16.05.2020

NAUSICAÄ AUS DEM TAL DER WINDE (1984)

Ein für Menschen unbewohnbarer Wald aus Pilzen breitet sich immer weiter aus. Es gibt nur noch wenige Gegenden in denen der Mensch wohnen kann. Während im Tal der Winde alles friedlich zugeht, versucht das Volk eines anderen Königreichs mit Erweckung einer uralten Waffe den Wald zu zerstören und unterwirft dafür die Bewohner des Tals des Windes. Prinzessin Nausicaä, die im friedlichen Kontakt mit allen Lebewesen steht, versucht dies zu verhindern und stößt nebenbei auf ein Geheimnis des Pilzwaldes, das die Zukunft der Menschen verändern könnte...

Unter dem Pilzwald...

Man kann es kaum glauben, dass Hayao Miyazaki für seinen "Nausicaä aus dem Tal der Winde" zunächst keine Geldgeber fand. Seinem Zeichentrickfilm, dessen Erfolg es ihm ermöglichte das legendäre Ghibli-Studio zu gründen, fehlt es an nichts. Er bietet eine interessante, vielschichtige und phantasiereiche Geschichte, ist in einem sehenswerten, professionellen Zeichenstil gehalten und bietet Botschaften und Tiefsinn im Umgang mit mündigen Zuschauern. Es sind somit viele Qualitäten, die den anspruchsvollen Anime-Bereich ausmachen, bereits hier bestens ausgeprägt vorhanden, so dass der Film keinen Vergleich zu Werken wie "Paprika", "Ghost in the Shell", "Jin-Rho" und Co scheuen muss. Für seine Erscheinungszeit typisch arbeitet er mit einer Umweltthematik, rechnet dabei gerecht mit der Gesellschaft seiner Gegenwart ab, bietet in seinem Mix aus Science Fiction und Fantasy jedoch einen Hoffnungsschimmer, jedoch im geistreichen Sinne, der weder unser Handeln entschuldigt, noch die mögliche Rettung der Menschheit in Kitsch, Fröhlichkeit und leicht zu erreichendem Ziel kleidet (man denke nur an die schreckliche, den Uneinsichtigen geschenkte, Lösung aus "Wall-E").

Bis es so weit ist, erleben wir eine abenteuerliche, erwachsene Geschichte, die erst mit der Zeit offenbart worum es geht. Uns wird eine fremdartige Welt gezeigt, die nur noch wenig mit der unseren und unserer Umwelt zu tun hat. Hier wurde eine durchdachte, sinnvolle und fremde Welt kreiert, abseits der gelebten Gesellschaft findet sich nicht viel von dem was mal war, und selbst innerhalb dieser wird eine für uns fremde Kultur einer fremden Zeit erschaffen, in die wir uns erst einmal einfühlen müssen. In derartigen Aspekten wird der Umgang mit dem Zuschauer ebenso mündig gehalten, wie im nicht zusätzlich erläuterten Handlungsablauf und in der Analyse des Stoffes. Fantasievolle Wesen, Fluggeräte, der unheimliche Wald aus riesigen, giftigen Pilzen und Gesellschaften, die von Königreichen regiert werden, klingen nach einem aufregenden Abenteuer für Kinder. Aber für die ist die Geschichte zu komplex ausgefallen, sie dürfte bereits manchen Erwachsenen überfordern. Zudem zeigt "Nausicaä - Prinzessin aus dem Tal der Winde" (Alternativtitel), der in einer stark gekürzten Fassung auch als "Sternenkrieger - Warriors of the Wind" erschienen ist, gelegentlich Gewaltszenen. Sie werden nicht inflationär eingebracht und immer nur förderlich für die Geschichte integriert, aber für Kinder ist das so gar nichts.

Ab der frühen Jugend (14+) kann man jedoch Gefallen an diesem erwachsenen und geistreichen, wie auch kritischen Science Fiction-Abenteuer finden, das einen intellektuell nicht unterfordert, sondern sogar herausfordert und sowohl im technischen, wie auch im kreativen Bereich Maßstäbe setzt, die bislang meist nur die Japaner im Animationsbereich in anderen Werken zu erfüllen wissen. Wären Blockbuster von heute nur halb so einfallsreich in ihrer Geschichte, sie würden große Werke offenbaren. "Nausicaä of the Valley of the Winds" (Alternativtitel) präsentiert eine weit komplexere Welt und Geschichte, als ihr Actionanteil und das leider ewig bestehende Klischee des Animes vermuten lassen. Und gerade weil er die trivial scheinenden Aspekte ebenso kompromisslos integriert, wie die intellektuell hervorhebenswerten, weiß er in seiner Gesamtheit so zu gefallen und zu überzeugen, als Beweis dessen, wie Quantitäten und Qualitäten ein bemerkenswertes kreatives Ganzes ergeben können, wenn man frei von Vorurteilen, von der Monotonie einer einzigen Filmgattung, dem Klammern an oft wiederholte Erzählmuster oder von gesellschaftlichten Pflichten und Klischees, die angeblich in einen Film zu gehören hätten, einen Film erschafft, der all das beschert bekommt, was er zur besten Erfüllung seiner zu erzählenden Geschichte kompromisslos benötigt. Einzig der etwas zu kitschig geratene Schluss ist mir ein wenig sauer aufgestoßen, aber selbst der besitzt noch weit mehr Rückgrat, Niveau und erwachsene Mentalität als jeglicher Kitschbereich eines typischen US-Filmes.  OFDb

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