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Donnerstag, 5. Mai 2016

THE HORROR STAR (Frightmare 1983 Norman Thaddeus Vane)


Schon zu Lebzeiten war Conrad Radzoff ein unangenehmer Zeitgenosse und Mörder, aber als die Horrorfilmlegende stirbt und ihr Leichnam von ein paar jugendlichen Film-Fans aus dem Mausoleum entwendet wird, da erwacht der Psychopath so wie er es vor seinem Tod versprochen hat zu neuem Leben und übt Rache an seinen Leichenschändern...


Zurück aus der Hölle...

Norman Thaddeus Vanes Regiedebut kann man beim besten Willen nicht ernst nehmen, allerdings soll man das auch gar nicht, so augenzwinkernd wie der Film umgesetzt ist und so skurril wie er mittels grotesker Elemente angereichert wird. Das geht sogar so weit, dass man mit der Zeit das Gefühl bekommt die Geschichte spiele in einem unserer Welt ähnlichem Paralleluniversum, in welchem eine gute Portion Wahnsinn und Übertreibung zur alltäglichen Normalität gehört. Die nie begründete Bösartigkeit des Filmstars, das pompöse Hightech-Mausoleum samt tödlicher Gimmicks, die geschmacklosen Späße ansonsten ziemlich normaler Studenten, die übergroße Studentenunterkunft für unter 10 Personen, der selbstverständliche Glaube an Übernatürliches und die theatralisch überzogene Seance, sie alle stehen Pate für das überdrehte Weltbild von „The Horror Star“, mit dem so einige sicherlich nichts anfangen können.

Sicherlich kann man sich fragen in wie weit der groteske Touch tatsächlich beabsichtigt ist, wenn man parallel zu diesen Übertreibungen feststellen darf, dass der Regisseur sichtlich überfordert ist einen halbwegs roten Faden zu verfolgen. Ermittlungen die mit der Geschichte so wenig zu tun haben, dass man sie auch gleich hätte entfernen können, Widersprüche in der Handlung, selbst an wichtigen Eckpunkten wie der Erweckung der Filmlegende, die auf der einen Seite arg zufällig stattfindet, wohingegen alles andere sich wie die Ausführung eines von langer Hand vorbereiteten Planes schaut.

Selbst wenn man so wohlwollend wie ich an „Frightmare“ (Originaltitel) herangeht weiß er nicht wirklich gänzlich zu überzeugen, so hanebüchen sich das Zusammenfinden von Horrorfilmklischees zur mühsam zusammengeflickten Pseudo-Story schaut. Aber der mit dem jungen Jeffrey Combs in einer Nebenrolle besetzte Film besitzt durchaus seinen Charme, zumal er es schafft mit simplen Geisterbahnmethoden inmitten all des Irrsinns eine spannungsgeladene Atmosphäre aufblitzen zu lassen. Erstaunlicher Weise ist „The Horror Star“ immer dann im Gegenzug am schwächesten, wenn mal wieder wer sein Leben lassen muss, auch wenn der auferstandene Radzoff dabei recht abwechslungsreich vorgeht.

Die noch halbwegs bodenständige erste Hälfte hat mir persönlich besser gefallen als die arg surreale zweite Hälfte, zumal man sich viel Zeit nimmt bis der Bösewicht sterben darf, so dass man die Legende gut kennenlernt, und es selbst dann noch einige Zeit dauert bis der Leichnam gestohlen wird. Mit seinen übertrieben nebelig in Szene gesetzten Mysterymomenten und einem Soundmix aus Hintergrundscore und dämonischem Gebrabbel weiß aber auch die zweite Hälfte zu unterhalten, sofern man sich den Unsinn der dort stattfindet so schön reden kann wie ich es tue oder ihn einfach aus anderen Gründen mag.

An „Theater des Grauens“, in welchem ebenfalls ein mordendes, selbsternanntes Schauspielgenie im Mittelpunkt steht, kommt dieser kleine billig produzierte Videothekenfilm freilich nicht heran, fehlt im doch die Klasse dieser kleinen Perle. In seiner verspielt bescheuerten Art erinnert Radzoffs Treiben eher an die Rache des Maskenbildners aus „Der Satan mit den 1000 Masken“, der auf ähnlichem Produktionsniveau umgesetzt wurde.

Wäre „Body Snatchers“ (Alternativtitel) trotz seiner in Dunkelheit und Nebel gehaltenen Bilder nicht aufgrund der poppigen Zeit in der er entstand so kunterbunt und relativ flott ausgefallen, man könnte ihn in seiner skurrilen Art fast für einen Film von Jess Franco halten, einem Mann der ebenso wenig um eine logische Handlungsabfolge gab, seine mit bizarren Zutaten ergänzten dünnen Geschichten aber stets viel nüchterner umsetzte als es ein US-Teen-Horror der 80er Jahre je dürfte. „Horror Star“ hat es sicherlich schwer ein Publikum zu finden. Wer aufgrund der Veröffentlichung über das Troma-Label glaubt man habe es mit einem überdrehtem Party-Spaß a la „Terror Firmer“, „Atomic Hero“ oder „Class on Nuke 'em High“ zu tun, der täuscht sich jedoch.


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