13.02.2021

THE DEVIL'S DOLLS (2016)

Die vier Sorgenpüppchen eines kürzlich verstorbenen Massenmörders entfachen bei ihren neuen Besitzern einen übernatürlichen Drang zu morden. Eines dieser Püppchen ist im Besitz jenes Mädchens, dessen Vater den Serienkiller ausfindig machte und erschoss...

Der Gefühlsverstärker...

Den Mythos um Sorgenpüppchen habe ich persönlich erst über den Charles Band-Film "Deadly Chucky Dolls" kennen gelernt. Zuvor war mir dieser Aberglaube nicht bekannt. Wie der Originaltitel "Worry Dolls" bereits verrät, beschäftigt sich auch der unnötig umbenannte "The Devil's Dolls" mit dieser sowohl an Voodoo-Zauber, als auch an Traumfänger erinnernde Thematik. Während man es durch "Chucky - Die Mörderpuppe", "Dolls", "Demonic Toys" und Co im Genre eher gewohnt ist, dass die Puppen selbst per Eigenleben mörderischen Taten nachgehen, beschäftigt sich der von Hauptdarsteller Christopher Wiehl mitgeschriebene und mitproduzierte Streifen mit einer Art Besessenheit, welche die jeweiligen Träger dieser Sorgenpüppchen befällt. Mag Wiehl auch als eine der tragenden Kräfte dieses Projektes hauptsächlich aus dem TV-Bereich kommen, so erweckt der von Padraig Reynolds fürs Kino inszenierte Streifen keineswegs den plumperen Einruck einer TV-Produktion, auch wenn die Grenzen von Wiehls Schauspieltalent erkennbar sind. Charismatisch passend besetzt ist er aber auf jeden Fall, einen Stereotyp inmitten von Klischees verkörpernd, dass man fast schon die Augen verdrehen könnte. Aber Reynolds schafft es gekonnt all die typischen Gewohnheiten eines 08/15-Horrorfilms verzeihen zu lassen.

Das beginnt mit dem Einstieg ins Geschehen, welches derart Klischee-Horror ist, dass er in dieser Extreme fast nur noch im Amateurbereich zu Hause ist. Aber die gekonnte Umsetzung zaubert aus der Chose stattdessen ein packendes Erlebnis. Dreckige Bilder, kompromisslose Ernsthaftigkeit und ein geglückter Spannungsbogen, sowie eine überdurchschnittliche Besetzung der "Opfer"-Rolle, in Kombination mit den Make Up-Verantwortlichen, zaubert aus der stumpfen Jagd eines Psychopathen mit Elektrowerkzeug als Tatwaffe auf eine sich aus seiner Gefangenschaft befreiten Flüchtenden, ein intensives Seherlebnis, welches somit den Einstieg ins Hauptgeschehen zu vereinfachen weiß. Die dichte Atmosphäre, die hier eingefangen wurde, bleibt auch im wieder ruhiger angegangenen Hauptteil bestehen, der zunächst von erwachsenen Problemen und ernst genommenen Figuren dominiert wird und schließlich auch den Horror-Part erreicht. Dort besteht sie weiterhin aufgrund des kompromisslosen Umgangs mit der Horror-Thematik, die frei von Ironie, Meta-Ebenen oder humoristischen Einflusses ist, so dass "The Devil's Dolls" auch im zentralen Geschehen angekommen eine lange Zeit, trotz traditioneller Geschichte und dem braven Einhalten von Klischees und Stereotypen, das für einen Durchschnitts-Horror recht hohe Niveau halten kann.

Dann passiert leider etwas, von dem die Autoren dachten, dass es ihre Pflicht wäre, und sie erklären die Hintergründe der Sorgenpüppchen, ihre Wirkung, ihre Gesetzmäßigkeiten und die scheinbare Lösung des vorhandenen Problems. Zunächst macht es den Eindruck, dass die bisher stetig aufrecht erhaltende Atmosphäre aufgrund des zu plump dargebotenen Voodoo-Hokuspokusses einen Einbruch erhält. Doch ab dem Zeitpunkt der Entmystifizierung der Aggressionen auslösenden, unscheinbar wirkenden Gegenstände verpufft das Besondere an dem Film, der von nun an ohne seine Intensität inhaltlich wie gehabt routiniert voranschreitet, und sich von da an nun leider auch so schaut. Zwar erreicht er aufgrund des Interesses am Schicksal der Figuren und einem gegen Ende wieder aufkommenden Spannungsgehalts immerhin das Ziel angenehmer Routine, aber wenn man eine Stunde lang zuvor trotz mittelmäßiger Rezeptur derart gelungen unterhalten wurde, ernüchtert ein Erwachen im sympathischen Durchschnitt dann doch etwas arg. 

Trotz alledem ist Reynolds ein netter kleiner Genre-Beitrag für zwischendurch gelungen, der dank manch harter Momente auch den eingefleischten Horror-Fans gefallen müsste. Typisch Standard-Konzept geht man jedoch etwas arg gnädig mit den Schicksalen der wichtigsten Figuren um, so dass immer nur jene sterben, wie es typisch für diese Art Vorgehensweise einer US-amerikanischen Horrorgeschichte ist. Eine böse Pointe wäre wünschenswert gewesen. Das was nach der ersten Schrifteinblendung vor dem tatsächlichen Abspann diesbezüglich nachgereicht wird, entspricht der Erwartung einer verspäteten düsteren Pointe leider ebenfalls nicht. Aber was soll man klagen, bei solch angenehmen Ergebnis? Wenn man bedenkt wie schwach ich Reynolds "Rites of Spring" empfand, gleicht es einem Wunder, dass "Worry Dolls" sich überhaupt so lange aufgrund der guten Regie überraschend angenehm geschaut hat.  OFDb

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