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Sonntag, 8. Mai 2016

NIGHTMARE BEACH (1988 Umberto Lenzi)


Nach der Hinrichtung eines Unschuldigen taucht während des Spring Breaks ein unbekannter Motorradfahrer auf, der seinen Feuerstuhl zum elektrischen Stuhl umfunktioniert hat und hauptsächlich Teenager röstet...


Party, Strand und kohlrabenschwarze Leiber...

Ende der 80er Jahre war von dem ureigenen Flair des in den 60er und 70er Jahre so gekonnt erarbeiteten harten italienischen Filmes nichts mehr zu spüren. Aufgrund des Wettbewerbs glich man sich immer mehr den amerikanischen Produkten an und gab seine landeseigene Identität auf. Wer glaubt Umberto Lenzi könne da gegenteilig hoffen lassen als Mann besagter Hochzeit, der dürfte den ohnehin immer nur mittelmägige Ergebnisse abliefernden Mann überschätzt haben, selbst der lässt nicht einmal kurzfristig einen Hauch Italoflair aufwehen, was vielleicht ein Grund dafür sein könnte warum er die Regie unter dem Pseudonym Harry Kirkpatrick übernahm.

„Nightmare Beach“ versucht in der 1988 bereits stark abschwappenden Slasherwelle noch ein paar Restkröten einzukassieren, ein Genre welches sich besonders in Amerika großer Beliebtheit erfreute. Und da die italiener schon immer gerne deren Modewellen aufgefriffen haben, gab es keine Scheu wieder einmal mitzumischen. Dank amerikanischer Schauplätze schaut sich das Ganze auch ganz besonders amerikanisch, so dass der Handlungsort diesmal nicht in italienischer Kulisse erschwindelt werden musste. Für das Ergebnis ist dieser wackelige Pluspunkt jedoch völlig egal, ist Lenzis Film doch ein recht mittelmäßiger Vertreter seiner Gattung geworden, auch wenn er den klassischen Handlungsort Wald und See gegen einen Strand ausgetauscht hat und der schrägen Idee nachgeht, dass ein Killer seine Opfer per Stromschlag auf dem Motorrad ins Jenseits befördert.

Was spaßig klingt und aufgrund sympathischer Effekte auch zu gefallen weiß, erweist sich als einer der wenigen Pluspunkte, und zudem zu einem von dem sich die Verantwortlichen wohl erhofften er könne einen kompletten Film tragen. Doch das ist etwas viel verlangt innerhalb eines Streifens der zur Hälfte fast nur Party-Strandfilm ist und in der anderen auf eine Mördersuche setzt, deren mystische Variante von Anfang an ruhigen Gewissens ausgeschlossen werden kann, wirkt der Fahrer doch nie wie ein auf Erden zu Rachezwecken umherwandernder Geist, und dessen wahre Identität zumindest der erfahrene Genrekenner von Anfang an vermutet. Und andere Zuschauer müssten sich schon sehr zufällig hierher verlaufen, ist „Spring Break“ (Alternativtitel) doch definitiv nur ein typisches Lückenfüllerprodukt für nimmersatte Horror-Fans.

Ein blasser Held und eine ähnlich blasse Heldin tappsen zwar zumindest durch eine Kriminalhandlung die aufgrund von einer auf Korruption basierenden Verschwörung ihren Reiz besitzt, zumal der ermittelnde mit drin steckende Polizist von John „Nightmare on Elm Street“ Saxon gespielt wird, aber einen gekonnten erzählten roten Faden darf man da nicht erwarten, zumal eine vor negativen Klischees nur so triefende Rockerbande recht orientierungslose in die ganze Chose mit eingebaut wird, und die Eigenermittlungen der beiden Helden ohnehin von Zufällen anstatt von echten Erkenntnissen gelenkt werden.

Das Ganze funktioniert auf Schmuddelfilmbasis trotzdem recht anständig, allerdings auch erst nach der etwas arg ermüdenden ersten Hälfte, die sich fast gänzlich dem Partyspaß am Strand widmet. Bis auf ein paar wenige Tötungsszenen dort darf man ewig nur Bikinimädels und braungebrannten Oben-ohne-Kerlen zuschauen wie sie sich besaufen, tanzen und lachen. Das scheint während des echten Spring Breaks aufgenommen zu sein, ändert aber nichts daran, dass es die Geschichte nicht bereichert und etwa um 2/3 zu viel des Guten aufgeplustert wurde um als nette Randerscheinung zu punkten. Da in Amerika gedreht braucht man auch nicht heimlich auf Italo-Erotik hoffen, „Welcome to Spring Break“ (Alternativtitel) ist diesbezüglich sehr brav und zurückhaltend ausgefallen.

Wer Geduld besitzt und keine hohen Ansprüche auf diesen Routinefilm setzt, kann auf schmuddeliger Trivialfilmbasis zumindest einen halben sympathischen wie unsinnigen Slasher genießen, für mich persönlich war das jedoch zu wenig angenehme Laufzeit, zu viel unangenehme Füllzeit und trotz eines schweigenden Killers ein zu unmysteriöser Maskierter, auch wenn ein Mörder in düsterer Motorradkluft grundsätzlich seinen Reiz besitzt. „Nightmare Beach“ hat seine Momente, ist aber wie bislang jeder von mir gesichtete Lenzi-Film nur eine halbgare Angelegenheit, so dass das gegen das eigene eingetauschte amerikanische Flair für seine Regiearbeit weder zum Vor- noch zum Nachteil wird.


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