Dienstag, 9. Oktober 2012

FACULTY (The Faculty 1998 Robert Rodriguez)


Die Highschool wird eingenommen von Außerirdischen, die ihre Opfer in willenlose Angeglichene verwandeln. Eine Gruppe Schüler weiß als einziges bescheid und versucht die Invasion zu verhindern...


Lehrer sind böse...

„Faculty“ bedient brav die Sehgewohnheiten des Kinopublikums und erzählt seine Geschichte recht überraschungsfrei. Er ist alles andere als ein ungewöhnlicher oder innovativer Film. Genau das hätte man aber damals von ihm vermuten können, saß doch Robert Rodriguez auf dem Regiestuhl, ein Mann von dem man damals noch nicht wusste, dass er nach seinen Kultfilmen „El Mariachi“, „Desperado“ und „From Dusk Till Dawn“ vorrübergehend zum Mainstream wechseln würde und seinen Tiefpunkt diesbezüglich mit „Spy Kids“ abliefern würde.

Interessanter als ein Blick auf die Regie ist jedoch ein weiterer auf Drehbuchautor Kevin Williamson, der in erschreckender Selbstüberschätzung nach seinem Erfolg der Printvorlage von „Scream“ groß ankündigte nun jedes Genre revolutionieren zu wollen. Ginge man nach dieser Äußerung in Bezug auf „Scream“, „Faculty“ und seinem Regie-Debüt „Tötet Mrs. Tingle“, so schien der Autor zu meinen, man müsse aus jeder bekannten Story einen Teeniefilm machen, der ironisch erzählt ist, und fertig ist die Modernisierung.

Was auch immer für merkwürdige Wege die Köpfe hinter „Faculty“ eingeschlagen haben, der Film selber funktioniert. Er ist der typische kurzweilige Mix aus Horror und Science Fiction, angereichert mit einer Dosis Humor und auf typische Teeniefilm-Art angenehm geistlos erzählt.

Letzteres könnte man hinterfragen, beschäftigt sich das Werk doch mit der Idee, dass sich eine Gruppe unterschiedlichster Menschen, die sich untereinander teilweise nicht ausstehen kann, einer Angleichung zur Wehr setzt. Hierfür war der Mikrokosmos Highschool ideal, um diesen Gedanken für eine Geschichte zu verfolgen, die nur innerhalb weniger Tage spielt. In der Schule treffen am deutlichsten unterschiedliche Mentalitäten aufeinander. Und wohl nur in der Schule war es möglich das Popkornkino übliche Happy End zu erreichen, da sich die betroffenen Figuren noch in einem Entwicklungsstadium befinden und sie somit noch leichter Zugang zueinander bekommen können, um sich zu organisieren. Und der Aspekt der geringeren Anzahl an Personen, die sich zusammenraufen muss, steht zusätzlich sinnvoll für eine Gegenwehr mit positivem Ausgang.

Psychologisch richtig wird herausgearbeitet, dass Angleicher gerne von ihrer Perspektive ausgehen, die richtig sei und welcher sich die anderen anzunehmen haben, sich aber niemals auf das Denken anderer einlassen. Das Spiel mit den Existenzängsten oder den im Teenie-Alter noch wichtig scheinendem Wunsch der Masse gefallen zu müssen und deshalb Teil von ihr werden zu wollen, ist ebenso richtig eingebracht.

Und doch, so frag ich mich, ist anzuzweifeln ob Williamson wegen solcher Aspekte ein cleveres Drehbuch gezaubert hat. Bedient er sich doch letztendlich inhaltlich und stilistisch an vergangenen Erfolgen, macht aus erstem sogar gar kein Geheimnis und spielt offen mit Verweisen auf „Invasion der Körperfresser“ und dessen Ideendiebstahl von „Puppet Masters“, der erstmals unter dem Titel „The Brain Eaters“ verfilmt wurde. In Bezug auf die eingenommenen Lehrer wäre vielleicht noch ein Verweis auf „Invasion vom Mars“ passend gewesen.

