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Dienstag, 13. Januar 2015

DAVE (1993 Ivan Reitman)


Arbeitsvermittler Dave arbeitet aufgrund seiner Ähnlichkeit nebenher für Spaßauftritte als Double des Präsidenten der Vereinigten Staaten. Die Regierung bittet ihn den Präsidenten tatsächlich für einen Abend zu vertreten. Als der jedoch einen Schlaganfall erleidet muss Dave für länger einspringen...


Komplott mit Herz...

Mit „Ghostbusters“ und „Zwillinge“ machte Komödienspezialist Ivan Reitman Karriere, nachdem er mit den lauten Bill Murray-Komödien „Babyspeck und Fleischklößchen“ und „Ich glaub‘ mich knutscht ein Elch“ auf sich aufmerksam machte. Wer dementsprechend bei „Dave“ nun mit einer satirischen Witzorgie rechnet liegt falsch. Satire ist „Dave“ sicherlich, bei all den Seitenhieben auf Politverbrechen, die er austeilt. Aber herausgekommen ist ein sanfter Film, eine Art Märchen für Erwachsene, das uns zeigt wie Politik im Idealfall laufen könnte, wenn Menschen mit Sozialengagement die hohen Ämter einnehmen würden.

Trotz allem kommt das System Amerikas in dieser Komödie noch viel zu gut weg. Gute Menschen gibt es bis ganz oben an der Politspitze, Intriganten sind leicht zu stoppen, und so weiter und so fort. Dass dies in „Dave“ überhaupt nicht stört liegt an den anderen Schwerpunkten die der Film setzt. Reitmans Komödie soll ein Wohlfühl-Film sein. Zwar keiner der eine komplett verschönte Politik vorlügt, aber einer der einen was-wäre-wenn-Gedanken verfolgt, welchem zu extreme Systemkritik im Weg stehen würde.

Wie erwähnt: „Dave“ ist ein Märchen. Deswegen darf sich die mit dem Präsidenten verstrittene First Lady auch in das sozialengagierte Double verlieben. Deswegen darf ein einfacher Unternehmer den Haushaltsplan sanieren (der wunderbare Charles Grodin in einer amüsanten Nebenrolle). Und deswegen läuft auch alles ganz glatt ohne dass irgendwelche Verräter, Durchblicker, Querdenker oder Zeugen die sich nicht bestechen lassen der ganzen Chose einen Strich durch die Rechnung machen - mal abgesehen vom Filmbösewicht, der irgendwann kontraproduktiv gegen Dave aktiv werden muss.

Die Geschichte die „Dave“ erzählt ist interessant, mit leichter Komik versehen und ursympathisch umgesetzt, weswegen ich mir diese Komödie auch bereits viele Male angesehen habe. Man fühlt sich einfach gut nach einem Film wie „Dave“, ganz ohne Unterforderung, ist dieses Werk doch trotz seines Märchengehalts mit Köpchen erzählt und keinesfalls so naiv ausgefallen wie es sich hier an mancher Stelle lesen mag.

Anhand der vielen Senatoren, die sich in Gastauftritten selbst spielen, merkt man freilich dass das Grundsystem der amerikanischen Regierung nicht kritisch hinterfragt wird. „Dave“ kritisiert nur die Art und Weise wie es von den Führern des Landes aus egoistischen Gründen ausgebeutet wird, jedoch ohne dabei ins Detail zu gehen. Nicht einmal Wirtschaftskritik wird angegangen. Und Jahre bevor er Gouverneur wurde, ist auch Arnold Schwarzenegger in einem Gastauftritt als er selbst mit an Bord. An berühmten Gesichtern wurde nicht gespart.

„Dave“ schaut sich jedoch aufgrund der großen Leistung von Kevin Kline so großartig, einem Mann der trotz so professionell gespielter Rollen wie in „Ein Fisch namens Wanda“, „In und out“ und „French Kiss“ nie zu den Top-Berühmtheiten der Branche wurde, obwohl er im kleinen Finger mehr Talent besitzt als viele Superstars am ganzen Körper. Kline spielt mit Herz, albert hin und wieder im stillen herum und schafft es, ähnlich wie Dieter Hallervorden in „Didi - Der Doppelgänger“ die beiden Figuren die er verkörpert in ihrer kompletten Art zu trennen, und es glaubwürdig darzustellen wie der anfangs noch naive Dave mit der Zeit in die Rolle des Präsidenten hineinwächst und erkennt wie er sich aus der Rolle der Marionette befreit bekommt.

„Dave“ verschweigt einige Polit-Probleme um seine Geschichte so erzählen zu können wie er es möchte. Und auch die Erklärung warum Dave den Platz des Präsidenten einnehmen soll ist sicherlich nicht wirklich überzeugend ausgefallen (wenn dafür aber wenigstens aufgrund der Situation psychologisch glaubwürdig). Aber all das wäre nur wirklich relevant, wenn es Reitman um mehr als einen leichten Stoff gegangen wäre. Oder wenn er all dies weglassen würde, um einen unangenehmen, manipulativen Propagandafilm zu drehen, was im Blockbuster-Kino Amerikas keine Seltenheit wäre, man schaue nur mal auf den fragwürdigen „Mensch, Dave!“ mit Eddie Murphy.

„Dave“ weiß als das zu gefallen was er ist. Mehr noch: innerhalb seiner Nische ist er ein großartiger Film mit Köpfchen, der ehrlich zu Herzen geht, überzeugend gespielt ist (Sigourney Weaver erweist sich als wahrer Glücksgriff für die Rolle der First Lady) und uns einfach mal in einem Bereich zum träumen verführt, der im Idealfall gar kein Traum sein sollte. Aber welcher Realist glaubt in einer Welt voll von Graustufen noch an so etwas wie den Idealfall? Den kann es nie geben, und das weiß zu frustrieren. Deswegen ist es auch so wichtig, dass es erwachsene Märchen-Filme wie „Dave“ gibt. Es ist mir unverständlich warum dieses wundervolle Werk so wenigen Menschen ein Begriff ist.


Kommentare:

  1. "Dave" mag ich, wie auch die andere US-Präsidentenkomödie "Hello, Mr. President", auch sehr!

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  2. Klar, die ist auch gut, allein schon wegen Michael Douglas. Kommt aber an "Dave" nicht ganz ran.

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