Auf einer Privatschule wird eine Ernährungsexpertin als Lehrerin für den Kurs bewussten Essens eingesetzt. Ihrer handvoll Schüler bringt sie nach und nach den Verzicht auf Nahrung bei, für einen gesünderen Körper und Geist, zum Kampf gegen den Konsum und zur Rettung der Umwelt...
Politischer Sprengstoff...Wenn man als Student der Universität zu Köln im Bereich der Pädagogik in seinen schriftlichen Arbeiten nicht gendert, gibt dies Punkteabzug. Die Position von Lehrämtern zu nutzen, um eigene Ideologien zu verbreiten, ist nicht selten, wie fragwürdige Jugendbewegungen zeigen, und längst nicht mehr nur im religiösen und politischen Bereich zu beobachten. Regisseurin und Mitautorin Jessica Hausner wählte den Bereich der Ernährung, der in Zeiten, in welchen die eigene charakterliche Idealisierung zur Mode geworden ist, gerne für den Bereich Gesundheit und Umweltschutz thematisiert wird und zeigt in ihrer ungeschönten Satire, wie leicht es ist an lernwilligen, noch formbaren Schülern eine Gehirnwäsche vorzunehmen, freilich indem man die Allgemeinheit als gehirngewaschen von Konzernen, Politik und Medien bezeichnet. Diese bitterböse und wundervoll zu schauende Kritik an ganz viele Bereiche unserer Gesellschaft ist flüssiger erzählt als ihr ungewöhnlicher "Hotel" und funktioniert umso besser durch Verzicht phantastischer Elemente, wie hauchzart noch dort und in "Little Joe" eingebaut.
Das Gleichnis einer Sekte bleibt nicht nur Metapher, mit tieferem Einblick in die Motivation der Lehrerin handelt es sich definitiv um eine Sektenbildung, was auch den entscheidenden Unterschied zum populäreren "Die Welle" ausmacht. Außerdem ist "Club Zero", typisch Hausner, völlig unaufgeregt erzählt, punktet durch Sachlichkeit, perfekte Optik und hervorragender Mimen und setzt, gut reflektiert, nicht erst beim Problem des Unterrichts an, sondern bei den Mentalitäten von Elternhaus und Schule, teilweise als unbewusste Vorstufe der charakterlichen Bildung zur Sektenabhängigkeit, aber auch als von den Schülern bewusst wahrgenommene Fragwürdigkeit, so dass sie die neue, die sie erlernen, automatisch als richtige Alternative annehmen. Bereits Erwachsene glauben die Gegenbewegung etwas erkannt Fragwürdigen würde die richtige Lösung sein, dass nutzen blaue, wie grüne Parteien ebenso für sich aus, wie extremistische Mentalitäten in solch anfänglich gerechtfertigten Bereichen wie Emanzipation, Umweltschutz, Ernährung, Unterstützung von Minderheiten, Bekämpfung von Rassismus und dem Erhalt von gesellschaftlichen Freiheiten.
Im Zentrum steht eigentlich immer die Idealisierung von sich selbst, ein Punkt den Vereinigungen wie Scientology lukrativ für sich einzunehmen wissen. Und obwohl wir in Deutschland mit unserer Geschichte brutalste Erfahrungen mit Extremismus gemacht haben, fallen viele von uns noch immer auf ihn herein, wenn er aus einer anderen Richtung kommt. Wie das funktioniert entlarvt "Club Zero" in seinem Mikrokosmos wunderbar und zeigt uns ab einem gewissen Zeitpunkt, an dem bereits alles zu weit gegangen ist, die Wehrlosigkeit bei den Eltern, eine Ohnmacht, da die bisherigen, eher amateurhaften Methoden nichts bringen. Dass es dazu nur kommen konnte, weil man Fremde die Erziehung übernehmen ließ, und speziell die besagte Lehrerin viel persönlicher auf die Kinder einging, als es die Eltern je taten, die zu sehr mit ihrer eigenen Lebenswelt, ihren Idealen und ihren Problemen beschäftigt waren und lediglich auf Leistung und Erfolg achteten, bringt Hauner auf den Punkt. Ebenso die fragwürdige Mentalität vieler Bildungsstätten, wo die Schüler angeblich frei von Druck, wie die Rektorin betont, motiviert werden, während unterschwellig tatsächlich stetig Druck ausgeübt wird, selbst vom menschlich sympathisch anmutenden Tanzlehrer, der ehrlich um seinen Schüler besorgt ist.
Die Ernährungsexpertin ist nur die Spitze des satirischen Eisbergs dieses Ansatzes, kann man doch gar nicht wissen, wem genau man seine Kinder anvertraut, und doch geschieht dies stets recht blind. Der Gruppendruck tut sein restliches, wie die Figur des Ben zeigt, der aus einem Elternhaus ohne großen Leistungsdruck stammt. Das Spiel mit dem Bereich der Esoterik weiß ebenfalls zu gefallen, eben weil die Lehrerin in anderen Extremen Esoterik wahrnimmt, ihre eigene Methode jedoch nicht als derartiges betrachtet. Und eben weil das Einbringen dieses Aspekts kritisch einhergeht, ist das Anwenden dieser Mitthematik so unentbehrlich für den Film, eben weil wir in Zeiten leben, in welchem Homöopathie und andere Zaubereien unsere Schulweisheiten mittlerweile wieder bei großen Teilen der Gesellschaft ersetzen. Es geht um den Glauben, wie es uns final auch noch einmal deutlich zum Schluss des Streifens mitgeteilt wird. Dass das Ende entsprechend rätselhaft ausfällt und von uns erwartet uns selbst vorzustellen, worin die finale Konsequenz der Kurs-Teilnehmer liegt, aber auch dessen was die Eltern von nun an tun, weiß zu gefallen, wird aber nicht jedem Zuschauer schmecken. Angesprochen werden aber ohnehin nur die, die auch etwas mit geistreichen Werken anfangen können, welche den Zuschauer mündig behandeln und ihm nicht jede Information überdeutlich vor die Nase setzen. Meiner Meinung nach weht gegen Ende gar ein kleiner Hauch "Picknick am Valentinstag" mit. Wiki
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