Sonntag, 14. Oktober 2012

MAN'S BEST FRIEND (1993 John Lafia)


Als Lori ein pfiffiger Hund zuläuft ahnt sie noch nicht, dass das intelligente Tier ein von Dr. Jarret kreiertes Gen-Experiment ist, das sich als Killermaschine entpuppt. Der Doktor will den Vierbeiner unbedingt zurück haben...


Konkurrenz für Frau Salesch...

Dieser Film hat einen viel zu lieb aussehenden Hund in der Hauptrolle, der erst zum Ende hin halbwegs gruselig wirkt, wenn er als ein Mix aus „Cujo“ und der blutübergossenen „Carrie“ umherlaufen darf. Er erzählt von einem Experiment, welches dem Kläffer die Eigenschaften verschiedenster Tierarten beschert hat, und er hat einen Drehbuchautor, der dies nicht zu nutzen wusste.

Klar, es gibt immer mal Szenen in denen der Köter schnell wie eine Raubkatze läuft, Bäume/Häuser hochklettert oder sich gar farblich seiner Umgebung anpassen kann, aber auch immer nur wenn es für den Effekt gerade gut war. Warum das Tier diese Eigenschaft nicht in anderen, teilweise wichtigeren Situationen anwendet weiß niemand. Anstatt den (arg übertriebenen) Aufhänger der Geschichte situativ zu verwenden, will man lieber jenes Publikum begeistern, das mit ausgeschaltetem Kopf jedem Highlight hinterher giert, das ihm vorgesetzt wird. Der sinnlose Umgang mit den Fähigkeiten des Vierbeiners sorgt somit für Unlogiken am laufenden Band.

Nebenbei muss mir ohnehin noch wer erklären von welchem Tier der Hund die Eigenschaft bekommen haben soll Säure zu pinkeln. Gab es etwa auch ein Giger-"Alien“ im Versuchslabor? Aber nein, dann würde es ja Blut pinkeln.

In „Man‘s Best Friend“ sichten wir Figuren, die keinen Funken Sympathie besitzen, auf der anderen Seite aber herzallerliebst wirken sollen. Der Doktor ist ein Schurke, das ist vom Drehbuch auch so gewollt. Das macht seine faschistischen Wesenszüge zumindest nicht ärgerlich. Aber die Rolle Ally Sheedys verkörpert so ziemlich alles, was Möchtegern-Tierfreunde verkörpern und echte Tierfreunde ärgerlich macht. Da wird der Verlust eines Hundes z.B. schnell verschmerzt durch den Kauf eines neuen, da wird der Hund von der neuen Besitzerin bereits vermenschlicht bevor sie von dessen Persönlichkeit weiß, und die Liste könnte bis ins Endlose weitergehen.

Andererseits passt dieses unangenehme Verhalten ideal zum restlichen Teil besagten Charakters. Ihre Art, auch dem eigenen Lebensgefährtengegenüber, ist dreist und bestimmend, was zwar vom Film auch so gewollt ist, aber im Widerspruch dazu steht, dass die Frau der Sympathiecharakter des Filmes sein soll. Klar könnte eine Identifikationsfigur auch ohne Sympathie für den Zuschauer funktionieren (bestes Beispiel ist Alex in "Uhrwerk Orange"), aber dann sieht man dies einem Film auch als gewollt an. "Man´s Best Friend" zeigt uns jedoch eine Frau mit unsympathischen Charakter, die man dennoch mögen soll. Fehlgeschlagen!

Über all diese Kritikpunkte könnte man noch gütigst hinwegsehen, wenn der Streifen zumindest gut unterhalten würde. Aber leider krankt Lafias Werk an Spannungsarmut. Da nutzen auch die Pluspunkte des Filmes nicht mehr viel, aber sie sind vorhanden: der Film ist relativ flott erzählt, geht keine unnötigen Umwege und wird nie langweilig. Das reicht um über die Laufzeit routiniert zu unterhalten, mehr aber auch nicht.

Bei all den aufgezählten Defiziten wäre es wünschenswert gewesen, Lafia hätte zumindest mit härteren Effekten gegen halten können. Aber nein, der Streifen kommt so zahm daher, wie die optische Wirkung des Hundes. Letzten Endes ist dieser guckbare Film kein Werk für den Horrorfan, sondern für Menschen die dem Charakter von Sheedys Rolle ähneln. Erkennbar wird dies in der sehr extremen Vermenschlichung des Hundes. Das könnte man bis zu einem gewissen Grad noch entschuldigen, wenn man die ungewöhnlichen Fähigkeiten des Tieres mit einbezieht. Dann wäre aber maximal sein vermenschlichtest Verhalten zu akzeptieren. Seine Wünsche und sein Gefühlsleben ebenfalls zu vermenschlichen, ist allerdings auch in Hinblick auf seine genetische Sonderausstattung nicht mehr sinnig.

Bis auf einige genetischen Veränderungen bietet der Film auch nie Überraschungen. Aber das wundert bei einem solchen Produkt ohnehin kaum. Schon wenn im Mittelteil dieses Tierhorrors eine Hunde-Sexszene angedeutet wird, ist dem letzten klar, welches Schicksal der Köter im Finale erleiden wird und wie der Schluss-Gag ausschaut. Ebenso überraschungsarm kommt die Vergangenheit des Wissenschaftlers daher, das gab es auch schon ganz oft in Horrorfilmen.

„Man‘s Best Friend" ist ein braver Tierfilm, der sich selbst Horrorfilm nennt, jedoch nur für das Boulevardpresse lesende und Privatfernsehen-verseuchte Publikum gedreht wurde, welches falsche Gefühle gerne und oft mit den richtigen verwechselt und das für seine Verhältnisse mal etwas ganz hartes sehen möchte. Horrorfreunde können darüber nur schmunzeln, sollten mit diesem Film aber auch nicht zu streng umgehen. Es muss ja nicht jeder Horrorfilm auch für uns gedreht sein, sollen die RTL-Gucker doch auch mal etwas halbwegs anständiges gucken. Denn aus diesem Blickwinkel ist Lafias Film wesentlich besser als die ganzen Talkshows, Reality-Sendungen und Gerichts-Shows, die unsere Fernsehlandschaft gedankenlos ins Land verstreut.


Trailer,   OFDb

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