Samstag, 29. September 2012

DIE KÜHE SIND LOS (Home On The Range 2003 William Finn u.a.)


Um den Bauernhof, auf dem sie leben, vor dem finanziellen Ruin zu retten, ziehen drei Kühe los, um das nötige Geld aufzutreiben. Die Belohnung zum Einfangen eines Gauners würde exakt die Summe betragen, welche die Rindviecher zur Begleichung der Schuld benötigen würden...


Das geht auf keine Kuhhaut...

Fast könnte man losschimpfen und behaupten, es sei gut, dass nach „Die Kühe sind los“ die Disney-Studios für handgemalte Zeichentrickfilme geschlossen wurden. Der letzte Disney-Trickfilm seiner Art ist ein trauriger Anblick, eine Gurke seines Genres.

Unweigerlich kommt mir Mel Brooks legendärer „Frühling für Hitler“ in den Sinn, in dem ein Mann ein Theaterstück absichtlich schlecht gestaltete, damit es floppt. Man bekommt das Gefühl, dass „Home Of The Range“ (Originaltitel) gar keine Chance gegeben wurde, so als hätte man den Mist nur produziert um Unnötiges loswerden zu können. Aber dies wird wohl kaum der Grund sein.

Bei näherem Hinsehen fällt nämlich auf, dass der Trickfilm um die drei Kühe komplett berechnend angegangen wurde, was wiederum typisch für die Disneystudios ist, spätestens seit der 90er Jahre. Zwar gehört „Die Kühe sind los“ eher zu dem Randbereich der Disney-Trickfilme mit frecher Komik, einer Gattung Animationsfilm, die kleiner gehalten wurde als die großen Genrebeiträge und die großartige Werke wie „Ein Königreich für ein Lama“ und „Lilo und Stitch“ hervorgebracht hat, das Niveau seiner gleichrangigen Brüder erreicht der hier besprochene Film jedoch nicht. Dafür ist er, wie erwähnt, zu berechnend.

Zwar können die Zeichnungen selbst noch immer überzeugen, dank schablonenhafter, liebloser Charakterzeichnung wird man mit den hübsch animierten Hauptfiguren jedoch nie warm. Eine ähnliche Figurenkonstellation gab es schon in „Chicken Run“, und selbst da war das Rezept nicht neu. Die Geschichte erinnert phasenweise an den eher unbekannten „Rover und Daisy“ und die Geschichte um Verzweifelte, die dringend Geld auftreiben müssen wurde bereits im Kinofilm der „Brady Family“ deshalb eingebracht, weil es mittlerweile eine häufig verwendete Klischee-Story ist, die parodiert gehörte. Einfallsreichtum sieht jedenfalls anders aus.

Berechnend ging man auch in anderen Bereichen vor. So wie es die Hitparade des Entstehungsjahrzehnts und die vielen Disneywerke selbiger Zeit vorgemacht haben, darf man in „Die Kühe sind los“ selbstverliebten Gesang erleben, der sich nicht auf die Schönheit seiner Melodie oder den Inhalt der gesungenen Worte konzentriert, sondern einzig und allein auf das Talent und die Geltungssucht des gerade Singenden. Ein Ausnahmesong wie die humorvolle Variante eines „Old MacDonald Has A Farm“ wirkt hingegen verkrampft und peinlich unwitzig, ist das Einbringen dieses Liedes doch nur der verzweifelte Akt etwas Themenverwandtes aus der Kultur herauszukratzen, um besonders frisch und kreativ zu wirken.

Da „Shrek“ und Co derzeit so erfolgreich waren, springt man ganz berechnend natürlich auch hier auf den fahrenden Zug mit auf, und versucht mit halbgaren coolgewollten Wortspielen rund um Milch und Butter die Aufmerksamkeit des Jugendpublikums zu erbetteln. Aber selbst wenn man die Humorrichtung verstanden hätte, so wäre immer noch die viel zu kindgerechte und viel zu banale Geschichte im Weg gewesen, um jenes Publikum zu erreichen. „Die Kühe sind los“ ist derart krampfhaft auf Erfolg konstruiert, dass es echt nicht mehr wundert, dass er gefloppt ist. Dass die Disney-Studios daraufhin glaubten, es läge am klassischen Verfahren und nicht an der erbärmlichen Umsetzung, passt wiederum zu der berechnenden Art.

Es ist schade, wenn im Wort Filmgeschäft nur noch der letzte Teil Beachtung geschenkt bekommt. Dass alles nur Geschäft ist, zeigt sich letztendlich aber auch in der realsatirischen Haltung des Konzerns, eine langjährige, erfolgreiche Zusammenarbeit mit der größten Hamburgerkette der Welt zu haben, im hier besprochenen Film allerdings gleichzeitig Mitleid und Sympathie für Rindviecher beim Zuschauer zu erhoffen. Um den hier von mir angerissenen Kritikpunkt für voll zu nehmen, bin ich allerdings nicht Öko genug.


Trailer,   OFDb

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