Sonntag, 29. Mai 2016

DER ZINKER (1931 Martin Fric u.a.)


In London treibt ein Unbekannter sein Unwesen. Er erpresst Verbrecher die Beute mit ihm zu teilen, oder er verpfeift sie bei der Polizei. Sowohl die Unterwelt als auch die Polizei ist auf der Suche nach der Identität des sogenannten Zinkers...


Der Beste unter den Petzen...

Bereits zur Stummfilmzeit wurden Romane von Edgar Wallace verfilmt, und auch die Deutschen mischten schon lange vor dem Start der Rialto-Reihe von 1959 mit. Eine dieser frühen Verfilmungen, zu Zeiten entstanden in denen der Tonfilm eine noch relativ neumodische Erscheinung in den Kinos war, ist Carl Lamacs „Der Zinker“, der stark überarbeitet 1963 noch einmal in Deutschland verfilmt wurde. Diese erste Verfilmung, die nur wenige Jahre nach der Veröffentlichung des Kriminalromans von Wallace gedreht wurde, ist den ersten Filmen der Rialto-Reihe sogar recht ähnlich.

Zwar ist die Kommissarenfigur eine autoritäre, grummelige Gestalt mit der nicht zu spaßen ist, und damit alles andere als das späte Bild vom schelmisch kumpelhaften Ermittler, aber so dominant wie manche Inhaltsangabe uns glauben machen will ist die Figur innerhalb der Geschichte ohnehin nicht vertreten, interessieren sich die Verantwortlichen dieser 30er Jahre Verfilmung doch viel mehr für die Unterwelt und ihre mal mehr und mal weniger ehrbar zwielichtigen Gestalten. Und dank der klassisch naiven Trennung zwischen Gut und Böse ist zumindest dieser Blickwinkel, der Hauptaspekt des Streifens, den ersten Rialto-Werken nicht unähnlich.

Wer wie ich relativ wenig im deutschen Kino vor 1950 zu Hause ist, der darf erstaunt sein über die Moderne der dort dargestellten Gesellschaft und darüber wie bereits jeglicher gesellschaftliche Figurentyp vertreten ist, wie es ihn auch heutzutage gibt. Das Klischee der verbohrten und verspießten Deutschen, die kurz darauf in die Hände der Nazis fielen, wird nicht bestätigt. Ganz im Gegenteil darf man erleichtert feststellen dass sich heute wie damals an der Vielschichtigkeit von Mentalitäten und Moral nicht viel verändert hat.

Von dem spannenden Zeitzeugnis trotz der fiktiven Geschichte einmal abgesehen, ist „Der Zinker“ jedoch recht routiniert ausgefallen. Viele Verdächtige gibt es nicht, so dass man relativ schnell auf die Auflösung kommen kann, die für seine Zeit mit recht spektakulären Szenen umgesetzt wurde. Ansonsten dümpelt der Kriminalfilm aber mal mehr mal weniger interessant vor sich hin, ohne dass man eine wirkliche Bindung zu einer der Figuren aufbauen könnte.

„Der Zinker“ kommt recht steif daher, ist dabei nicht so unterhaltungsfeindlich ausgefallen wie die deutsche 1937er Jahre-Version von „Der Hund von Baskerville“, aber sehenswert sieht anders aus. Der Aufhänger der Geschichte geht als interessant in Ordnung, und ein neuer auf alt getrimmter Soundtrack erleichtert den Zugang zu dem Stoff, der kann sich hören lassen. Letztendlich ist jedoch alles zu unspektakulär ausgefallen um nennenswert aus der Masse der damaligen Produktionen herauszuragen. Erst der Vergleich zu den späteren deutschen Wallace-Verfilmungen macht „The Informer“ (Alternativtitel) interessant. Für durch die Jahrzehnte wandernde Cineasten ist der Streifen somit zumindest theoretisch einen Blick wert. Aber etwas mehr habe ich von dem lange Zeit verschollen geglaubten Film dann doch erwartet.


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