Samstag, 10. November 2012

IRON SKY (2012 Timo Vuorensola)


Ein US-Astronaut, der die dunkle Seite des Mondes erforschen sollte, gerät in die Fänge von Nazis, die damals nach Kriegsende hierher geflüchtet sind. Da das mobile Telefon, welches der Amerikaner mit sich trug, mehr Leistung vollbringt als der beste Computer der Mond-Deutschen, startet Adler, der sich bereits als nächsten Führer sieht, eine Mission zur Erde, um mehr von diesen Geräten zu beschaffen. Mit Hilfe der Telefone will er die größte Waffe des Universums zum Einsatz bringen und die Erde erobern...


Ehemalige Fortgeschrittene als Schlusslicht der Technik...

Wenn es um die Fantasie von Comicheft-Autoren, Drehbuch-Schreibern, Verschwörungs-Theoretikern und Fans phantastischer Stoffe geht, sind den Nazis keine Grenzen gesetzt einen längst verlorenen Krieg noch nicht als beendet zu sehen und mit den dollsten Entdeckungen der Wissenschaft oder des Okkulten zurückzukehren. Ob es nun der Weg als Zombies a la "Outpost", "Schreckensmacht der Zombies" oder "Oase der Zombies" war, als Werwölfe zurückkehrend wie u.a. in "Horrors Of War", im Inneren der Erde versteckend wie in der Asylum-Produktion "Nazi Sky" oder wahlweise in der Antarktis im Erdinneren lauernd bzw. auf dem Mond geflüchtet, wie uns so manche Theorie im Dokumentarfilm "Die Mondverschwörung" verrät, die Möglichkeiten der Nazis sind in der Fantasie unbegrenzt. 

Letzte Idee aus den Köpfen esoterischer Weltverschwörer griff man in "Iron Sky" auf, einem Kinofilm der nicht auf herkömmliche Art fertiggestellt wurde. Da Fans solcher Stoffe im Internet bei der Fertigstellung dieses Streifens helfen durften, war gerade die Neugierde auf das Ergebnis dieser Arbeit in Freak-Kreisen enorm hoch. Um so erstaunter durfte man sein, dass das Werk nicht nur professionell vermarktet auf der großen Leinwand erschien, sondern auch gleich namhafte Darsteller wie Götz Otto und Udo Kier mit im Schlepptau hatte.

Auch guckt sich das muntere Treiben des Amerikas der Zukunft gegen die Mondnazis keinesfalls Amateurfilm-haft. Wir bekommen hier Weltraumschlachten in Spezialeffekten beschert, die zwar nicht die Dimensionen von Blockbuster-Kosten angenommen haben, sich aber wirklich sehen lassen können für solch preisgünstige Tricks. Unweigerlich muss ich an die Worte Roger Cormans Ende der 70er Jahre denken, der es als pervers ansah, dass Filme solch immense Gelder verschlingen, nur um etwas fertig zu stellen, das Leute unterhalten soll. Man könne das verpulverte Geld doch in viel wichtigere Bereiche stecken, so z.B. zur Hilfe der Leute in der Dritten Welt.

Das klingt heute provozierender als damals, ist aber sicherlich nicht unrichtig. Und wenn man die Effekte von "Iron Sky" sichtet, merkt man dass es selbst in wuchtigen Geschichten, die viele Spezialeffekte benötigen, andere Wege gibt als das verschlingende Budget von Blockbustern, die meist auch noch minderwertige Inhalte bieten. 

Was nun vorteilhaft für die Filmindustrie im Produktionssektor klingt, ist für den Unterhaltungswert des hier besprochenen Filmes jedoch nicht immer von Vorteil. In einem Film über die Rückkehr von Nazis, die seinerzeit auf den Mond geflüchtet sind, will ich eigentlich mehr satirische Albernheiten sichten anstatt wuchtige Weltraumschlachten, aber gerade zu diesem Szenario verkommt "Iron Sky" im Laufe seiner Geschichte immer mehr, so dass in der zweiten Hälfte mit mehr quantitativen Schaueffekten gearbeitet wird als in der originelleren ersten Hälfte.

Zwar ist "Iron Sky" trotz aller Albernheiten durchaus clever ausgefallen, allerdings zielen die meisten gesellschaftskritischen Anspielungen auf simple Ziele, die heutzutage ohnehin häufig kritisiert und parodiert werden. Die Leichtigkeit im Umgang mit diesen Themen sind es, die "Iron Sky" dennoch so angenehm gucken lassen, zumal es selbst in Zeiten von negativem Denken über die USA mutig zu nennen ist, das System von heute mit denen der Nazis zu vergleichen, um ihnen am Ende das gleiche Niveau zu diagnostizieren. In Zeiten in denen Faschismus ein anderes Gesicht bekommen hat und damit von vielen als solches nicht mehr erkannt wird, ist es wichtiger denn je, dass es Filme wie "Iron Sky" gibt.

Dass ein solcher Vorreiter dieser direkten Kritik, die nicht drum herum redet, nun ausgerechnet aus dem Bereich des Klamaukfilms kommt, mag manch einem nicht schmecken. Wie so oft in der Geschichte der laufenden Bilder werden solche Werke aufgrund ihrer Albernheiten auch unterschätzt. Aber trotz allem satirischen Gehaltes geht es den Machern und dem Publikum doch hauptsächlich um den Unterhaltungswert, und das macht "Iron Sky" wieder eine Spur plumper oder erträglicher (je nachdem). Der Film soll schlichtweg Spaß bereiten. Vom Thema loslösen kann ich mich trotzdem nicht, ist das satirische Feuerwerk gegen Nazis, Amerika und die "erwachsene" Haltung der UNO doch Sehwert des Streifens und nicht wie es die Texter des deutschen DVD-Covers gerne hätten die Spezialeffekte.

Für manch einen darf das stimmen, und ironischer Weise werden das auch diejenigen sein, denen "Iron Sky" am kurzweiligsten vorkommen mag, denn trotz aller Sympathie ist der Streifen einfach etwas zu plump in seiner Treffsicherheit die Kritik betreffend, zu 08/15 in seiner Geschichte (ein Makel das eigentlich nicht sein dürfte, so sehr wie er auch das US-Kino kritisiert) und oftmals einfach zu gewollt, ob nun in Sachen Kritik oder Komik. Sicherlich kann man sich "Iron Sky" für einen anspruchslosen Videoabend durchaus mal angucken. Aber ob das wirklich das höchste Ziel der Verantwortlichen dieses Filmes war, sei einmal dahingestellt. 

Kleine Volltreffer wie "Der große Diktator" in der Nazi-Propaganda-10 Minuten-Version oder das Hitlerbärtchen als erotische Intimrasur im modernen Pornobusiness bei Frauen fangen nicht die Schwächen auf, die "Iron Sky" gewöhnlicher machen als er es sein sollte. Gerade wegen der Beteiligung von Seiten der Fans darf es einen verwundern, wie sehr das Werk in Zeiten von "Simpsons", "Family Guy" und Co zum Mainstream mutiert ist.

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