Samstag, 29. September 2012

TOOTH AND NAIL - DIE LETZTEN TAGE DER MENSCHHEIT (Tooth And Nail 2007 Mark Young)


Die Zukunft: Die meisten Menschen sind verhungert, wer noch lebt sucht verzweifelt Nahrung. Eine kleine Gruppe Menschen organisiert sich dort, wo die Masse der Hungernden aus Essensmangel bereits verschwunden sind. Eines Tages droht jedoch eine neue Gefahr. Eine Bande von umherziehenden Kannibalen ist auf die Gruppe aufmerksam geworden. Nun heißt es kämpfen oder gefressen werden...


Die Kannibalen kommen...

„Tooth And Nail“ ist ein zweischneidiges Schwert. Er präsentiert gute Ideen, baut in seiner Inszenierung jedoch relativ viel Mist. Und damit meine ich nicht einmal die Amateurfilm-Atmosphäre dieses eigentlich professionell produzierten Filmes.

Die Einleitung, in der uns der Grund des Untergangs der Zivilisation erklärt wird, ist bereits ein solcher Punkt. Irgendwie ist er mit seiner gewagten Idee mutig zu nennen, trotz Erwähnung der Details wirkt der Grund andererseits nicht gerade glaubwürdig. Dennoch kann man diesen Bereich eher zu den gelungenen des Films zählen. Schließlich ist „Tooth And Nail“ Trivialunterhaltung auf Groschenroman-Niveau, was soll ich da Shakespeare erwarten?

Youngs Werk wird nicht gerade viel gekostet haben, und da fast alles in einem Gebäude spielt, war es auch nicht schwer mit so wenig Geld eine glaubhaft verlassene Welt darzustellen. Eine glaubhafte Hoffnungslosigkeit kommt leider nie auf, was meiner Meinung nach auch an den Charakteren liegt, die einfach zu sehr an „Aliens“, „Matrix“ und wie die Filme mit den Proll-Gruppierungen auch alle heißen mögen, erinnern. Interessante Figuren darf hier suchen wer will, die gibt es, wenn überhaupt, auf der Seite der Kannibalen. Die kommen charakterlich wiederum zu kurz, als das wirklich ein Einzelner auf sich aufmerksam machen würde, ist aber auch nicht schlimm. Im Gegenteil, die Kannibalen als anonyme Gruppe brutaler Bestien wirkt, und die comichafte Übertreibung ihrer Statur, Waffen und drögen Organisation ist so eigentlich genau richtig eingebracht.

Ein Nachteil von „Tooth And Nail“ ist sicherlich die zu vorhersehbare Wende 30 Minuten vor Schluss. Man muss schon 60 Minuten geschlafen haben, um diese „Überraschung“ nicht zu erahnen. Viel kaputt macht es an der eigentlichen Atmosphäre nicht, positiv wirkt so etwas auf einen Film mit Thrill andererseits auch nicht.

Viel ärgerlicher ist die Figurenzeichnung der Heldin, die wie üblich zur heutigen Zeit, einen nervig politisch korrekten Charakter beschert bekommen hat, vergleichbar mit der Hauptfigur aus dem „Dawn Of The Dead“-Remake. Wer seinen Arsch auf Ego-Nummer retten will, wird von der Heldin überredet anderen doch zu helfen, mit dem Ergebnis, dass die Überredeten zu Opfern werden. Das zeigen aktuelle Filme häufig, bemerken aber gar nicht, dass sie der politischen Korrektheit damit die Luft rausnehmen. Sie kritisieren diese moderne Fragwürdigkeit nicht, die in den 80er Jahren begann unserer Gesellschaft den Kopf zu verdrehen. Solche Filme glauben an das Gute dieses Systems und bemerken ihren Widerspruch nicht. Dies verärgert und amüsiert zu gleich, macht aus „Tooth And Nail“ mit seiner eigentlich reizvollen Grundidee zum Glück aber auch kein komplett unfreiwillig komisches Kasperletheater.

Peinlich wird es erst gegen Ende, wenn die Hauptrolle meint sich als Kämpferin nun ihr Gesicht zur Tarnung und als Zeichen des Kampfgeistes bemalen zu müssen. Im Finale wird aus der ach so korrekten Dame plötzlich eine Kämpferin ohne Gnade und ethischen Richtlinien. Zur Rache und zum Selbstzweck darf nun der Spieß umgedreht werden, jedoch erneut nicht um dem politisch korrekten Weg den Stinkefinger zu zeigen, sondern einfach um unüberlegt Genrevorbildern zu folgen.

Ich denke das Hauptproblem solcher Widersprüche liegt darin, dass mittlerweile eine Generation von Filmemachern entstanden ist, die mit ihrem Lieblingsmedium groß geworden sind. Nun fragt man sich nicht mehr, wie man welche Aussage mit welchen Stilmitteln einsetzt, man fragt sich nur noch, wie kann ich das, was ich selber gut fand, auf ähnliche Art in meinen eigenen Film einbauen. Die Cleveren, wie Tarantino, nutzen ihre private Erfahrung mit dem Kino für eine Weiterentwicklung, die Dummen wie Mark Young, Oliver Hummel und wie sie alle heißen, begreifen nicht einmal, dass ihre Vorbilder wichtige Aussagen tätigen wollten. Man klaut den Effekt, aber nicht den Geist dahinter. Und das lässt „Tooth And Nail“ in seiner Gesamtheit so erbärmlich wirken.

Man kopierte „Zombie“ und viele andere Genrebeiträge, will aber keine Aussage tätigen. Man will auf nichts aufmerksam machen, sondern schlichtweg unterhalten. Gut gemacht kann man diese Haltung sicherlich akzeptieren, denn wie oben erwähnt will der Film nun einmal nur ein Trivialwerk sein. Bedenkt man aber all die vernachlässigten Möglichkeiten die man mit dieser so simplen Idee hatte, und fügt man dann noch die unnötigem Fehler in der Umsetzung hinzu, dann kann man zu Recht über dieses eigentlich passable, wenn auch zu spannungsarme, Routineprodukt maulen. 


Trailer,   OFDb

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