17.08.2019

VENOM (2018 Ruben Fleischer)


Eddie, ein gefeuerter Journalist der sich an keine Regeln hält, bekommt einige Zeit nach seiner Entlassung die Chance endlich beweisen zu können, dass der in der Öffentlichkeit als Heiler gefeierte Dr. Drake ein Schurke ist. Ein Insider schleust Eddie in dessen Forschungsstätten ein, was ausversehen dazu führt dass der heruntergekommene Journalist in Kontakt mit einer außerirdischen parasitären Substanz kommt, die ihn zum Wirt erklärt. Zunächst möchte diese dominante Substanz, die über unglaubliche Kräfte verfügt, im Körper Eddies ihrer Spezies im Kampf um die Herrschaft der Erde helfen, welcher kurz bevor steht. Doch in Symbiose mit ihrem Wirt findet sie Gefallen am Erdenleben und stellt sich gegen ihre eigene Gattung...


Zwei Loser vereinen sich...

Man kann nicht gerade sagen, dass Marvel sich ausnahmsweise einmal kreativ ausgetobt habe, inhaltlich kommt "Venom" so routiniert daher wie die üblichen Ergüsse aus diesem Hause der Comicverfilmungen. Aber immerhin gehört der Streifen zu der unterhaltsamen Gattung Superheldenfilm, auch wenn Venom als Superheldengegner, z.B. bekannt aus Raimis "Spider-Man 3", eher zur Gegenseite gehört. In Zeiten, in denen auch zwielichtige Menschen Superkräfte erhalten und erst einmal einen inneren Konflikt mit sich selbst austragen, bevor sie sich für die gute entscheiden, macht das freilich keinen wirklichen Unterschied aus. Und eine Verfilmung des herrlich fies aussehenden, außerirdischen Parasiten unabhängig einer "Spider-Man"-Geschichte spielen zu lassen, finde ich eine gelungene Idee, besitzt diese Figur, die ihrem Wirt übernatürliche Kräfte beschert, doch genügend Potential einen kompletten Film zu tragen. Schön herausgearbeitet ist der schizophrene Part dieser Partnerschaft, ist Eddie doch nicht wirklich Herr seines Körpers, wenn Venom loslegt, sondern eher Statist, und das weiß wen Comicvorlage-Unwissenden wie mich ebenso zu faszinieren, wie zu überraschen, erst recht in jener Phase, in welcher Wirt und Parasit noch im Konflikt miteinander stehen, bzw. auch in der Vorphase, in welcher Eddie noch nicht weiß was mit ihm los ist.

Dass "Venom" sich positiv von den meisten Werken aus dem Hause Marvel unterscheidet, liegt aber auch daran, dass seine Geschichte bereits dann interessant ausgefallen ist, bevor Venom ins Spiel tritt. Das ist den Hauptfiguren des Streifens zu verdanken, die nennenswert genug charakterisiert wurden, um sich für ihr selbst verursachtes Treiben zu interessieren (Eddie, Drake und Anne) und an der Besetzung, die weiß wie man halbwegs flach geratenen Individuen charismatisches Leben einhauchen kann. Die an sich überdrehte Geschichte wird in ihrer Vor- und Hauptphase möglichst zurückgehalten präsentiert, sprich man ertränkte den Stoff nicht in Spezialeffekten, weiß aber sein Stammpublikum mit genügend Einlagen dieser nicht zu enttäuschen, so z.B. in der Entdeckungsphase der Kräfte und in den Versuchen des irren Geschäftsmannes. Zumindest gehört "Venom" zu jener Gattung Marvel-Film, der ihre Computereffekte gut tun. Erst im unnötigen Kampf Parasit gegen Parasit nehmen die Spezialeffekte so sehr überhand, dass sie nicht mehr im Interesse der zu erzählenden Geschichte stehen, was zu einer kurzfristigen Phase führt, die nicht nur inhaltlich uninteressant ausgefallen ist, sondern auch in ihrer Optik nervt, da sich beide Gegner viel zu ähnlich sehen. Hat man diesen müden Kampf im Finale erst einmal hinter sich gebracht, weiß auch der Film in seiner emotionalen Tonlage wieder zu gefallen, so dass er einen solch sympathischen Ausklang erhält, wie er sich hauptsächlich schaute.

Auf diese Art präsentiert, freut man sich auf kommende Fortsetzungen, wissentlich dass auch mit Teil 1 weder das Rad neu erfunden wurde, noch anderweitig einfallsreich vorgegangen wurde. Ähnlich wie der italienische "Sie nannten ihn Jeeg Robot", den ich kürzlich sichtete, bedient "Venom" einfach die Grundbedürfnisse des Freundes von Superheldenstoffen, womit ich nicht die äußeren Schauwerte meine, sondern die inhaltlichen Aspekte, die einen solchen Film so interessant werden lassen können. "Venom" trumpft freilich auch mit der herrlich düsteren Optik seiner außerirdischen Hauptfigur, das war schon immer ihr Reiz, und im Zentrum präsentiert, anstatt nur als Randerscheinung, kann man sich daran endlich einmal satt sehen. Eingebunden in eine routinierte, aber unterhaltsame und locker leicht präsentierte Geschichte, bleibt dies nicht der einzige Höhepunkt des wilden Treibens, so dass auf Spielfilmlänge keine Ernüchterung im Laufe der Zeit aufkommt. Am Ende der Geschichte sind die Karten so gemischt, wie es sich für eine Comicverfilmung dieser Art gehört, gerade in Bezug auf Eddie und Anne, von daher könnte es in einer Fortsetzung ähnlich klassisch zugehen, wie im hier besprochenen Erstling. Aber wer kann schon einschätzen, was in den Köpfen der Geldmacher Marvels herumspukt? Teil 2 kann trotz des charmanten Ergebnisses seines Vorgängers ein ebenso nerviges Produkt wie "Deadpool" oder "Guardians of the Galaxy" werden. Bei Marvel muss man leider immer mit allem rechnen, was Mainstream so übel macht. Aber gerade desshalb ist es schön zu sehen, dass "Venom" nur kleine Ärgernisse beinhaltete, die typisch für diese Firma sind. Allerdings war auch die Wahl mit "Zombieland"-Regisseur Ruben Fleischer gut getroffen, hatte dieser mit seiner Zombie-Komödie doch genügend Erfahrung im Umgang mit lustig düsteren Stoffen mitgebracht. Und auch dass Sony mitmischte, die einst die Rechte für "Spider-Man" besaßen, und somit in Konkurrenz zu Marvel standen, könnte ein Grund für das sympathische Gesamtergebnis sein. Soviel ich gelesen habe, soll "Venom" ohnehin mehr Sony- als Marvelfilm sein, letztendlich werden aber beide Firmen vor Filmbeginn genannt.


Weitere Besprechungen zu Venom:


Trailer,   OFDb

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