02.05.2021

HERBIE GROSS IN FAHRT (1974)

Wunderkäfer Herbie befindet sich im Besitz der alten Lady Steinmetz, der er hilft sich gegen den skrupellosen Unternehmer Alonzo Hawk durchzusetzen, welcher die alte Frau für ein großes Bauvorhaben von ihrem Grundstück vertreiben möchte. Hierfür setzt er seinen unschuldigen Neffen, den Anwalt Willoughby, auf die Oma an, der sich aber auf ihre Seite schlägt, ganz bezaubert von der jungen Nicole, die ebenfalls Oma Steinmetz hilfreich zur Seite steht...

Das Schaf mit der Nummer 53...

Nur selten sind Fortsetzungen besser als das Original, und obwohl "Herbie groß in Fahrt" mit einem weit weniger thematisch sinnvollen Einsatz für ein Automobil daherkommt, als es im ebenfalls sympathischen "Ein toller Käfer" der Fall war, so sind die Lacher und die Gesamtstimmung, die der Streifen zu entfachen mag, in der Fortsetzung dem Original doch haushoch überlegen. Das liegt zum einen daran, dass man den etwas arg seichten Gefühlsbereich des ersten Teils stark zurück schraubt und sich ansonsten einzig einer ausgeflippten Chose zuwendet, die wie ein familienfreundlicher, aber nicht minder schräger, Comic-Strip daher kommt. Schwächen besitzt "Herbie Rides Again" (Originaltitel) durchaus. So schmeckt beispielsweise die Idee nicht, dass Oma Steinmetz noch andere Gegenstände mit Seele beherbergt. Zudem ist die mit "Hart aber herzlich" kurzfristig berühmt gewordene Stefanie Powers alles andere als eine gute Wahl einer solch wichtigen Nebenrollenbesetzung. Und auch mancher Spezialeffekt, der auf Herbie in Miniaturformat setzt, ist bereits für seine Zeit plump ausgefallen. Aber all das nehme ich immer wieder gern bei jeglicher Wiederholungssichtung in Kauf für eine solch treffsicher witzige Komödie mit Charme, in welcher der Bösewicht zum eigentlichen Star wird. 

In meiner liebsten Szene bekommt er allein durch sein Gebrüll, welches man lediglich durch den Telefonhörer vernimmt, die Scheiben einer Telefonzelle zerbrochen. Und je weiter der Film sich dem Ende neigt, um so geisteskranker wird der Zustand des noch nie sauber tickenden Egomanen. In den Attacken gegen den Bösewichten scheut man sich nicht vor solch herrlichen Ideen wie dem klappernden VW-Wrack im Anhang einer Armee von VW-Käfern, oder einer Alptraumsequenz, in welcher Herbie den Bauunternehmer monströs mit scharfen Zähnen im Motorhaubenmaul angreift. Mag manches auch dem gängigen Klischeegesetz massentauglicher Komik angehören (allein schon die Niedlichkeit eines Gegenstandes in den Vordergrund zu stellen), in der hier angegangenen Art wirken selbst solche Momente, wie jene in welcher Hawk inmitten eines Raums voll Seifenschaum vom Auto gejagt wird, lustig und damit förderlich für das Gesamtergebnis. So ganz hat man dem gewagten Rezept der Fortsetzung scheinbar nicht getraut, unterbricht man den Streifen doch kurzfristig für eine Erinnerungssequenz des träumenden Herbie mit Highlight-Autorenn-Szenen aus dem ersten Teil versehen. Und auch die bei weitem nicht mehr so sympathisch ausgefallene zweite Fortsetzung "Der tolle Käfer in der Rallye Monte Carlo", die, wie der Titel bereits verrät, wieder auf Autorennen setzt, lässt vermuten, dass das Publikum wohl nur bedingt begeistert von Herbies Rückkehr in anderer Thematik war. Verstehe das wer will, "Herbie groß in Fahrt" setzt die damalige Tradition oberflächlicher, aber höchst unterhaltsamer, moralfreier Disney-Komödien konsequent fort und gehört für mich zu den Highlights eben dieser. Er hat das Herz am rechten Fleck und ist großteils kitschbefreit ausgefallen.  OFDb

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