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Montag, 17. April 2017

KARATE JACK - ICH BIN EUER HENKER (Il mio nome è Shanghai Joe 1972 Mario Caiano)


Als Chinese im Wilden Westen ist er ohnehin schon ein gern verspotteter Exot. Als sich Karate Jack jedoch auch noch mit einem mächtigen Sklavenhändler anlegt, sind auf seinen Kopf 5000 Dollar ausgesetzt, so dass sein Leben in der Fremde von nun an noch unangenehmer ausfällt als ohnehin schon. Zum Glück weiß Karate Jack sich bestens gegen seine zahlreichen Gegner zu verteidigen...


Auge um Augapfel und Zahn um Zahnprothese...

Die gewagt klingende Idee eines Mixes aus den Genres Western und Eastern, umgesetzt in Italien, klang zwar reizvoll, aber dass „Karate Jack - Ich bin euer Henker“ tatsächlich unterhaltsam ausfällt, hätte ich nicht gedacht. Dementsprechend positiv überrascht wurde ich von einem Film, den man aufgrund seiner Schlichtheit und Banalität nie wirklich weiter empfehlen würde, der andererseits aber auch genau weiß was er eigentlich will und was er ist.

Die Geschichte geht eher episodenhaft vonstatten, ist Karate Jack doch unbesiegbar mit seinen ominösen Kampftechniken, die jegliches physikalische Gesetz außer Kraft setzen, und dementsprechend humoristisch guckt sich das gar nicht als Komödie ausgelegte Werk. Von unfreiwilliger Komik zu sprechen, würde die Verantwortlichen des Streifens dümmer aussehen lassen als sie es waren, ist der ironische Umgang im Spiel mit den Klischees beider Genres doch nicht zu übersehen, so dass der nach Außen ernste Plot recht augenzwinkernd erzählt ist.

Die Figur des Karate Jack ist klassisch demütig dargestellt. Er kämpft nur wenn es sein muss. Gutes wird mit Gutem vergolten, Schlechtes mit Schlechtem, und in seinem Reisesack trägt der Held allerhand Heilmittelchen, Teekräuter und anderweitige Mysterien Asiens mit sich herum. So freiwillig übertrieben, und damit unsinnig, wie „Der Mann mit der Kugelpeitsche“ (Alternativtitel) erzählt ist, in der ungekürzten Fassung schaut er sich zumindest ein wenig sinnvoller als in der damaligen deutschen Version, welche sowohl den Rückblick auf Jacks Ausbildung ausblendete, als auch den darauf aufbauenden Dialog im Endkampf gegen wen Ebenbürtiges.

Doch so weise und demütig Jack auch auftritt, immer wieder erfährt sein Tun aufgrund der Extreme der Inszenierung Widersprüche. Da reißt der gute Mann seinem Gegner völlig unnötig Augäpfel heraus, oder schickt seinem Erzgegner den abgeschnittenen Schopf eines Auftragskillers als Botschaft. Da man „Knochenbrecher im Wilden Westen“ (Alternativtitel) nicht als ernste Angelegenheit guckt, ist das aber nicht nur egal, es steigert den pulpigen Charme eines ungewöhnlichen und sympathischen Filmes.

Wer aufgrund der Werbeplakate und Mediencovers in Deutschland und im Ausland glaubt Klaus Kinski hätte tatsächlich eine größere Rolle ergattert, den muss ich enttäuschen. Klaus, ebenfalls mit dem Namen Jack beschenkt, kommt nach etwa einer Stunde für einen Auftritt weit unter zehn Minuten in „Karate Jack - Ich bin euer Richter“ (Alternativtitel) vor, und dieser gehört auch nicht gerade zu seinen großen Leistungen. Andererseits habe ich Kinski selten freiwillig so augenzwinkernd agieren sehen wie hier geschehen. Fast schon neigt seine Darbietung zur Albernheit.

Zum Ende hin wird Karate Jack als eine Art Lucky Luke dargestellt, der weiter reiten muss, um dort tätig zu werden, wo Menschen Hilfe benötigen. Dafür lässt er sogar seine große Liebe sitzen, ein weiterer Beweis dafür wie ethisch wundervoll der angeblich hochgradig ehrbare Mann agiert. Dass seine Aufgabe eigentlich gar nicht erfüllt ist, Menschen also weiterhin versklavt werden und weiterhin ein Kopfgeld auf Karate Jacks Kopf ausgesetzt ist, interessierte die Verantwortlichen von „Mein Name ist Karate Jack“ (Alternativtitel) nicht, die haben einen derart episodenhaften Flickenteppich abgeliefert, dass es ihnen egal ist, dass der Hauptgegner überhaupt nicht besiegt wurde.

Letztendlich ist es egal, eben weil „Shanghai Joe“ (Alternativtitel) nur als spaßiger Nonsens funktioniert, auch wenn man ihm in der Ausnahme manch gut inszenierte Szene zugestehen kann, in welcher dann auch die Kameraperspektiven etwas einfallsreicher ausfallen als im Restfilm. Es hat zwar tatsächlich mit „Zwei durch dick und dünn“ eine Fortsetzung gegeben, ob es darin aber tatsächlich noch um den Erzgegner aus Teil 1 geht, kann man wohl anzweifeln, ist aber auch egal, denn nach dem überraschend positiven Ergebnis des hier besprochenen Streifens bin ich so oder so neugierig auf Teil 2 und freue mich schon auf den Moment, wenn er sich in meinem Besitz befindet.


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