Schlombies Filmbesprechungen auf Facebook:

Samstag, 28. Mai 2016

DER DOPPELGÄNGER (1934 E.W. Emo)


Die gerade volljährig gewordene Australierin Jenny zieht zu ihrem Vetter Harry nach London, um ihn zu heiraten. Kaum dort angekommen kontaktiert sie ein Detektiv und informiert sie darüber dass Harrys Vermögen in Gefahr schwebt, geht in London doch ein Dieb um, dessen Lockvogel seine Opfer zu einer Reise verleitet, damit der Täter, während das Original verreist ist, als Doppelgänger getarnt die Wohnung ausräumen kann. Tatsächlich möchte Harry verreisen, sitzt auch bereits im Zug der ihn nach Ostende fahren soll, überlegt es sich jedoch kurzfristig anders und fährt wieder heim. Dort angekommen wird er von seiner Cousine und dem Detektiv überrumpelt und gefangen genommen, da er für den gefürchteten Doppelgänger gehalten wird. Und was auch immer Harry versucht, Jenny glaubt ihm kein Wort...


Hilfe, ich bin ich...

Diese Krimi-Komödie, die dominanter Komödie als Kriminalfilm ist, basiert auf einer der Arbeiten von Edgar Wallace und wurde von E.W. Emo umgesetzt, der seit der 20er Jahre leichte Stoffe verfilmte und bis in die 50er Jahre hinein als Regisseur tätig war und dabei etliche Filme mit Theo Lingen in der Besetzung umsetzte. Der ist auch im hier besprochenen Werk in der Rolle des ängstlichen Detektivs dabei und darf von allen Beteiligten am meisten herumalbern, während der restliche Film einer eher seichteren Komik nachgeht.

„Der Doppelgänger“ ist ein leichtfüßiger Vertreter der Gattung Verwechslungs-Komödie und schaut sich aufgrund der im Mittelteil konzentrierten Beschränkung auf nur wenige Zimmer im selben Haus wie ein für den Film umgeschriebenes Theaterstück. Wer also aufgrund der literarischen Vorlage von Edgar Wallace einen Krimi-Plot erwartet wie ihn die frühe 60er Jahre-Rialto-Reihe bot oder die 30er Jahre-Verfilmungen „Der Zinker“ und „Der Hexer“, der wird nicht wirklich glücklich werden mit dem Stoff, vorausgesetzt er kann sich nicht umorientieren und auch Freude an einer verspielten Komödie haben, die durchaus ihre einfallsreichen Momente besitzt.

Relativ kurz nach der Entstehung des Tonfilms gedreht weist die Akustik noch einige Mängel auf. Und aufgrund seines Alters fehlen dem Werk auch Teile des Filmmaterials und des dazugehörenden Tons. Ein großer Wurf ist Emo mit „Der Doppelgänger“ nicht gelungen. Er wird nicht zur Pflicht für interessierte Cineasten. Aber als lockerleichte Komödie weiß das Lustspiel sehrwohl zu gefallen, vorausgesetzt man erwartet nicht zu viel und kann sich mit dem Grundlagenprogramm eines solchen Filmes zufrieden geben.

Manches Mal überrascht das Drehbuch mit einfallsreichen, besonders lustigen Sequenzen. Und gerade das Spiel von Hauptdarsteller Georg Alexander, welches den 50er Jahre-Rollen eines Heinz Rühmann stark ähnelt, weiß den Großteil des Filmes zu tragen, bereitet es doch eine Heidenfreude ihn zunächst zugeknöpft und arrogant zu erleben, und später bockig und zum Haushalt gezwungen, von der eigenen Cousine gefangen gehalten, da für einen Betrüger gehalten werdend.

Wie alt „Der Doppelgänger“ tatsächlich schon ist merkt man nicht nur am dem in die Jahre gekommenen, in Mitleidenschaft geratenem Schwarz/Weiß-Bild und dem schlechten Ton, auch die Idee dass eine Frau ihren Vetter besucht um ihn zu ehelichen wirkt mit Blick von heute doch arg überholt, ja sogar geradezu skandalös. Andere Zeiten, andere Sitten, kann man da nur sagen, aber irgendwie passt selbst der moderne Blick von heute zur damaligen Inszenierung, wird Jenny doch schließlich als ziemliche unberechenbare Skandalnudel charakterisiert, so dass die überholte Freizügigkeit dem Sehspaß keine Einschränkungen beschert. Zumindest zeigt uns ein Blick auf „Der Doppelgänger“ bezüglich dieses speziellen „Inzest"-Themas, dass Moral sich stets im Wandel befindet und unsere ach wie freie moderne Art, von der wir gerne denken wir hätten mit ihr jegliche Zwänge über Bord geworfen, doch nicht nur aus freiheitlichem Fortschritt besteht, sondern teilweise auch aus Rückschritten.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen