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Samstag, 12. November 2016

HUBERT UND STALLER - STAFFEL 4 + 5 (2015 Jan Markus Linhof u.a.)


Hubert und Staller sind zwei völlig unterschiedliche Kleinstadt-Polizisten aus Ober-Bayern, die stets gemeinsam zufällig auf Mordfälle stoßen, die es dann zu lösen gibt...


Neues aus Wolfratshausen...

„Hubert und Staller“ gehört nicht nur zu den wenig sehenswerten, da geistreich ausgefallenen, deutschen Fernsehserien des laufenden Jahrtausends, sie wird auch von Staffel zu Staffel besser. Hatte man sich in den Vorgängerstaffeln so nach und nach von lästigen Randfiguren befreit, die dem lockeren Ablauf der Ermittlungen zu viele pflichtmäßge Zwischenstopps bescherte oder der Serie kurzfristig ihre Sympathie raubte, so darf man in Staffel 4 angekommen bemerken, dass nun der Drang der Vorgängerstaffel, sich reißerischeren Themen zuzuwenden, immer mehr abgebaut wird, so dass sich die beiden Ermittler meist wieder auf klassische Mordfälle konzentrieren können.

Die Nebenfiguren haben die Autoren nun völlig für sich entdeckt. Sonja wird mehr in die Kriminalfälle involviert und hat sich auch charakterlich nun interessant eingependelt, und der etwas mager spielende Paul Sedlmeir wird mehr gefordert, da seine Figur nun in interessantere Situationen gesetzt wird. Die Kabbeleien mit Anja Licht verlieren nicht ihren Reiz, womit die Rolle so charmant bleibt wie gehabt, mit Plappermaul Sabine wurde ich endlich warm, ich habe aber auch das Gefühl dass sie von der Kamera mittlerweile niedlicher eingefangen wird als zuvor. Einzig mit „Ich kann alles“ Yazid kann ich nach wie vor wenig anfangen, den hätte man zurück an den Dönerspieß setzen sollen, wo er als Mitgrübler für mich wertvoller eingesetzt war. Glücklicher Weise wurden seine Auftritte halbewegs reduziert, womit er nicht mehr ganz so Störfaktor wie bisher ist.

Interessant ist auch, dass sich der Einblick auf die Hauptcharaktere immer mehr detailiert. Gerade Huberts Hintergründe werden immer weiter offen gelegt, die aus dem menschenscheuen Asozialen einen gebildeten Verdrossenen mit Hang zum Sarkasmus macht, womit er ein Gegenstück zum stets optimistischen, ungebildeten Staller setzt, der mehr redet und im Gegensatz zu Huberts durch Wissen fundierte Aussagen lediglich Behauptungen in den Raum wirft und auch noch pampig wird, wenn diese widerlegt werden.

Stallers Hang zu besonders dämlichen Situationen wird immer mehr ausgekostet. Von solch herrlich albernen Ideen, wie mit halber Stimme krächzen, über solch bizarrer Ideen wie ständig Frauen zwicken zu wollen, um zu testen wie glatt die Haut ist, ist allerhand Einfallsreiches dabei, was Staller immer wieder zum Freak degradiert, was durchaus passt, so oberflächlich wie seine stets nur kurzfristig laufenden Interessen für alles sind, wohingegen Hubert ganz feste Interessengebiete hat und Stallers Anbiedern an aktuelle Themengebiete und auch Frauen für ziemlich primitiv hält.

Somit funktioniert die Identifizierung mit Hubert immer besser, den man als sozial verdossen, da von der Welt enttäuscht, bezeichnen könnte, was aber auch daran liegt, dass Hubert seit Jung an immer den Weg des geringsten Widerstandes geht. Trotz seiner negativen Eigenschaften versteht man jedoch immer mehr sein genervtes Reagieren auf den arg anstrengenden Partner Staller, dessen Bauchgefühl jedoch oft beim Lösen der Fälle hilft und dessen Freundlichkeit und Geduld gegenüber Hubert ihn trotzdem zu einer Art Freund macht, sollte es für Hubert so etwas überhaupt geben. Zumindest bekommen wir immer öfter seine herzlichen Facetten zu spüren, z.B. im Umgang mit Kindern.

Girwidz bleibt was er war, der egoistische Chef, dem es stets mehr um Politik als um gute Arbeit geht, ein Mann der es liebt Chef zu sein und dabei möglichst wenig zu tun hat, ein Mann der lieber privaten Vorteilen nachgeht anstatt Teamplayer zu sein. Wie gehabt leidet er an jeder Chefkrankheit die man in höherer Position haben kann, aber es ist zu erkennen dass er sich mehr und mehr mit seinem Team identifiziert, und so langsam wächst auch der Respekt vor Hubert und Staller, was bei deren erfolgreicher Aufdeckungsquote auch Not tut. Dementsprechend ergreifend ist tatsächlich ein Moment, in welchem nach einem sehr dramatisch Fall den beiden mit den Worten „gute Arbeit“ erstmals ohne Wenn und Aber zum Abschluss von Ermittlungen gratuliert wird, was freilich nur der Stammzuschauer emotional nachempfinden kann.

Die Fälle bleiben interessant wie gehabt, die Humorquote bleibt konstant treffsicher und glücklicher Weise vernachlässigt man es trotz näherem Beleuchten der Charaktere weiterhin in so etwas wie Seifenopermomente abzurutschen, die gibt es nach wie vor nicht, da Privates ohnehin nur gestreift wird, und selbst dies ist nur selten der Fall. Die Charaktervertiefungen geschehen weiterhin über unauffällige Momente, dank unaufdringlicher Drehbücher, die vom Zuschauer erwarten selbst zu beobachten. Etwas schade finde ich es, dass mit Staffel 5 der Running Gag um das gute Wetter in Wolfratshausen über Bord geworfen wurde. Diese Staffel spielt erstmals im Winter (abgesehen vom Film „Hubert und Staller - Die ins Gras beißen“, der den Winter noch als Insider Gag nutzte). Glücklicher Weise geht ansonsten vom Comic-Charakter der Serie nichts verloren, ganz im Gegenteil sogar, wie die immer extremeren Besonderheiten um Staller zeigen.


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