BITTERER WHISKY (Fieras sin jaula 1971 Juan Logar)


Die junge Alexa ist zwar mit einem Millionär verheiratet, lebt ihre promiskuitive Ader aber recht offen mit jungen Männern aus. Als ihr Ehemann dahinter kommt schmiedet er einen ungewöhnlichen Racheplan...


In die Falle getappt...

Die Geschichte um "Bitterer Whisky" ist ein schwer zugänglicher Stoff, der in seiner Hauptgeschichte vom Eingeschlossensein erzählt, dort glücklicher Weise jedoch nicht zum reinen Kammerspiel verkommt, sondern mittels Rückblicken aufzeigt, wie es zu der Situation gekommen ist, welche den beiden zentralen Figuren höchst wahrscheinlich den Tod einbringen wird. Bis es soweit ist mixt Regisseur Juan Logar Erotikszenen mit verzweifelten Momenten des Millionärs, wie immer hervorragend gespielt von Curd Jürgens, der sich in der deutschen Synchronisation glücklicher Weise selbst spricht. Seine Figur ist am Abgrund, das erkennt man ohne gesprochene Worte, und damit bildet er einen deutlichen Kontrast zu seiner jungen Ehefrau und ihrem Liebhaber. Lange Zeit lebt man als Zuschauer im Ungewissen was die Pläne des alten Mannes sind, bzw. worauf der Film ohnehin hinaus will. In einem an "Saw" und "Buried Alive" erinnernden Szenario bekommen wir die unerwartete Antwort, die einige offene Fragen präsentiert, von denen man sich in den nun häufig folgenden Rückblicken Antworten erhofft.

Die werden an sich nun auch gegeben, Sinn ergibt das was wir dort zu sehen bekommen jedoch nicht immer. Mag es an diversen Schnittfassungen des auch als "Im Rausch der Sinne" erschienenen Streifen liegen, oder daran dass die Deutschvertonung sich nicht immer streng an den Originaltext hält, oder einfach daran, dass Regie und Drehbuch ebenfalls nicht immer durchblickten, immer wieder gibt es Momente der Widersprüche, beispielsweise wenn von häufigem Männerwechsel die Rede ist, Alexa scheinbar jedoch trotzdem nur mit ihrem Stammschwarm herumzufummeln scheint. Auch der Heiratsantrag Rolands gegenüber der jungen Frau wirkt nicht völlig ahnungslos ihrer Beweggründe gegenüber, so zentral wie das Vermögen genannt wird. Da sie sich rational entscheiden soll, verwundert es, dass Roland an anderer Stelle auch von Alexas Seite aus auf ihre Liebe setzte, von deren Nichtvorhandensein er schließlich tief enttäuscht wird. "Fieras sin jaula" (Originaltitel) ist voll von solchen Ungereimtheiten, was ihn jedoch nicht weniger faszinierend schauen lässt.

Der trockene, sachliche Grundton erhält eine ganz eigene Form von Dynamik und Spannungsbogen. Und kleine Randideen, wie das Resümieren von falsch scheinenden Lebensentscheidungen in Konfrontation mit dem baldigen Tod, verleihen "2 Masks for Alexa" (Alternativtitel) kleine philosophische Momente mit poetischem Touch, werden doch die bösartigen Stereotype einerseits damit aufgebrochen, andererseits ihr Egoismus damit verstärkt. Zwar hat man das Gefühl es bei solchen Szenen eher mit dem Versuch zu tun zu haben, den Film auf Spielfilmlänge gestreckt zu bekommen, ebenso wie jegliche Momente mit Rolands Tochter, die letztendlich doch nirgendwo hin zu führen scheinen, letztendlich tun all diese Aufbrüche dem fertigen Film jedoch gut, weiß dieser zwar definitiv Interesse und Faszination zu wecken, letztendlich aber kein befriedigendes Ergebnis für den Zuschauer abzuliefern.

Ungereimtheiten, zu schnelle körperliche Aufgabe, bzw. ein schlecht für den Zuschauer erkennbares Zeitfenster (gegen Ende gibt es einen Hinweis 10 Tage durchlebt zu haben) werden zu Fragezeichen über den Köpfen des Publikums. Scheinbar hat das Paar am Ende entweder nicht überlebt, obwohl sie noch atmen, oder der Plan Rolands ging nicht auf und er rechnete mit weniger benötigten Tagen. Das Schlussszenario schuldet uns auch hier Antworten. Zwar wird immer wieder deutlich, dass "Bitterer Whisky - Im Rausch der Sinne" (Alternativtitel) surreal sein möchte, z.B. wenn das Paar nach einiger Zeit des Eingeschlossenseins darüber phantasiert, dass Roland nicht mehr da wäre, und doch liegen zu viele Wahrheiten in der Schwebe, lassen sich durch Rückblicke anders deuten als schließlich dargeboten, und da wächst der Verdacht, dass man beim Dreh selbst nicht so genau wusste, was man genau wollte. Vielleicht erklärt auch dies die verschiedenen Schnittfassungen, so dass jedes beteiligte Land den Zustand auf seine Art verschleiern wollte. Eine Antwort darauf gibt es heutzutage nicht mehr, wie viele offene Fragen auch im deutschen Audiokommentar in anderen Bereichen aufzeigen. Was bleibt ist dennoch ein faszinierendes Stück unausgegorener Ausnahmefilm, der spätestens durch Curd Jürgens Anwesenheit für interessierte Cineasten zu einem Muss wird.


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OFDb

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