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Samstag, 28. Mai 2016

MEIN VETTER WINNIE (My Cousin Vinny 1992 Jonathan Lynn)


Der Teenager Bill Gambini glaubt bei seiner Reise durch Amerika im tiefen Süden zusammen mit seinem Kumpel Stan wegen Ladendiebstahls festgenommen zu sein, da stellt er fest dass ihnen ein Mord angehangen wird. Glücklicher Weise hat Bill mit seinem Vetter Winnie einen Anwalt in der Familie. Der ist mit seiner lockeren Lebensart aber nicht nur kein Paradebeispiel für einen souveränen Vertreter seines Berufs, er ist nach langjährig gescheitertem Studium zudem gerade erst frisch als Anwalt zugelassen und stand bislang noch nie vor Gericht...


Anwälte sind Zauberkünstler...

Regisseur Jonathan Lynn lässt in „Mein Vetter Winnie“ den spießgen Süden auf das Spaß-orientierte New York stoßen und macht während er sich über beide Seiten lustig macht kein Geheimnis daraus, dass er mit beiden Seiten sympathisiert. Die Komödie versteht sich nicht als Hass- oder Frust abladendes Abarbeiten diverser Amerika-Klischees, mit all zu harter Komik darf man also nicht rechnen. Stattdessen deutet der Film durch den Konflikt zwei unvereinbar scheinender Kulturen auf deren Charme. Beide Kulturen besitzen, so wie alles im Leben, ihre positiven und negativen Seiten. Dementsprechend lässt Lynn den Gegenüber stets zunächst die negativen Seiten der fremdartigen Lebensart erleben, bevor er auch die positiven erkennen darf in einem locker flockigen Familienfilm, bei dem man nie Bedenken anmelden würde ob es zu einem Happy End kommt oder nicht.

„Mein Vetter Winnie“ mag an mancher Stelle recht konventionell ausgefallen sein, und wie Winnie den Freispruch für seinen Vetter erreicht hat mehr mit Zufall als mit erlangtem Wissen oder erarbeiteter Reife zu tun. Aber all zu streng darf man diesen an sich doch sehr charmant erzählten Stoff nicht nehmen, in dem „Karate Kid“ Ralph Macchio wohl seine letzte Chance in einem Kinofilm nach seiner ewig jugendlichen Karate-Karriere erhielt und lobenswert zurückhaltend dem spielfreudigen Joe Pesci die Manege überlässt.

Der spielt als gäbe es kein Morgen, im deutschen ungewohnt, aber passend synchronisiert mit der Synchronstimme Bruce Willis‘, weiß aber auch wann er dem nicht minder grandios spielenden Fred Gwynne in der Rolle des Richters das Ruder überlassen muss. Heraus kommt im Endergebnis ein dialogfreudiges Kulturenzusammentreffen mit treffsicherem Witz, gemixt aus zurückhaltendem Humor, treffsicherem Schlagabtausch und vor lachen nur so übersprudelnder Momente, getragen von einer gut aufgelegten Besetzung, die bis in die kleinste Nebenrolle dank interessanter Charakterzeichnung, Freude bereitet. Ob es der hirnlose Dorfproll ist, der sich mit Winnie prügeln will, der scheinbar so fähige Pflichtverteidiger, für den sich Bills Kumpel Stan entscheidet, nachdem Winnie nicht einmal fehlerfrei die Frage „wofür plädieren sie“ beantworten konnte, oder der erfolgreiche Staatsanwalt, der zur harten Konkurenz für den unerfahrenen Winnie wird: im „Mein Vetter Winnie“-Universum wimmelt es nur so vor charmanten Figuren, eine Sympathie die sich geradezu zwangsweise auf den Film überträgt.

Und so macht es auch gar nichts dass „My Cousin Vinny“ (Originaltitel) das Rad nicht neu erfindet. Lynns Werk macht einfach Spaß, ebenso wie seine diesem Werk folgenden Arbeiten „Ein ehrenwerter Gentleman“, „Greedy“ und „Keine halben Sachen“, alles Filme die keine Meilensteine ihres Fachs sind, aber gekonnt und professionell umgesetzt den Durchschnitt der Komödiengattung hinter sich lassen, um mehr zu sein als akzeptable Unterhaltung. Die Pointensetzung ist zu zielsicher und die Gesamtabiente zu locker als dass man das Ergebnis für Zufall oder minderwertig halten könnte. „Mein Vetter Winnie“ ist zielsicher umgesetzt, talentiert und sympathisch besetzt und hat einzig mit der etwas arg routinierten Geschichte zu kämpfen.


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