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Sonntag, 1. Mai 2016

DIE SELTSAME GRÄFIN (1961 Josef von Báky u.a.)


Die Sekretärin Margaret bekommt die Chance für die für ihre Wohltätigkeit bekannte Gräfin Leonora auf deren Schloss zu arbeiten. Als mehrere Mordanschläge auf Margaret verübt werden, ist zum Glück immer Mike in der Nähe, der von einem Anwalt beauftragt wurde die junge Frau zu beschützen. Mike findet heraus warum man Margaret nach dem Leben trachtet und was dies mit der neuen Stellung zu tun hat...


Einmal Hamlet spielen...

Von den Grundzutaten her ist „Die seltsame Gräfin“ ein waschechter Wallace. Es gibt Erbschaftsstreitereien, unheimliche Fremde, Verschwörungen, Geheimnisse, ein Schloss, strahlende Helden und eine versponnene Auflösung. Mit Joachim Fuchsberger, Eddi Arent und Klaus Kinski mit den wohl beliebtesten Wallace-Veteranen auf Nummer Sicher in ihren jeweiligen Paraderollen besetzt, kann der Film auf seine geradezu typische Art nicht scheitern. Allerdings fehlt ihm der düstere Stil eines „Der Frosch mit der Maske“ oder eines „Die toten Augen von London“, so dass sich der hier besprochene Stoff etwas leichter guckt.

Nicht nur der obligatorische Humor Eddi Arents hat darauf Einfluss, zumal der nicht so stark ausgeprägt ist wie in manch anderem Werk der Rialto-Reihe. Auch die Dreistigkeit in Sachen Klischees nicht zu dünn aufzutragen sorgt für ein inzwischen nostalgisches Augenzwinkern, so sind doch z.B. gerade die völlig überzogenen Psychoanrufe Kinskis ein kleines Highlight, eben weil er völlig Comic-verstört wirres Zeug redet, in einer Tonlage die selbst für Kinski wunderbar verstörend neben der Spur klingt.

Aber auch sie ist nur ein Teilbaustein inmitten eines herrlich abgedrehten Filmes, in welchem es vor skurrilen Figuren und Situationen nur so wimmelt. Der Hintergrund ist für erfahrene Wallace-Zuschauer spätestens mit dem Besuch im Gefängnis ziemlich zu Beginn schnell ausgemacht. Allerdings löst dieser sich nicht erst zum Finale hin auf, sondern sorgt im letzten Drittel für weitere verästelte Hintergründe, so dass selbst jene Krimi-Fans, die Probleme mit Vorhersehbarkeit haben, noch ihren Spaß haben könnten. Ein sinnvolles Mörderraten ist inmitten solchen Irrwitzes aber ohnehin nicht möglich. Und ein souveräner Kriminalfilm wird mit den hier angegangenen Überspitzungen ohnehin nie angestrebt.

Spätestens mit „Die seltsame Gräfin“, und damit gerade einmal zwei Jahre nach dem Start der Reihe, ist die Rialto-Wallace-Serie in ihrem eigenen Universum angekommen, die sie so stilbildend für kommende Werke werden lassen sollte, auch für Trittbrettfahrer oder Wiederkehrer, wie z.B. die in den 60er Jahren wieder aufgelebte Mabuse-Reihe, gestartet von ihrem Ur-Regisseur Fritz Lang höchst persönlich.

Die sehenswerten, recht gewagten Projekte der innereigenen Reihe stammen eigentlich von Alfred Vohrer und Harald Reinl, also von keinem der beiden Regisseure des hier besprochenen Streifens. Doch „Die seltsame Gräfin“ schaut sich wie die Blaupause all der späteren, oftmals besseren Werke, selbst die experimentelleren oder die von RTL später eigenproduzierten Nachzügler, von Letztgenannten ganz besonders der Pilot des zweiten Versuches „Schloss des Grauens“.

Es ist schade, dass „Die seltsame Gräfin“ atmosphärisch nicht etwas düsterer ausgefallen ist. Das würde ihm die nötige Note verleihen, die ihm zur Oberliga der Reihe fehlt. Aber seine Handlung bereichert um solch kaputte Ideen wie Zwangseinweisungen in eine Nervenheilanstalt, ominösen Heilmethoden für Geisteskranke, einer mörderischen Falle im Bücherregal, ein seine Mutter per Elektronik belauschender Sohn, in Käfigen gehaltene Psychos, verstörende Anrufe, einem baufälligen Balkon, einem nach der Bühne sehnenden Adelsnachkommen und verbrecherisch wirkende Angestelle der Polizei ist ein Spaß für sich und sollte trotz mangelndem Spannungsbogen von Freunden trivialer, augenzwinkernder Krimiunterhaltung unbedingt einmal angeschaut werden.


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