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Sonntag, 26. April 2015

STADT DER TOTEN (The City of the Dead 1960 John Llewellyn Moxey)


Eine Studentin reist zu Forschungszwecken über Hexerei auf Empfehlung ihres Professors nach Whitewood, wo vor fast 300 Jahren eine Hexe hingerichtet wurde. Als die Studentin nicht mehr auftaucht macht sich ihr Bruder auf die Suche nach ihr...


Die Hexen von Whitewood...

„Stadt der Toten“ ist ein recht naiver Horrorfilm, bei dem man ziemlich direkt weiß woher der Hase läuft, ohne dass dies genutzt wird den Zuschauer an der Nase herumzuführen. Alles verläuft wie erwartet und damit höchst überraschungsfrei und zudem mit Lücken in der Glaubwürdigkeit versehen, die zu groß sind als dass man sie großzügig übersehen könnte. Mag der Film auch von 1960 sein, auch für seine Zeit kommt er altbacken daher, auch wenn ich gestehen muss dass ich mich mit Okkult-Horrors ohnehin immer etwas schwer tue und an Satansritualen nur selten etwas reizvoll finde. Somit bin ich Meinungs-technisch vorbelastet.

Zumindest ist es interessant zu sehen, dass Regisseur John Llewellyn Moxey, der bis in die 80er Jahre hinein tätig war und u.a. „Der Hauch des Bösen“ und „Nightmare - Im Lager der gequälten Frauen“ inszenierte, im selben Jahr wie Hitchcocks „Psycho“ auf dessen Kniff zurückgreift die Heldin der Geschichte zur Mitte hin sterben zu lassen. Insofern muss ich meine Behauptung der fehlenden Überraschungen zumindest auf diesen Fakt bezogen revidieren. In alles andere wird der Zuschauer jedoch eingeweiht - zumindest macht „Stadt der Toten“ den Eindruck dies zu tun bei den offensichtlichen Informationen die er einem mitgibt. Mag sein dass mich der Blick von Heute diesbezüglich täuscht und Moxey noch ernsthaft 1960 auf vollkommen naive Zuschauer gesetzt hat. Ich weiß es nicht.

Zumindest ist man bemüht einen stimmigen Film abzuliefern, wirkt die Kleinstadt doch wie eine Geisterstadt mit ihrem (etwas zu übertrieben eingesetzten) Nebel, der verfallenen Kirche, dem uralten Friedhof und den greisen Gestalten auf leerer Straße. Selbst der fast blinde Dorfpfarrer wird gruselig eingesetzt, wird rückblickend durch das Finale jedoch zur Witzfigur, wenn man miterleben darf wie die Helden des Streifens den Sieg erlangen. Wieso hat der Pfarrer selbiges nie selbst getan als er es noch konnte, zumal die Idee auf einen Hinweis seinerseits beruht?

Aber diese offene wie offensichtliche Frage ist eben nur ein Teil des großen Idiotienmeeres von dem ich sprach, ähnlich wie die Anwesenheit einer jungen Frau in Whitewood, die dort schon mehrere Wochen haust und sich erst jetzt Sorgen macht, dass mit dem Ort etwas nicht stimmen könnte. Es ist leider so viel was gegen die an sich gute Grundstimmung steuert um „Horror Hotel“ (Alternativtitel) ernst zu nehmen. Und seine arg naive Hauptstory, allen voran die höchst naive Studentin die eins und eins trotz besserem Wissens nicht zusammengezählt bekommt, ist auch nicht gerade hilfreich dabei dem Treiben in Whitewood mehr abzugewinnen als den nostalgischen Charme einer überholten Gruselfilm-Epoche.

Nimmt man „The City of the Dead“ (Originaltitel) nicht zu ernst, was wohl auch kaum möglich sein kann, weiß er genau als das zu funktionieren: als amüsantes, überholtes Gruselfilmchen mit Nostalgiefaktor. Mir persönlich sind Genre-Beiträge dieser Zeit jenseits der unfreiwilligen Komik lieber, da sie auch heute noch zu funktionieren wissen. Am hier besprochenen Werk merkt man wieder einmal, dass Christopher Lee scheinbar wirklich in allem mitgespielt hat was man ihm angeboten hat. Zu seinen großen Auftritten gehört sein Part als zwielichter Geschichts-Professor wahrlich nicht.


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