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Sonntag, 10. Januar 2016

HONIG IM KOPF (2014 Til Schweiger)


Eines Tages wird die Alzheimer-Erkrankung von Amandus so stark, dass sein Sohn Niko ihn bei sich und seiner Familie aufnimmt. Die Enkelin Tilda kümmert sich besonders herzlich um ihn und ist empört als sie von den Plänen ihrer überforderten Eltern hört, dass Amandus in ein Heim gesteckt werden soll. Sie schnappt sich ihren Opa und reist mit ihm nach Venedig, jenem Ort den der alte Mann mit besonders schönen Erinnerungen verbindet...


Nonnen mit Gurken und ödipale Italoschnäuzer...

Objektiv betrachtet kann man „Honig im Kopf“ so einiges vorwerfen. Er verschönt Momente und spielt oftmals fern der Realität. Der Film von Til Schweiger ist nicht halb so authentisch erzählt wie „Sein letztes Rennen“, jener Film mit Dieter Hallervorden, der Schweiger überzeugte dass nur er der richtige Mann für die Rolle des Amandus ist. Es ist nicht schwer „Honig im Kopf“ als weiteres Beispiel zum Schweiger-Bashing zu nutzen, wenn man mit dieser Art Film nichts anfangen kann.

Ich mag Schweigers Werke in der Regel, unterschätze ihn ebenso wenig wie ich ihn auch nicht überschätze, und ich weiß welche Art Film der oft missverstandene Mann dreht. Er dreht Kino, Märchen für Erwachsene - sicher welche mit bodenständiger Thematik, die es einem manchmal schwer machen zu akzeptieren dass immer wieder das ein oder andere verschönt wird, aber trotzdem Filme welche die Emotionen ansprechen. Das zieht sowohl beim gedankenlosen RTL-Publikum, das Kitsch mit wahrer Dramaturgie verwechselt, es funktioniert aber auch beim Träumer der sich der Realität bewusst ist und aus dieser auch mal flüchten möchte, auch wenn das widersprüchlich klingen mag bei solch ernster Thematik.

„Honig im Kopf“ berührt. Er lässt einen nicht kalt. Er bringt einen zum weinen. Und diese Wirkung kann man nicht ignorieren, wenn man über ihn sprechen möchte. Dieser Reaktion muss man sich ehrlich stellen. Und man muss diesem Werk eingestehen dass völlig unreflektierter Kitsch diese Wirkung beim Publikum nie erreicht hätte, dass Schweiger sehr wohl bewusst ist was er erzählen möchte. So verschönt manche Momente auch sind, es geht Schweiger um das Menschliche, um das was im Alltag oft verloren geht. Und dem hat sich die Realität in seinem Film manches Mal unterzuordnen, zumal uns „Honig im Kopf“ ebenso wie „Kokowääh“ von dem Traum erzählt was das Wort Miteinander bedeuten kann.

Und das ist kein völlig realitätsferner Traum. Wir lassen ihn im Alltag nur nicht zu, da wir Nichtigkeiten für Wichtigkeiten halten. Und die Realität hält uns davon ab dieses emotional starke Miteinander einzugehen. Wir lassen uns von Medien und anderen Mitmenschen Probleme einreden anstatt einfach unserem Instinkt zu folgen. Schweiger ist ein Romantiker des selbstbestimmten und selbstbewussten Lebens. Davon handeln viele seiner selbstgeschriebenen Filme. Und „Honig im Kopf“ macht dies besonders deutlich, wenn die Lösung des Problems doch so offensichtlich ist - wenn auch diesbezüglich wieder einmal eine Spur zu schön gemalt.

Um die harte Realität einzelner Szenen, die der Regisseur bewusst wegblendet, müssen sich andere Filmemacher kümmern. Sie passen nicht ins Bild von „Honig im Kopf“, würden das Konzept ruinieren, ein Rezept das keinesfalls vom Zuschauer erwartet dem Treiben geistlos zu folgen. Aber Schweiger möchte dass der Zuschauer seine Arroganz, seinen Stolz und seine Vorurteile ablegt und sich einfach einmal für zwei Stunden einer solchen Thematik anders nähert, menschlich nähert, emotional nähert, auch wenn Schweiger dafür einige manipulative Hebel in Bewegung setzt.

Aber das tut ohnehin jeder Kinofilm. Der eine etwas plumper, der andere etwas geschickter. Schweiger mag da eher Grobmotoriker sein, aber mit dem Herz am rechten Fleck. Man spürt trotz aller manipulierender Methoden, die den Zuschauer beeinflussen sollen, dass ihm das Thema wichtig ist, und dass die Aussagen so gemeint sind wie sie ankommen. „Honig im Kopf“ ist keine Heuchelei, aber das entdeckt man erst, wenn man den kühlen Intellekt ausgeknippst hat, der beim Sichten anderer Art Werke von Vorteil sein kann.

Dank besagter Herangehensweise und der geglückten Besetzung mit dem ohnehin schon immer unterschätzten Dieter Hallervorden und einer sympathischen Emma Schweiger, die seit ihrem letzten Film von und mit Herrn Papa viel dazu gelernt hat, ist aus „Honig im Kopf“ eine herzzerreißende Tragikomödie mit Schwerpunkt im Dramabereich geworden, die nur einem völlig verkopften Publikum nicht nahe gehen kann. Schweigers gemeinsamer Film mit Hallervorden rührt zu Tränen, insbesondere immer dann wenn die Hauptfigur ebenfalls weinen muss. Bei solch schönem Ergebnis schaue ich über die Übertreibungen, die eigentlich selbst durch den komödiantischen Aspekt nicht entschuldigt werden können, gütigst hinweg. Denn wenn ein Film emotional wie dieser hier ausfällt, dann lasse ich mich auch gerne mal manipulieren.


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