Sonntag, 11. November 2012

DEAD SET (2008 Yann Demange)


Die Produktion zur neuen Big Brother-Staffel läuft auf vollen Touren, da bricht plötzlich eine Zombie-Epidemie über die Menschheit herein, so dass die Zivilisation wie wir sie kennen von einem Tag auf den anderen nicht mehr existiert. Erst als eine Produktionsassistentin Schutz vor den Zombies im Big Brother-Haus sucht, bekommen auch die Einwohner etwas von der Seuche mit. Bislang wunderten sie sich nur über die still stehenden Kameras...


The Running Dead...

Nein, was freut sich die halbe Welt über die angeblich erste Zombie-Serie "The Walking Dead" und wie gut sie sei. Und enorme Einschaltquoten in Amerika und eine stetig wachsende Fan-Gemeinde in Deutschland scheinen dies zu bestätigen. Leider ist der Quoten-Hit nur ein mittelmäßiges Mainstream-Produkt ertränkt in Political Correctness und keineswegs die erste TV-Serie zum Thema Zombies. Das mag sie im Sinne einer sich über mehrere Staffeln erstreckte TV-Serie sein, als Mini-Serie strahlte jedoch bereits 2008 ein englischer Fernsehsender einen in sich abgeschlossenen 5-Teiler aus, die somit nicht nur vor "The Walking Dead" erschien, sondern im Gegensatz zu dieser auch noch mit einer originellen Idee daher kommt: Menschen im Big Brother-Haus bekommen nichts von der Epidemie mit.

Da in England entstanden, kann man nun vom klassischen britischen Humor ausgehen. So ist es auch, jedoch ist aus "Dead Set" keineswegs eine Horror-Komödie geworden. Lustigkeiten sind vorhanden, aber mit fortschreitender Laufzeit wird das Szenario immer ernster und verlässt sich schließlich nur noch auf eine augenzwinkernde Umsetzung, so dass der Humor im Hintergrund ein echtes Horror-Szenario begleitet anstatt es zu vernichten.

Tief gehen die hier verwendeten Charaktere nicht. Wie sollten es die meisten von ihnen auch? Sind es doch Big Brother-Kandidaten und somit selbstverliebte Klugscheißer und Selbstdarsteller, dementsprechend etwas bis komplett dümmlich und somit bereits richtig genug ausgelegt um zu funktionieren. Die Überlebenden, die im Hintergrund an der Produktion beteiligt waren, werden auch nicht sonderlich vertieft, was der Serie jedoch nicht schadet, da die Konfrontation mit den Einwohnern des Big Brother-Hauses bereits eine eigene Dynamik entfacht. Nebenbei gibt es noch einen Sub-Plot um Menschen, die nur entfernt mit den Erlebnissen im Big Brother-Haus zu tun haben, das sorgt für gewisse Abwechslung und gibt die Möglichkeit die Ausmaße der Epidemie aufzuzeigen.

Wenn beide Plots in der vorletzten Folge zusammen finden, ist das nicht nur ordentlich inszeniert, es sorgt auch für den einzigen wirksamen Cliffhanger einer Mini-Serie, die man in Deutschland so wie seinerzeit "Es" auch als langen Film zusammengeschnitten hätte herausbringen können, zumal die Gesamtlaufzeit nur etwa 145 Minuten beträgt. Im Siegeszug eines "The Walking Dead" wollte man es sich aber sicherlich nicht nehmen lassen auf der Erfolgswelle auf DVD mitzuschwimmen, während man gleichzeitig den Stinkefinger entgegenstreckt, um jedem Fan vor die Nase zu halten dass "Dead Set" die erste Zombieserie war.

Im Gegensatz zu "The Walking Dead" darf man die nervige Political Correctness hier suchen gehen. Das Gegenteil weht einen hier an, erfrischende Anarchie, so wie es in der hier gezeigten Welt selbstverständlich wäre, gepaart mit britischem Humor. Das Fehlen der politischen Korrektheit zeigt sich in einer späteren Episode allein schon an der Orientierung bezüglich der Rolle der Polizisten in dieser Zivilisations-freien Welt. Statt eines gewissenhaften Anführers, so wie es "The Walking Dead" gerne hätte, erleben wir Menschen in Uniform, die von ihrem Job nicht ganz loslassen können, Wachmann, Richter und Henker in einem sind und dementsprechend mit fragwürdiger Ideologie für Recht und Ordnung sorgen.

Auch die Pluspunkte eines "The Walking Dead" sind in "Dead Set" vorhanden: die Zombies sehen klasse aus, ihr Treiben fällt blutig und nett getrickst aus, und im Gegensatz zur US-Serie dürfen die Insel-Zombies auch dominanter in die Geschichte integriert sein, womit ihre Auftritte häufiger vorhanden sind. Lediglich die zu extreme Ruckel-Kamera, die immer dann eingesetzt wird, wenn die Zombies mal wieder loslegen, ist gewöhnungsbedürftig zu nennen, dank einer guten Kamera aber auch eher ein sympathisches Stilmittel a la "28 Days Later" und kein Ärgernis a la "Schlachtnacht".

Das tolle an "Dead Set" ist, dass er sowohl den Fans von "The Walking Dead" gefallen dürfte, als auch den Leuten, die vom US-Erfolg nicht so begeistert waren. Ohne wirklich intelligent zu werden, kommt "Dead Set" klüger und pfiffiger daher und erlebt auch keinerlei Durststrecken. Dank gerade mal fünf Folgen, von denen vier etwas unter 25 Minuten laufen, gibt es immer etwas zu erzählen. Trotz im Regelfall drei verschiedener Handlungsorte verkommt "Dead Set" auch nie zur Nummern-Revue sondern bildet immer ein zusammenhängendes Ganzes. Ich werde mir "Dead Set" irgendwann sicherlich noch einmal anschauen. Spaß genug hat's gemacht.

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