All diese Filme und Bücher befassten sich mit dem selben Thema. Der im Film am häufigsten aufgegriffene Verweis auf die Körperfresser-Verfilmungen betont zudem das fehlende Happy End dieser Werke. Zu erfahren, dass die Außerirdischen gewinnen, scheint eine gewollte Täuschung zu sein, da wie oben erwähnt das positive Ende durch den Wechsel auf einen Mikrokosmos ermöglicht wurde.

Williamsons filmische Vorbilder entstanden zu einer Zeit, in welcher die Angst vor den Kommunisten herrschte. Eine Zeit, in der eine vertraute Person ein Verräter amerikanischer Ideale sein konnte. Das gab den nach außen hin scheinenden unterhaltungsorientierten B-Movies politische Brisanz. Einer solchen verweigern sich Williamson und Rodriguez jedoch komplett, obwohl gerade die 90er Jahre im Zuge ihrer „Political Correctness“-Invasion ideal gewesen wären, um das Thema der Angleichung und der verwandelten Bekannten wieder auszubuddeln.

Dass der Film jedoch nur Popkorn-Unterhaltung sein will, zeigt er bereits in seinen Verweisen auf die inhaltlich verwandten Vorgänger. Diese sind eine höfliche Verbeugung vor den Ideengebern und werden letztendlich, wie es scheint, nur deswegen genannt, weil das Publikum der Entstehungszeit von „Faculty“ ebenso wie das von heute hohe Kenntnisse im Filmbereich hat (ein Aspekt, der in „Scream“ zu einem zentralen Element wurde) und ein Ideendiebstahl offensichtlich war. Zumindest zeigt sich nie eine Situation auf, in welcher man mit den Vorgängern spielt, oder gar ironisch oder ehrwürdig mit Elementen der Vorbilder arbeitet, die tiefer graben als das sich Bedienen am Offensichtlichen.

Da sich diese bequeme Grundhaltung der beiden Köpfe hinter „Faculty“ eben nicht nur auf inhaltlicher Ebene zeigt, sondern auch im Ausruhen auf typische Sehgewohnheiten und dem Wunsch des einfach zu erreichendem Publikums (Genre-Freaks und Filmfreunde, die nur Aktuelles schauen) nach Endloswiederholung bereits Bekanntem, lassen sich nun auch die intelligenteren Aspekte, die weiter oben herausgearbeitet wurden, anzweifeln. Denn da wo nur geklaut wird, da klaut man unbewusst auch hintergründige Ideen, und so kann der Anschein entstehen, dass hinter einer geistlosen Sache mehr steckt als es scheint.

Selbst der pfiffig wirkende Griff auf die Schule zu verweisen, kann Zufall sein, weil eben zu dieser Zeit der Teeniefilm zur beliebtesten Gattung des Horror-Genres gehörte. Und dass man einen Film für ein Publikum drehte, welches nach Happy End giert (man beachte nur all die Filme, die ein neues Ende beschert bekamen, nachdem das Testpublikum über einen bösen Schluss empört war), lässt ebenso die Frage aufkommen, ob die Wahl eines positiven Endes aufgrund der Entscheidung des Spielortes tatsächlich der pfiffige Gegenpol  zu den düsteren Finalen der Klassiker war, an denen man sich anlehnte.

So ist „Faculty“ im Grunde das, was er nach außen ohnehin nicht versteckt: ein Popkornfilm, ein Mainstream-Produkt, ein Stück Massenware. Klar hätte aus ihm mehr werden können. Es ist jedoch schön zu schauen wie angenehm er sich trotz dieses Werfens in die Gewöhnlichkeit und trotz der typischen Fehler, die ein geistloser Teenfilm so mit sich zieht, gucken lässt. Rodriguez Werk ist kurzweilig, witzig und vor allen Dingen mit Josh Hartnett, Elijah Wood und Robert Patrick wunderbar besetzt.

Die Leichtfüßigkeit, die man ihm als minderes Niveau ankreiden könnte, ist überraschend der Trumpf des Streifens. Und kleine Ausnahmeideen am Rande, wie die zwingende Tatsache, dass man den Aliens unter Drogeneinfluss entgegentreten muss (ein Aspekt dem man sich noch intensiver hätte annehmen können), machen aus „Faculty“ schließlich den angenehmen Film für zwischendurch, den man auch ruhig mal öfters sehen kann.


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