02.05.2021

DIE GLÜCKSJÄGER (1989)

Ein Blinder und ein Tauber werden Zeugen und Hauptverdächtige eines Mordes und entkommen gemeinsam der Polizei, um ihre Unschuld zu beweisen...

Der Blinde von beiden fährt den gestohlenen Polizeiwagen...

Obwohl "Die Glücksjäger" in einem der besten Jahrzehnte US-amerikanischer Komödien entstand, scheute ich mich lange Zeit ihn zu sichten. Gene Wilder kenne ich lediglich aus "Frankenstein Junior" (sehr lustig) und "Sherlock Holmes cleverer Bruder" (gar nicht lustig), und mit Richard Pryor tat ich mich schon immer schwer, sei es als Schwachpunkt im amüsanten "Superman 3", oder im missglückten "Das Spielzeug"-Remake "Der Spielgefährte". Selbst im von mir gemochten "Zum Teufel mit den Kohlen" wurde ich mit ihm nicht warm. Umso schöner war es festzustellen, dass mich mit dem im Original sinnvoller betitelten "See No Evil, Hear No Evil" eine flotte, kurzweilige Komödie erwartete, die u.a. gerade von der Performance seiner beiden Hauptdarsteller lebt. Die spielen derart charmant überzogen, dass es eine wahre Freude ist ihnen dabei zuzusehen, wie sie wie Elefanten durch den Porzellanladen trampeln. Hemmungslos nutzt man die Behinderungen der beiden Hauptfiguren für allerlei alberne Komik, mal respektlos, mal respektvoll angegangen. Das war in dieser entspannten Zeit auf diese Art noch möglich und auch vollkommen egal und akzeptiert, so dass das von Arthur Hiller ("Filofax", "Ein Single kommt selten allein") inszenierte Projekt ein Zeitdokument ist, das in dieser Art so in den USA nicht mehr entstehen könnte. 

"Die Glücksjäger" guckt sich wie ein Witz, der mit den Worten "Ein Blinder und ein Tauber..." beginnt, und allein auf dieses simple Niveau wird er auch reduziert. Es darf verwundern, dass dies funktioniert, erst recht wenn man bedenkt wie viele Autoren hier tätig waren, um eigentlich keine Geschichte zu erzählen. Sie hüpft von einem Kapitel zum nächsten, einen roten Faden vorgaukelnd, um in den einzelnen Episoden verschiedenen Möglichkeiten nachzugehen, die Behinderungen komisch zu nutzen. An Ideen mangelt es dabei nicht. Ob es der Blinde ist, der einem Blinden über die Straße hilft, oder das Selbstbewusstsein des Tauben, der glaubt ein von ihm bedrohter Verbrecher hätte Angst vor ihm, weil er nicht mitbekommt dass jede Menge bewaffnete Polizisten hinter ihm stehen, "Die Glücksjäger" bietet jede Menge gute Laune durch allerhand simple Lacher. Freilich fußt manche Idee in der Ausnahme auch mal nicht auf Blindheit oder Taubheit, so z.B. in einem der humoristischen Höhepunkte des Streifens, in welchem Gene Wilders Rolle eine attraktive Frau mit einer Erektion in der Hose bedroht. 

Qualitativ schaut sich das alles nicht wirklich. Ideen werden verworfen (so stehen z.B. beide nur zu Beginn nicht offiziell zu ihren Behinderungen und tun stattdessen so, als wären sie gesund), einmal wird sogar ein Handlungsstrang nach einer Schnittsetzung völlig ignoriert (was glücklicher Weise den Tiefpunkt betrifft, in welchem beide Hauptfiguren zerstritten auseinander gehen). Die hohe Treffsicherheit der Gags und der entspannte Umgang damit etwas derart Sinnloses und Dreistes abzuliefern, lassen aber eher die positiven Seiten des Filmes dominieren, zu denen auch ein überraschend ungewöhnlich besetzter, halbwegs junger Kevin Spacey gehört. Der wird zwar nie zum Highlight des Streifens, weiß in seinem comic-artigen Stil aber ebenso zu gefallen, wie seine sexy Spielpartnerin. Letztendlich sind sie aber ohnehin nur Spielbälle in der Manege der beiden zentralen Helden/Hauptdarsteller, die hemmungslos albern agieren, z.B. in jener lustigen Szene, in welcher der Taube in bekloppt aussehendem Gang laut auf dem Bürgersteig herum trampelt, mit der Begründung man falle damit weniger auf, als wenn er einen Blinden an der Hand leitet. 

Wer mit derartiger Komik nichts anzufangen weiß, wird keinen Zugang zu diesem arg simplen Film finden. Ich hingegen bekam nicht genug von derartigen Szenen und habe mich gefreut, dass den Autoren bis zum Schluss immer neue Ideen oder alternative Varianten bereits genutzter Komik eingefallen sind. Auf ein Schießduell zweier Blinder darf man z.B. bis zum Schluss warten. Und dass ein Tauber eine frisch befreite Geisel animiert sich möglichst still zu verhalten, während im Hintergrund laut die Alarmanlage scheppert, gehört auch zu den vielen funktionierenden Lachern eines letzten Drittels, welches in Sachen Komik den anderen beiden Dritteln in nichts nachsteht.  OFDb

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