlich auf krumm und hässlich getrimmte, Püppchen werden einem hier vor die Nase gesetzt, und keine wirkt geklont wie in manchem Trickfilmbeitrag aus den Computerschmieden. Jede Figur ist äußerlich individuell gestaltet und versprüht dabei Charakter und Witz. Das ist viel wert in einem Trickfilm für Erwachsene der auf Provokationskomik setzt, ein Rezept das meist nach hinten los geht und eher peinlich ausfällt.

Warum dies bei „Disaster! - The Movie“ nicht passiert ist, weiß ich auch nicht so genau. Er hätte zwar eine gehörige Portion weniger sexuell provozierende Witze und vor allen Dingen weniger Fäkalhumor vertragen können (der furzende Franzose geht schon ziemlich auf die Nerven nachdem er zuvor für eine nette „Alien“-Parodie positiv zu wirken wusste), aber bei dem hohen Gag-Kaliber das uns hier geboten wird ist einfach noch genug funktionierendes Material dabei das zu belustigen weiß.

Irgendwo angesiedelt zwischen „Scary Movie", „Happy Tree Friends“, „South Park“ und den Beiträgen der Troma-Studios, weiß „Disaster!“ (Originaltitel) mit dem nötigen Charme im Gepäck zu jener Art Anarcho-Trickfilm zu werden, der zu funktionieren weiß. Ihm geht nicht wie „Free Jimmy“ zu schnell die Puste aus, hält ein kurzweiliges Tempo bereit und verkommt somit nicht zum Langeweiler a la „Fritz the Cat“, und der erwachsene Stil geht nicht nach hinten los mit infantilem Ergebnis wie es z.B. bei „Killer Bean Forever“ oder „Bat Thumb" der Fall war.

„Disaster!“ besitzt das richtige Tempo und den richtigen Witz um zu funktionieren, verlässt sich dabei nicht einzig auf die vielen schnellen Flachköpper, sondern sorgt mit Kenntnissen dessen was man parodiert und dem charmanten Spiel mit Stereotypen und einem bewussten Blick auf Charaktere dafür dass er mehr ist als der seelenlose Versuch lieblos mit Provokomik dem Teenagerpublikum auf die Schnelle die Kohlen aus der Tasche zu ziehen. Der Humor reicht von billigen Wortspielen, über brutale Splatterkomik bis hin zu parodierenden Szenen, Gesellschaftskritik und Promi-Verarsche, ist angereichert mit Sex- und Furzwitzchen sicherlich eher für das Jugendpublikum ausgelegt als für den erwachsenen Zuschauer, aber selbst der kann seinen Spaß haben wenn er auch gerne mal unter Niveau lacht.

Parodiert wird hauptsächlich der themengleiche „Armageddon“, so dass man es als Glücksgriff betrachten darf, dass in der Hauptrolle die deutsche Synchronstimme von Bruce Willis gewonnen werden konnte, während der echte Bruce Willis nicht am Originalton beteiligt war. Passend zum Thema werden nebenbei auch „Meteor“ mit Sean Connery und „Deep Impact“ parodiert, und auch „Terminator“, „Alien“ und einige weitere von mir entdeckte und nicht entdeckte Filmchen bekommen ihr Fett weg. Als Gaststars schauen Mötley Crüe vorbei, was ganz gut zum Gesamtton des Streifens passt und natürlich auch zu dessen Tempo.

Inhaltlich kloppt man jede Menge Material in die 80 Minuten Laufzeit, womit „Disaster!“ zwar nicht überfrachtet wird, aber doch eine hohe Aufmerksamspanne vom Zuschauer abfordert aufgrund der schnell aufeinander folgenden Situationen und Witzchen, vergleichbar mit dem Tempo der Serie „Futurama“. Von Weltraumaffen über tobende Winde und Flutwellen mit Haien an Bord ist allerhand an Problemen zur Bewältigung der Lage gegeben, ganz zu schweigen vom Unvermögen der Crew, die es immer wieder schafft sich selbst Steine in den Weg zu legen, manchmal durch banalste Fehler wie das Vergessen die Handbremse eines Fahrzeuges anzuziehen.

„Disaster - The Movie!“ ist von Anfang bis Ende politisch völlig unkorrekt erzählt, macht sich lustig über Körperfunktionen, Nacktheiten, kotzende Modells, Schwule, Schwarze, Proleten und Behinderte, nutzt dies aber nicht nur für den asozialen schnellen Gag, sondern entlarvt damit manche Fehler im System, in der Gesellschaft und im amerikanischen Kino. Wie erwähnt hätten es ruhig ein paar weniger Fick- und Fäkalwitzchen sein können, diese drücken das Niveau des ansonsten liebenswerten Filmes weit nach unten. Relativ spaßig bleibt das Ergebnis dennoch bei all dem Einfallsreichtum und dem Spaß an der Freude, den man den Machern dieses Animationsfilmes deutlich ansieht. Allerdings ist die erste Hälfte humoristisch wesentlich besser eingefangen als die zweite.


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