Montag, 23. Juli 2012

ANANAS EXPRESS (Pineapple Express 2008 David Gordon Green)


Ein Kiffer wird Zeuge eines Mordes und vom Täter verfolgt, da dieser die Identität des Mitwissers anhand einer seltenen Cannabis-Marke herausfindet. Zusammen mit seinem Dealer flüchtet der Kiffer vor einer Bande mordgieriger Mafiosis und deren Konkurrenz...


Kiffen bringt Ärger...

Eine Action-Komödie mit Kiffern im Zentrum - was für andere lustig klingt wusste mich zunächst einmal nicht zu locken. Dass ich mir „Ananas Express“ dennoch zu Gemüte geführt habe, liegt einzig an der Anwesenheit Seth Rogens, der mir durch „Superbad“ und „Shopping-Center King“ so positiv aufgefallen ist, so dass ich mehr von ihm sichten wollte. Und siehe da, ich wurde nicht enttäuscht, denn der Streifen, an welchem Rogen selber mitschrieb und den er gleich mitproduzierte, macht richtig Laune.

Und dies macht er auf eine Art welche den später folgenden „Shopping-Center King“ ebenfalls so sympathisch machte: die Hauptgeschichte ist 08-15, während die Gimmicks innerhalb des halbwegs Bekannten immer wieder zu überraschen und zu amüsieren wissen. Anbiedernde Komik gibt es nicht, der Humor des Streifens ist wild und provozierend, allerdings auch reflektierend und ehrlich.

Das ist um so erfreulicher, da „Ananas Express“ keineswegs eine Pro-Kiffer-Komödie ist, wie man meinen könnte, so nah wie sie am Empfinden und Reden eines Cannabis-Konsumenten orientiert ist. Wenn der Hauptfigur irgendwann klar wird, dass man all dem Ärger nicht entkommen kann, wenn man dauerhaft zugedröhnt ist, wird dies nicht auf die moralische Schiene durchgekaut, sondern wirkt natürlich frisch, da orientiert an den Figuren, für deren Charakterzeichnung man sich jede Menge Zeit lässt.

Der Blick auf den Drogenkonsum der Helden, der in keiner Form eine Wertung erhält, ordnet sich wie alles andere der minimalen Geschichte unter, die ihre Stärke durch interessante Charaktere und einer pointen- und ideenreichen Story erhält. Ob es die Einführung von Nebenfiguren ist, der Actionanteil, was auch immer: alles wird erst dann ausgepackt, wenn es förderlich für die Geschichte und den Unterhaltungswert ist. Das Verweigern einer Suche nach einem Zielpublikum und das damit einhergehende Anbiedern an diesem findet nicht statt und hilft dabei, dass das Nichts am eigentlich Erzählten so aufzublühen weiß.

Der Ideen gibt es genug. So darf man beispielsweise einem minutenlangen Kampf sichten, bei welchem sich drei kampfunerfahrene Loser gegenseitig auf unbeholfene Art verprügeln und anderweitig Schaden zufügen. Oder man darf einer Autoverfolgungsjagd beiwohnen, bei welcher die Idee die Windschutzscheibe vom Fahrer heraustreten zu lassen, zu einer höchst witzigen Szene führt.

Wenn das ganze später völlig überzogen in einem gewaltigen Actiongewitter mit jeder Menge Toten endet, wird es in dieser Phase keinesfalls unwitzig. Running Gags und einfallsreiche Situationskomik machen das Massensterben zum fröhlichen Happening, oftmals wie zuvor durch das Gegenlenken von Zuschauererwartungen.

Weinende Profikiller werden zu ebensolchen nebensächlichen Lustigkeiten, wie das Herausreißen aus einer depressiven Stimmung mittels des Wortes „heiraten“, oder das Zukotzen eines Druckers, oder herumblödelnder Mafiachefs, oder hirnverbrannter Diskussionen und Entdeckungen aus Kifferköpfen. Wenn ein nicht startendes Auto zum Aha-Moment führt, dass man nach Plan B dann halt zu Fuss geht, gefühlte Ewigkeiten darüber geredet wird welche Uhrzeit man wohl gerade habe, oder rein theoretisch darüber spekuliert wird dem besten Freund einen runter zu holen, kann man sich das Lachen nicht verkneifen.

Interessant ist, dass eine solche Geschichte, die sicherlich nicht so leicht ihre Geldgeber gefunden hat, professionell umgesetzt wurde. Das sieht man an gekonnten Stunts, toller Fotografie und dem geglückten Drehbuch, welches unnötiger aber auch interessanter Weise in den 30er Jahren beginnt, nur um auf herrlich ulkige Art in den Film einzusteigen.

James Franco, der hier den Klein-Dealer spielen darf, macht seine Arbeit ebenso gut wie Seth Rogen. Letztendlich wurde aber ohnehin jeder passend besetzt, was viel am positiven Gesamtergebnis ausmacht. Da scheinbar auch gute Laune am Set herrschte, sieht man den Akteuren ihre Spielfreude auch pausenlos an.

Einen interessanten Blick ist zudem die Schluss-Szene wert, in welcher man der Gruppe Kiffer dabei zuhören darf wie sie die vergangenen Stunden noch einmal Revue passieren lassen und auch auf Situationen verweisen bei welchen nicht jeder Dasitzende anwesend war. Allein diese Szene zeigt wie nah das Drehbuch an den Protagonisten orientiert ist und es mit solchen Methoden schafft inmitten eines völlig überzogenen Szenarios immer wieder Realitätsnähe aufblitzen zu lassen - mit dem Nebeneffekt auch diese wieder lustig werden zu lassen.


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