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Freitag, 11. November 2016

DIE STUNDE, WENN DRACULA KOMMT (La maschera del demonio 1960 Mario Bava)


Im 19. Jahrhundert erweckt ein Arzt versehentlich eine vor 200 Jahren hingerichtete Hexe, die nun ihren kurz vor dem Tod geäußerten Racheschwur zu Wahrheit werden lässt...


Das linke Auge des Satans...

Als ich „Die Stunde, wenn Dracula kommt“ in intoleranteren Zeiten erstmals sah, gefiel er mir nicht besonders gut, zu wenig passierte meiner Meinung nach wirklich, zu sehr sollten hübsche Fotografien von dieser Leere ablenken. Heutzutage verstehe ich eine solche Art Filme zu gucken nicht mehr, ist Mario Bavas erste wirklich freie Regie-Arbeit doch ein Liebhaberstück für jeden Freund gothischen Horrors und hat in jeder seiner Phasen immer etwas zu erzählen. Leerlauf habe ich beim längst fälligen zweiten Sichten nun wahrlich nicht mehr wahrnehmen können.

Dem Werk fehlt es an nichts, was man von dieser Gattung Horrorfilm erwarten würde: Kutschfahrten, Aberglaube, eine Frau läuft nachts durch ein düsteres Schloss (wenn auch in Schwarz anstatt im typischen Weiß gekleidet), ein düsterer Wald, eine Burgruine, eine Gruft, Magie, Täuschung, religiöse Artefakte, ein wütender Mob mit Fackeln, Geheimgänge, Fallen, offene Friedhofsgräber, und das Ganze wird in wunderschöne Bilder getaucht, für deren Schwarz/Weiß man bei all der urtypisch klassischen Umsetzung dankbar ist. In Farbe wäre allein Bavas Spielerei mit Licht in den Verwandlungssequenzen undenkbar, und was der gute Mann sonst noch mit Licht und Schatten auf die Beine stellt, beweist dass er ursprünglich für Kameraarbeiten im Filmgeschäft tätig war.

Diesen Job lässt er sich neben seiner Regiearbeit auch in „Black Sunday“ (Alternativtitel) nicht nehmen, und er zaubert hierbei nicht nur wunderschöne Fotografien, sondern auch unheimliche Bilder, die einem einst in Zeiten, in denen man sich noch vor anderen Dingen gruselte, sicherlich das Fürchten lehrten. Aus einer an sich mittelprächtig agierenden Barbara Steel zaubert Bava eine überzeugende Horrorfilm-Diva, die dank einer Doppelrolle sowohl für das Gute, als auch für das Böse stehen darf, sie stellt somit Opfer und Täter zugleich dar. Maske und Tricktechnik arbeiten mit simplen Mitteln, die Bava überzeugend zu visualisieren weiß.

Auch wenn vieles nur angedeutet wird, so ist „The Mask of Satan“ (Alternativtitel) für seine Zeit recht brutal ausgefallen. Allein die Foltermaske, die den Unheiligen aufs Gesicht gebunden wird, bereitet einem Kopfkino pur, spätestens wenn Bava einer Aufnahme aus Sicht der Maske nicht widerstehen kann, wenn diese der Hexe aufgesetzt wird. Einzig die Allzweckwaffe des Kreuzes wirkt antiquiert, zeigt sie doch wie schnell die überhebliche Hexe und ihre Diener in die Schranken gewiesen werden können und wie leicht mit Hilfe Gottes ein Happy End erreichbar ist. Aber selbst dies gehört meiner Meinung nach zu einem klassischen Horrorfilm dazu, schwächt zwar den Spannungsbogen, nicht aber die morbide Romantik, den eigentlichen Pluspunkt des Streifens. Und diese hat in all den Jahren nichts von ihrem Reiz verloren, wahrscheinlich hat sie nach all der Zeit durch den Nostalgiewert sogar eher zugenommen.


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