Freitag, 17. August 2012

HANCOCK (2008 Peter Berg)


Ein heruntergekommener Superheld rettet einem PR-Berater das Leben, so dass dieser sich revanchiert, in dem er den von der Allgemeinheit gehassten mit Superkräften ausgestatteten Asozialen dazu verhilft wieder beliebt zu werden...


Kommt ein Arschloch geflogen...

Gleich vorweg: lustiger und vor allen Dingen satirischer wäre der Film geworden, wenn Hancock sich nur nach außen bessern würde, einfach um die Luft der Beliebtheit zu schnuppern. Aber für solche Ideen ist „Hancock“ viel zu sehr Blockbuster-Kino, was bereits seine Besetzung mit Will Smith zeigt, der es zwar schafft eine gewisse Sympathie auszustrahlen, aus der Figur die er spielt aber viel zu wenig herausholt.

Ob das inmitten eines eher mäßigen Drehbuchs viel genützt hätte, ist nicht sicher, aber einen Versuch wäre es wert gewesen. Wieder einmal beherrscht es Smith nicht glaubwürdig emotional zu spielen, dafür ist er viel zu sehr Darsteller anstatt Schauspieler, aber es hätte bereits gereicht auf schlichte „Men In Black“-Art einfach comichaft eine Spur dicker aufzutragen, schließlich ist dies hier Popkorn-Kino, und das soll einfach nur Spaß machen.

Das macht es auf schlichte Art auch, im ersten Drittel jedoch mehr als danach. Aufgegriffen wird im Grunde eine Randidee aus „Superman 3“, die erweitert wird durch das Zusammentreffen mit einem PR-Berater. Eine solche Idee hätte eine gute Umsetzung verdient, schafft es aber freilich, eben weil es so eine hervorragende Idee ist, auch noch in der hier vorliegenden Lightversion zu unterhalten. Aber der Spaß bröckelt, wenn Hancock rehabilitiert in die Welt zurückkehrt, um ein gefeierter Held zu werden.

Meiner Meinung nach hätte der Film erst mit diesem Szenario schließen dürfen. Aus einem Asi einen Vorzeige-Promi zu machen, hätte für einen Stoff von 90 Minuten Laufzeit ausgereicht. Nicht nur dass mehr nicht nötig gewesen wäre, die Geschichte wäre auch um einiges glaubwürdiger ausgefallen, da man dem Wandel damit mehr Zeit gewidmet hätte. Hancocks Wandel kommt jedoch über Nacht, so als hätte er längst auf diese Chance gewartet. Mit diesem Ansatz könnte ich noch leben, wenn die Tricks des PR-Beraters raffiniert gewesen wären. Aber Hancock hätte mit solch simplen Grundlektionen der Höflichkeit längst von allein ein besserer Held werden können, erst recht wenn man beobachten darf wie unschwer es ihm fällt dem Alkohol abzusagen, mit dem er zuvor bereits den Morgen begonnen hat.

In dieser ersten zu kurz kommenden Phase macht es Laune dabei zuzusehen, wie klassische Superhelden-Bilder parodiert werden, in dem sie auf den Kopf gestellt werden. Ohne ein familientaugliches Ergebnis und somit mit weniger Bravheit versehen, hätte dies auch einen ganzen Film so bleiben können. Doch tritt erst einmal der gewandelte Hancock auf, ist es vorbei mit dem rechten Biss, und der Film wird zu dem, was er zuvor parodierte.

Da ist es schon lobenswert, dass er emotional in dieser Phase etwas tiefer geht. Man erfährt warum Hancock geworden ist was er wurde, man erfährt den Hintergrund seiner Herkunft, und es wird die klassische Superhelden-Tragik geschaffen, die jedem Helden einen Tiefe hinzuzaubert. Leider will man aber jegliches aufgegriffenes Thema ziemlich schnell abarbeiten, so dass der von mir als zu kurz kommende kritisierte Einstieg nur der Beginn einer Reihe nicht zu Ende gedachter Ideen ist.

Da wirkt einiges bisweilen lückenhaft und unlogisch. Sicherlich kann man über alltäglichen Superhelden-Nonsens hinwegschauen, so z.B. bei der Frage, warum ein Superhelden-Kostüm, welches Hancock von einem Menschen geschenkt bekommt, keinerlei Einschusslöcher im Kugelhagel beschert bekommt. Nimmt es durch Körperkontakt automatisch Hancocks Fähigkeiten ein? Es wäre kleinlich sich in einem Film wie diesen an solchen Nichtigkeiten aufzuhängen. Aber was ist mit den großen Fragen und Widersprüchen, z.B. in der Vergangenheit Hancocks in Bezug auf eine Frau in seinem Leben, die er mal enttäuschte, dann aber kurz vor dem Blackout wieder überglücklich machte? Und ist, auch wenn versucht wurde hierfür einen Grund abzuliefern, das Zusammentreffen der beiden nicht doch eine Spur zu zufällig? Was ist mit der aktuellen Beziehung dieser Frau, die keine Zukunft haben kann und sich scheinbar gegen das Schicksal auflehnt?

Und was ist mit der größten Lücke, dem Finale? Wieso rotten sich ein paar Verbrecher zusammen, die eines Hancocks nicht würdig sind und scheinbar von seiner Schwäche wissen, obwohl es hierfür keinerlei Grund gibt? Arbeitete man so stark an einer 90 Minuten-Laufzeit, dass kein Platz mehr für einen Superschurken war? Hätte man es nicht konsequenter Weise einfach bei der Tragik Hancocks in Bezug zu seinem Gegenstück als finalen, eher inneren, Kampf belassen können? Musste es zwingend ein Krawumm-Ende geben? Immerhin hatte der Film zu Beginn den Freischein actionmäßig ordentlich in die Kacke zu hauen, um zu demonstrieren wie teuer Hancock dem Steuerzahler kommt. Da hätte man doch auch mit Würde ein actionfreies Ende kreieren können zum Wohle der erzählten Geschichte. So etwas müsste doch selbst in einem Blockbuster möglich sein, oder vergrault man tatsächlich damit bereits ein ganzes Publikum?

Wie auch immer! Glücklicher Weise bekommt „Hancock“ immer gerade noch den Bogen um wenigstens durchschnittlich zu unterhalten. Bedenkt man jedoch auf welch starker Grundidee die Regie-Arbeit von Peter Berg („Very Bad Things“) aufbaut, darf man schon ein wenig enttäuscht sein. Hollywood sollte sich wieder mehr auf seine Drehbuch-Autoren verlassen und weniger auf seine Stars. Immerhin schaffen US-Autoren selbst große Würfe im TV, wie intelligente Serien wie „Dexter“ beweisen. Ein großes Ergebnis müsste doch auch mal wieder im massentauglichen Kino möglich sein, so wie früher!


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