Mittwoch, 19. September 2012

PINOCCHIO 3000 (2004 Daniel Robichaud)


Ein böser Bürgermeister möchte einen von Ingeneur Gepetto erschaffenen Roboterjungen für seine Zwecke missbrauchen, damit alle Kinder seiner Stadt Roboter werden...


Die Kinder von Stepford...

"Pinocchio 3000" weist einige deutliche Parallelen zu "Robots" auf. Da wären zunächst einmal selbstverständlich die Roboter selbst, aber viel mehr geht es mir bei diesem Vergleich um die Art der Umsetzung. Beide Animations-Filme wirken zuckersüß, überdreht, kunterbunt und unterkühlt zugleich. Und beide bauen sie Gesellschaftskritik über böse Firmen und deren fragwürdigen Machenschaften ein, so wie dies heutzutage häufiger der Fall ist, allerdings ohne diese ernst zu meinen. Die fertiggedrehten Produkte sind selbst Ergebnis einer solchen pseudo-kritisierten Geldmacherei, und das Produkt ist somit nur seelenlos, klischeeüberladen und Kapitalismus vom Feinsten ohne den Hauch von Individualität in Geschichte und Umsetzung.

Wo "Robots" zumindest noch einen Hauch unterhaltsam war, scheitert "Pinocchio 3000" komplett. Das Mitwirken berühmter Menschen wie z.B. Whoopi Goldberg hinterlässt einen etwas bedrückenden Eindruck.

Kinder, die besagte Kritikpunkte nicht erkennen oder zumindest nicht hinterfragen, werden das Werk sicherlich als kurzweilig erachten. Aber in Fällen wie diesen liegt es an den Eltern einen solchen Film zu beurteilen, man muss seine Kinder schließlich nicht alles gucken lassen. Erst recht wenn es so fragwürdig ist wie dieses erschreckende Produkt: ein Trickfilm auf Bild“zeitungs“-Niveau!

An der Animation gibt es nichts zu meckern, die ist geglückt. Aber selbst wenn man über den Täuschungsversuch der unehrlichen Gesellschaftskritik hinweg sehen könnte, wäre immer noch zu kritisieren, dass die Umsetzung vom original „Pinocchio“ zur Zukunftsgeschichte viel zu plump umgesetzt wurde. Hier gibt es wirklich gar nichts positives zu entdecken.

Das finde ich sehr schade, denn einen Roboter-Pinocchio im Jahre 3000 könnte ich mir super als einen etwas düsteren Animationsfilm für den erwachsenen Zuschauer vorstellen. So wie letztendlich umgesetzt ist es aber Massenware geworden, die sich bequem auf dem üblichen Rezept eines Familienfilmes ausruht und der spätestens an besagter geheuchelter Kritik zu Grunde geht. Wenn nach einer gewissen Laufzeit auch noch der Singsang losgeht, ist die Versuchung zur Fernbedienung zu greifen höher denn je.


Trailer,    OFDb

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