Schlombies Filmbesprechungen auf Facebook:

Sonntag, 20. November 2016

LISA UND DER TEUFEL (Lisa e il diavolo 1972 Mario Bava)


Die Touristin Lisa verliert den Anschluss an ihre Gruppe Reisender. Auf der Suche nach Hilfe gelangt sie in den Wohnsitz einer wunderlichen Familie, die behauptet Lisa unter dem Namen Elena zu kennen. Die ist jedoch bereits vor etlichen Jahren verstorben...


Haus der Puppen...

Die im 70er Jahre-Look gekleidete Elke Sommer trifft in ihrer Rolle als Lisa auf altmodisch gekleidete Menschen, die sich sonderbar benehmen. Während sie sich noch über so manch schräge Marotte jener zwielichtigen Helfer wundert, immer noch daran glaubend sich lediglich verlaufen zu haben, so ist dem Zuschauer mit Blick auf das alte Anwesen, die Kleidung und das alte Auto bewusst, dass sich die Heldin der Geschichte in einer Art Parallelwelt befinden muss. Interessanter Weise wird dies im Laufe des Filmes nie wirklich festgestellt oder bewusst benannt. Bava nutzt dieses Treffen der zeitlich versetzten Kulturen, um sein Werk „Lisa und der Teufel“ bizarrer wirken zu lassen. Letztendlich ist es ihm egal dass Lisa durch eine Phantomwelt zu schreiten scheint.

Dass man sie dort als wen anders kennt, könnte für die Geschichte fast schon egal sein, wird erst dann wichtig wenn „Der Teuflische“ (Alternativtitel) auf den Pfaden von „Psycho“ wandelt, was kurz vor Schluss keine Überraschung ist, ahnte man als Zuschauer doch längst woher der Hase läuft, zumal die eigentliche Geschichte sich kaum vorwärts bewegt, so schlicht wie sie ausgefallen ist. Letztendlich beobachten wir zum einen Lisa dabei wie sie von einer Absonderlichkeit in die nächste stolpert, während wir ansonsten eine Gruppe wundersamer Menschen kennen lernen, die auf schlichte Art sonderbare Dinge tun und reden.

Einen morbiden Touch bekommt die Geschichte dann, wenn nach und nach die Figuren des Films ihr Leben lassen müssen. Ein wirkliches Täterraten findet dabei nicht statt. Auf Giallo-Pfaden wandert Bavas ungewöhnliches Werk dabei ebenso wenig. Stattdessen genießt es der Regisseur und Mitautor den Zuschauer mit skurrilen Gimmicks zu verwirren, so z.B. mit der Idee dass es für jeden Toten eine lebensgroße Puppe gibt, um das Gedenken an den jeweiligen Verstorbenen zu bewahren. Was an der Geschichte nun wichtig oder unwichtig ist lässt sich schwer erklären, wahrscheinlich kann man darüber sogar unterschiedlicher Meinung sein, letztendlich ist es aber auch egal, denn „The Devil and the Dead“ (Alternativtitel) ist ein Film des Eintauchens, des Miterlebens, des Mitfühlens und keiner den man schaut wenn man eine Geschichte erzählt bekommen haben möchte.

Während Bava auf der einen Seite eine dichte, düstere Atmosphäre mit der grotesken Seite der Geschichte mixt, entwirft er auf der anderen Seite ein optisches Fest für Cineasten, welches seinem Ruf gerecht wird als ehemaliger Kameramann gekonnte Bilder einfangen zu können. Über dieses Talent ragt die optische Fertigstellung des hier besprochenen Streifens gar weit hinaus. Wo ein „Die toten Augen des Dr. Dracula“ sich meist damit begnügte großartig fotografierte Standbilder zu präsentieren, da spielt Bava in „Lisa e il diavolo“ (Originaltitel) regelrecht mit optischen Reizen. Da wird das Szenario nicht nur hübsch fotografiert eingefangen, da spielt der gute Mann mit dem Wechsel von Schärfe des Hintergrundes eines Bildes mit dem Vordergrund, kreiert Kamerafahrten, die an ihrem Ende auf ein großartiges Schlussbild stoßen, experimentiert Bava mit Zoom, Licht und Schatten, sprich er sorgt dafür dass der Film stets aufregend eingefangen wird, was im Widerspruch zur höchst langsamen Erzählmethode zu stehen scheint.

Das könnte jedoch nur wer so empfinden, der lediglich im flotten Kino heutiger Tage zu Hause ist. Bava hingegen versteht noch die Kunst der langsamen Erzählung, nutzt sie nicht zum Zeitstrecken, sondern erzäglt in dieser Langsamkeit auf subtile Art mehr, als die an sich dünne Geschichte vermuten lässt. Da „Lisa und der Teufel“ diese künstlerichen, wie intelleltuellen Aspekte nicht nur in einer kühlen Hülle serviert, sondern mit dem grotesken Touch und der unheimlichen Grundatmosphäre zu bereichern weiß, ist der Film somit kein rein theoretisches Werk geworden, sondern ein aufregendes Stück unaufgeregtes Horrorkino für Liebhaber alter Filmdekaden. Und bei all dem Farbenmeer, welches uns Bava hier präsentiert, würde es mich gar nicht wundern, wenn es der hier besprochene Film war, der Argento zur optischen Umsetzung seines „Suspiria“ inspiriert hat.


Weitere Reviews zum Film: 

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen