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Montag, 26. Juni 2017

TORNADO (Cyclone 1978 René Cardona Jr.)


Diverse Verunglückte, die während eines Tornados unterwegs waren, finden auf einem Schiff zueinander und versuchen gemeinsam zu überleben...


Das zweite Sakrileg...

Oh man, wenn man „Tornado“ erst einmal gesichtet hat, versteht man warum er Teil der Trash-Collection von CMV wurde. Es ist nicht so, dass er vor unfreiwilliger Komik nur so sprudeln würde, ganz im Gegenteil ist „Sea Twister“ (Alternativtitel) über weite Strecken gar ziemlich zäh ausgefallen. Aber die fast ereignislose Erzählung ist derart angereichert mit reißerischen Elementen, dass man davon ausgehen kann dass man beim Durchforsten des hauchdünnen Drehbuchs sicher nach Lücken gesucht hat, in welche man weitere reißerische Elemente hinein quetschen konnte. Der böse Großunternehmer, die leidenden Hinterbliebenen, der Kannibalismus in der Not, ob in großen Ereignissen oder kleinen Nebensächlichkeiten, stets wird ein quantitativer Schauwert hervorgezaubert, der schon irgendein Zielpublikum locken wird.

Wahrscheinlich würde sich heute kaum wer an „Terror Storm“ (Alternativtitel) erinnern, wenn der mit Hugo Stiglitz in einer eher kleinen Rolle besetzte Film inmitten der langen Schlange reißerischer Elemente nicht auch hungrige Haie mit an Bord gehabt hätte (nicht wörtlich zu nehmen, sie schwimmen freilich im Wasser), ein Element das so kurz nach dem Erfolg von „Der weiße Hai“ von Geldmachern gern als Hauptattraktion hervorgehoben wurde. So ziemlich jeder Film in dem sich ein Hai befand, wurde zu dieser Zeit für den deutschen Markt aufgekauft um ihn als neuen Hai-Horror zu präsentieren. Dieser Hype bescherte dem im Erscheinungsjahr von „Der weiße Hai 2“ entstandenen „Cyclone“ (Originaltitel) die Alternativtitel „Killer Shark“ und „Tornado und Haie“.

In der Trash Collection ist er schlicht als „Tornado“ erschienen, und auch dieser Titel täuscht eher, anstatt dass er der Wahrheit entspricht, ist der titelgebende Tornado doch lediglich der Auslöser des darauf folgenden Abenteuerfilmes. Zur Kategorie Katastrophenfilm gehört der Streifen damit nur bedingt, und wer erst einmal jene Effekte gesichtet hat, die uns einen tosenden Tornado vorgaukeln sollen, kommt ohnehin nicht mehr aus dem Lachen heraus. Da wird an Bäumen geruckelt, Gegenstände werden ins Bild geschmissen, und selbstverständlich darf, zur Erweiterung der reißerischen Elemente, eine flüchtende Mutter mit ihrem Kleinkind mitten im Unwetter gezeigt werden. Beim minder gebildeten Publikum kommt das Klischee Kinder wären die tragischsten Opfer bei Katastrophen, stets an.

Dementsprechend darf es in der eigentlichen Hauptgeschichte, in welcher diverse Überlebende auf einem Schiff zusammenkommen, einen Hund und eine schwangere Frau, bzw. nach der Geburt einen Säugling geben. Schwache Geschöpfe kurbeln das Leid aller Beteiligten beim stumpfen Publikum an, und genau das soll hier bedient werden. Wirklich glaubwürdig will die Chose auf dem Schiff, trotz des Einbringens jedes möglichen Elends, nicht wirken. Zu friedfertig geht die Ansammlung unterschiedlichster Charaktere miteinander um, selbst dann wenn der letzte Tropfen Wasser verteilt ist. Zusammenhalt ist am Ende das wichtigste. Und eine feuchte Haut und gut sitzende Frisuren stehen einem realistischem Eindruck ebenfalls stark im Weg.

Genau daraus zieht die Co-Produktion aus Italien, Mexiko und Amerika aber ihren wahren Schauwert. Der Mangel sich in die Situation hineinzufühlen, von welcher der Hauptteil der Geschichte leben soll, dominiert als unfreiwillige Komik noch weit vor den reißerischen Elementen, die jedoch, das muss man anerkennen, gerade deshalb noch bescheuerter wirken als ohnehin schon. Müde Dialoge sollen einen Hauch Gesellschaftskritik vortäuschen, z.B. wenn ohne wahre Argumente darüber diskutiert wird, ob man nun einen Hund, oder später auch einen Menschen, essen darf, wenn die Alternative dazu doch das Verhungern ist. Freilich wirkt das aufgesetzt, zumal der Autor deutlich Position bezieht, aber noch bevor es Grund zu klagen gibt, geht es mit anderen Dümmlichkeiten bereits weiter.

Der einzige Schauwert der neben tatsächlich guten Spezialeffekten fehlt, ist die nackte Haut diverser hübscher Frauen. Warum gerade dieser Aspekt in einem Film dieser Entstehungszeit fehlt, ist mir ein Rätsel - zumal man wie erwähnt ansonsten nicht an Quantitäten spart. „Tornado“ ist kein Highlight für Freunde schlechter Filme geworden, dafür wird er zwischenzeitlich immer wieder zu langweilig. Akzeptabel genug um als Freund schlechter Filme einmal einen Blick zu riskieren, ist er aber dann doch.


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