Freitag, 12. Oktober 2012

WARTEZIMMER ZUM JENSEITS (1964 Alfred Vohrer)


Ein Student will den Mord an seinem Onkel aufklären. Eine Spur führt ihn nach Italien, wo eine richtige Verbrecherorganisation hinter der Tat zu stecken scheint...


Starkino der 60er...

5 Jahre lang machte die deutsche Edgar Wallace-Reihe bereits in heimischen Kinos gut Geld, und Mabuse-Filme folgten diesem Ruf bereits seit vier Jahren. Grund genug ähnliche Stoffe auf den Markt zu werfen. Zwar ist „Wartezimmer zum Jenseits“ lediglich ein Krimi und kein Grusel-Krimi, aber eine Vielzahl berühmter Schauspieler sollten Zuschauer locken, und die Titelgebung klingt für den unwissenden Konsumenten nun auch nicht danach, als sei ein Grusel-Krimi völlig ausgeschlossen. Der Film von Krimiautor James Hadley Chase wurde zudem von Wallace-Regisseur Alfred Vohrer gedreht, einem der Mitbegründer der harten Welle, wie jene Filmgattung in vergangenen Trailern bezeichnet wurde.

Ob „Wartezimmer zum Jenseits“ damals ein Erfolg war, weiß ich nicht. Heute kennt ihn kaum noch wer, und das ist schon etwas schade. Zwar hat man mit diesem Krimi keinen guten Streifen vergessen, aber immerhin einen passablen, der allein schon wegen der oben erwähnten Stars einen Blick wert ist.

Ein junger Götz George mimt den Helden, der furchtlos den Mörder seines Onkels sucht. Sein ewiger Begleiter ist Hans Clarin, der seine ihm bekannt machende Stimme für meinen Geschmack etwas extrem ausreizt, für mich aber immer ein gern gesehenes Gesicht ist. Er wird jedoch leider als Eddi Arent-Ersatz eingebracht, und eine solche Rolle steht ihm nicht. In einer kleinen Nebenrolle spielt Klaus Kinski die Art Rolle, die er in Kriminalfilmen fast immer spielen durfte. Hildegard Knef gibt Georges Gegenpart und erwischte damit die zweite Hauptrolle. Heinz Reincke, Heintjes ewiger Filmonkel, ist ebenfalls mit dabei. Diese Aufzählung kann sich sehen lassen.

Der Film selbst ist etwas halbgar ausgefallen. Er beginnt mit einem unpassenden Off-Kommentar, der später nie mehr ertönen wird. Vielleicht vergaß man die Hauptcharaktere zu vertiefen und hatte keine Zeit mehr, diesbezügliche Szenen nachzudrehen. Einen anderen Zweck erfüllt die Stimme aus dem Off nämlich nicht.

Recht flink steigt man in die Geschichte ein, die jedoch zunächst den Eindruck einer banalen 08-15-Krimistory macht. Sie plätschert vor sich hin, ist nicht wirklich langweilig, und doch war ich zunächst geneigt auszuschalten. Was ich sah war einfach arg gewöhnlich. Dies änderte sich aber immerhin nach geschätzten 30 Minuten. Wenn die Geschichte nach Italien verlagert wird, bekommt sie wesentlich mehr Schwung, was in erster Linie an der Rolle liegt, die Richard Münch so übertrieben spielen durfte.

Er erfüllt jedes Klischee des Kopfes einer Gangsterbande: Reicher, geehrter Mann, den niemand verdächtigen würde, Rollstuhlfahrer, blonde Haare, Sonnenbrille (Heinofan?), wahnsinnig (begeht Verbrechen, damit die Menschen vor ihm zittern), wohnt in einem Schloss und hält jede Menge Gimmicks bereit: Maschinengewehre versteckt am Rollstuhl montiert, edle Verließe und überall hat der werte Herr Kameras versteckt. Unweigerlich erinnerte mich diese Figur an den bösen Baron aus „Timm Thaler“, der war jedoch eine Spur besser gespielt und unheimlicher. Das ist schon ein kleiner Witz für sich. Die Figur aus dem Kinderprogramm wirkt bedrohlicher als der Oberbösewicht aus der harten Welle der 60er. Da braucht man sich aber nicht zu sehr dran aufhängen, denn die mangelnde Wirkung in diesem Bereich liegt an der Art der Inszenierung, und die wollte den bedrohlichen Effekt scheinbar gar nicht einfangen. Dafür wirkt alles, was wir in Italien miterleben dürfen, viel zu comichaft. Wir schreiben immerhin das Jahr von „Goldfinger“, jenem Film, in dem James Bond ebenfalls zur Comicfigur wurde. Von daher passt Vohrers Inszenierung in seine Zeit.

Unter welchen Einflüssen der Kriminalfall sein Ende findet ist etwas arg konstruiert zu nennen und geschieht als reine Aktion auch viel zu plötzlich. Dies hinterlässt leider einen bitteren Beigeschmack. Da bereits das erste Drittel mäßig war, war mein Gesamteindruck somit eher mittelmäßiger Natur. Wer Freund vergangener, deutscher Kriminalkost ist, sollte aber ruhig mal reinschalten. Neben der Freude bekannte Gesichter zu sehen, ist es vor allen Dingen das Geschehen in Italien, das „Wartezimmer zum Jenseits“ seinen Reiz beschert. 


Trailer,   OFDb

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