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Montag, 30. März 2015

DAS VERMÄCHTNIS DES PROFESSOR BONDI (A Bucket of Blood 1959 Roger Corman)


Walter arbeitet in einem von Kunstkennern gern besuchtem Lokal. Als er talentlos wie er ist verzweifelt versucht aus Ton ein Kunstwerk zu schaffen, wird er von der Katze seiner Hauswirtin genervt, die er emotional angespannt versehentlich tötet. Um den Tod des Viechs zu verheimlichen macht er aus ihr eine Skulptur, die in der Kunstszene großen Anklang findet. Von da an beginnt Walter auch aus Menschen Kunstwerke zu formen...


Ton ist Wachs in seinen Händen...

Der deutsche Trailer verkauft Roger Cormans Film als Fortsetzung von „Das Kabinett des Professor Bondi“ und als knallharten Horror-Thriller, letztendlich hat der berühmte Billigfilmer aber eigentlich eine eigenständige Horror-Komödie geschaffen, die ein wenig auf der Grundidee des Vincent Price-Klassikers aufbaut und nebenbei, mal subtil und mal penetranter, die Kunstszene aufs Korn nimmt, mit einem Anti-Helden im Zentrum, wie Corman ihn ein Jahr später auch, durch wen anders besetzt, in seinem „Kleiner Laden voller Schrecken“ präsentierte: ein etwas dümmlicher Loser auf Abwegen.

Ist seine Vorlage zu Frank Oz‘ 80er Jahre Musical „Der kleine Horrorladen“ tief im Genre der Komödie verankert, so mischt Corman in „Das Vermächtnis des Professor Bondi“ die Genres Horror und Komödie noch wesentlich gleichberechtigter. Zudem ist der Streifen für ein humorvoll orientiertes Werk für seine Zeit recht morbide ausgefallen. Mag der Mord mittels einer Kreissäge auch im Off stattfinden, er ist schon eine harte Methode für einen Genre-Beitrag aus den 50er Jahren. Was damals sicherlich zu schockieren wusste ist heutzutage als Film mit einer FSK 16 erhältlich. Zeiten ändern sich.

„A Bucket of Blood“ (Originaltitel) guckt sich recht routiniert inszeniert, lebt hauptsächlich vom Überagieren Dick Millers und dem Running Gag dass sein Chef schnell hinter das Geheimnis des „Künstlers“ kommt, ohne dass Walter dies bewusst wäre, und dem armen Mann grundsätzlich anders wird, wenn der aufsteigende Stern der Kunstszene ihm immer wieder neue Werke präsentieren möchte. Warum der Mann ihn nicht der Polizei ausliefert wird angedeutet, aber nie wirklich vertieft, vielleicht weil die Andeutung ohnehin wenig Sinn ergibt. Aber das ergibt die finale Flucht von Walters Love Interest ebenso wenig. Die flüchtet nach der Entdeckung von Walters Geheimnis aus einem Lokal voller Menschen in die einsamen Gassen der Stadt, anstatt im Schutz der Menge den Künstler als Mörder zu entlarven.

Es ist dem augenzwinkernden Grundton des Streifens zu verdanken, dass man sich an solchen Schwachpunkten nicht aufhängt. Etwas mehr nagt manch ungeschickter Handlungsstrang am Gesamtergebnis. Die Rahmenhandlung um einen Einsatz des Drogendezernats wird auf halber Strecke liegen gelassen, anstatt sie in den Haupterzählstrang mit einzubinden. Und noch kläglicher schaut sich der für das deutsche Publikum zusätzlich gedrehte Beginn des Streifens, der im langweiligen Monolog bemüht versucht inhaltlich eine Brücke zu „Das Kabinett des Professor Bondi“ zu schlagen, der inhaltlich nicht einmal nötig gewesen wäre, so sehr die Geschichte um den Loser der unbedingt als Künstler Anerkennung ernten möchte für sich alleine steht und als Unikum zu funktionieren weiß. Der Verweis auf den 1953 entstandenen Bondi-Film wurde rein des Kommerz wegen eingebaut.

Dementsprechend dauert es etwas, bis man sich in „Ein Eimer voll Blut“ (Alternativtitel) als Zuschauer zurecht gefunden hat. Ist man aber erst einmal dort angekommen weiß Roger Cormans Pseudo-Fortsetzung, die 1995 als „Bloody Secret“ mit Anthony Michael Hall in der Hauptrolle neuverfilmt wurde, durchaus zu gefallen, wenn auch nur mit heruntergeschraubten Erwartungen. Im direkten Vergleich gefällt mir Cormans konsequenterer Schritt Richtung Komik mit „Kleiner Laden voller Schrecken“ besser, da Corman dort bewusster zu sein schien welchen Schwerpunkt er mit seinem Werk setzen wollte. „A Bucket of Blood“ schaut sich hingegen etwas unausgegoren und phasenweise orientierungslos. Aber er weiß diese Schwäche über seinen Charme zu überspielen, so dass zumindest Genre-Freunden ein unterhaltsamer Film geboten wird.


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