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Donnerstag, 10. März 2016

THE WALKING DEAD - STAFFEL 2 (The Walking Dead - Season 2 2011 Ernest R. Dickerson u.a.)


Als sich die Gruppe Überlebender mal wieder vor einer Gruppe Zombies verstecken muss, geht die junge Patricia verloren. Auf der Suche nach ihr wird der Sohn von Rick stark verletzt. Überraschender Weise findet man Hilfe auf einer Farm, die von einem ehemaligen Tierarzt geleitet wird. Während Carl gesundet macht sich die Truppe von der Farm als zentraler Stützpunkt aus auf die Suche nach dem vermissten Mädchen...


Wie der letzte Rest Demokratie zerstört wurde...

Wer meine Review zur ersten Staffel gelesen hat, weiß dass ich bislang kein Fan von „The Walking Dead“ war. Nach einem tollen Pilotfilm wurde mir die ganze Chose zu realitätsfern geschwätzig, als dass ich mich nach sechs Folgen weiterhin für die Serie hätte interessieren können. Nach meiner Sichtung der sympathischen Asylum-Serie „Z Nation“ und mit dem Ziel mir demnächst den thematisch interessant klingenden Spin-Off zu „The Walking Dead“, „Fear the Walking Dead“, anzusehen, wollte ich als Vorbereitung zu dieser der grundlegenden Serie neu motiviert eine erneute Chance geben. Und ich bin froh dass ich diesen Schritt gegangen bin.

Als nach einer großartig erzählten Einstiegsfolge die zweite Staffel schon wieder inhaltlich bergab ging, fühlte ich mich zunächst noch von meiner alten Ansicht bestätigt. Von Folge zwei an trat das Szenario lange Zeit auf der Stelle, Zombieszenen wurden stark reduziert, und der dominante Soap Gehalt wollte aufgrund der noch immer stark präsenten heile Welt-Sicht bei mir nicht zünden. Aber wenn man der zweiten Staffel trotzdem geduldig eine Chance gibt, erkennt man mit Blick auf das Gesamtwerk, dass die zweite Staffel mit voller Absicht erzählt ist wie sie es ist. Der Stillstand der Folgen 2 - 4 ist nötig um die Geschichte in die gewählte Richtung zu lenken. Ohne sie würden sich die Differenzen in der Gruppe nicht derart hochschaukeln, und genau von diesen lebt Staffel 2, und genau deshalb weiß die humane Erzählform in Form einer Horror-Seifenoper tatsächlich zu funktionieren, womit sie im kompletten Gegensatz zu „Z Nation“ steht, die ihre Stärke darin besitzt sich in einer kaputten Welt nichts Humanes mehr vorzumachen.

Zwar wird der Blick auf die Truppe von einem unfairen Blick aus betrachtet, immerhin wird eine tragische Figur, die auf vieles verzichten musste, als Bösewichter dargestellt, und die verwöhnte Frau Ricks, die stets selbstgerecht andere für sich sterben lässt, als der vernünftige Part dargestellt (und auch dass Rick noch immer in seiner Sheriff-Uniform herumstolziert, so als habe dies in einer zerstörten Zivilisation noch eine Bedeutung, stimmt ärgerlich), interessanter Weise gibt die zweite Staffel „The Walking Dead“ jedoch jeglicher Seite die Chance sich mitzuteilen, verschiedene Ansichten zu begründen, und lässt sich in der späten Phase der Serie sogar dazu herab Fehler von Seiten der strahlenden Helden auch als solche darzustellen, sich also dessen bewusst zu sein, dass seine selbstgerechten Helden doch nicht das Ideal sind für das sie stets herhalten mussten.

Und das ist es was die Serie rettet. Sie badet nicht mehr wie es zunächst scheint in einem selbstgerechten Weltbild, welches weltfremd in einer Zombiewelt spielt, die man lediglich für ein Abenteuerpicknick hält. Die Figuren wachsen nun in diese Zombiewelt hinein, verändern sich, werden sich ihrerer Lage endlich bewusst, und versuchen dennoch sich ihre Menschlichkeit zu bewahren. „The Walking Dead“ wird erwachsen (was bedeutet dass die dämliche Sheriff-Uniform mit der Zeit ebenfalls verschwinden darf), und es mag sein dass mit Blick auf diese Veränderungen der zweiten Staffel sich die erste beim zweiten Mal auch wesentlich versöhnlicher gucken lässt.

Sicherlich erzählt auch die zweite Staffel nichts was es nicht schon in diversen Zombiefilmen zu sehen gab. Aber die Vertiefung der Charaktere macht die Serie in dieser Phase zu einem starken, sehenswerten Ereignis, welches nach dem täuschenden auf der Stelletreten einige Überraschungen und spannende Wendungen für den Zuschauer bereit hält, manches Mal auch einiges von ihm abfordert, ist doch z.B. der Tod zweier sympathischer Charaktere emotional tiefgehend herausgearbeitet, und gehen die Verantwortlichen doch auch mit dieser Thematik sehr sensibel, da Charakter-vertiefend und philosophisch angehaucht vor. Dieses Mal fühlt man mit den Figuren mit. Sie sind keine lieblosen hohlen Körper mehr, wie sie es meiner Meinung nach noch in der ersten Staffel waren.

Mit Staffel 2 gewinnt „The Walking Dead“ an Tiefe und Glaubwürdigkeit, gerade in seinem Bemühen in einer gnadenlosen Welt menschlich bleiben zu wollen. Vieles was in Staffel 1 zu gewollt erschien, bekommt nun einen ehrlichen Anstrich. Freilich scheinen die Verantwortlichen noch immer nicht wahr haben zu wollen was für ein menschenverachtender Charakter hinter der Figur von Ricks Frau steckt, aber solche Ärgernisse sind mittlerweile derart stark heruntergeschraubt, dass sich die Geschichte in ihrer Tragik sowie in ihren Spannungsmomenten entfalten kann, während uns eine Gruppe verschiedenster Mentalitäten die Chance gibt das Erlebte aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten, manches Mal auch zu begreifen. Sollte es „The Walking Dead“ in den kommenden Staffeln schaffen sich endgültig von dem Lobgesang von Rick und seiner Frau loszureißen, stünde die Serie sich endgültig nicht mehr selbst im Weg. Der Schluss der zweiten Staffel lässt diesbezüglich hoffen.


Weitere Reviews zur Serie: 

Kommentare:

  1. Kann ich sehr gut nachvollziehen. Ich mochte die erste Staffel zunächst auch nicht, aber mit der zweiten bin ich dann voll eingestiegen. Nach fünf Staffeln muss ich sagen: die zweite hat mir mit großem Abstand am besten gefallen.

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  2. Wenn dich Staffel 2 versöhnt und positiver stimmt, dann schau unbedingt weiter. Die kommenden Staffeln bieten tatsächlich noch einige Highlights.

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