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Montag, 28. März 2016

EIN TOTER SPIELT KLAVIER (Taste of Fear 1961 Seth Holt)


Die im Rollstuhl sitzende Penny kommt nach vielen Jahren heim zu ihrem Vater, der jedoch unverhofft verreist ist, so dass Penny lediglich auf ihre Stiefmutter trifft. Als Penny nachts in einem Schuppen ihren toten Vater sieht und man ihn kurz darauf nirgendwo vorfindet, wird das Erlebnis als Halluzination abgetan. Penny jedoch vermutet ein vertuschtes Verbrechen und forscht zusammen mit dem Chauffeur nach was die Stiefmutter und der merkwürdige Dr. Gerrard, der im Haus ein und aus geht, mit der Sache zu tun haben könnten...


In den Wahn getrieben...

„Ein Toter spielt Klavier“ gehört trotz der Anwesenheit Christopher Lees zu den eher unbekannteren Horrorbeiträgen der legendären britischen Hammerschmiede, was sehr schade ist, ist er doch eine kleine Perle der dort produzierten Genre-Beiträge und ein Lehrstück dessen wie man ohne große Effekte eine Geschichte aufregend und stimmig erzählt bekommt.

Um zu einem solch erfreulich gutem Ergebnis zu kommen lässt sich die Geschichte viel Zeit bevor sich die Ereignisse Richtung Finale schließlich derart überstürzen, dass nichts mehr ist wie es zuvor schien. Dass auch nach der x-ten Wendung der Ereignisse alles schlüssig und nachvollziehbar bleibt, verdankt der Streifen dem Talent von Drehbuchautor Jimmy Sangster, der sich nicht nur viel Zeit für das Vertiefen von Charakteren und Situationen nimmt, sondern diese im psychologischen Zusammenhang auch zu verstehen weiß, so dass Widersprüche nur in sehr kleinen, kaum bedeutenden Bereichen vorzufinden sind.

Ähnlich wie Hitchcocks „Bei Anruf Mord“ ist „Taste of Fear“ (Originaltitel) ein Film der es schafft den meisten Spannungsgehalt aus den Dialogen zu ziehen. Während Momente schrecklicher Ereignisse sehr klein gehalten werden, wird in „Ein Toter spielt Klavier“ ansonsten viel geredet. Da mag manch wer jammern, der sich mit dialoglastigen Werken schwer tut, aber was wir als Zuschauer hier erleben dürfen ist keineswegs Leergeschwätz um ein Minimum an Story auf Spielfilmlänge zu strecken. Die Dialoge stecken voller Informationen, versteckter Hinweise, Überlegungen, Ahnungen und Intrigen, dass es eine Freude ist dem mysteriösem Geheimnis des Hauses auf die Spur kommen zu wollen, glaubend zu wissen was vor sich ging.

Ein stimmiger Soundtrack, der wesentlich unaufdringlicher komponiert ist als das was man Anfang der 60er Jahre üblicher Weise zur Klanguntermalung verwendete, verhilft der rätselhaften Geschichte zu einer stimmigen Atmosphäre, die zwar nur selten zu wahrlich gruseligen Momenten führt, den Zuschauer aber stets zu fesseln weiß. Zudem ist es den glaubwürdigen Schauspielern zu verdanken, dass man sich für die Erlebnisse der Beteiligten derart intensiv interessiert. Und dass der Film in seiner schwarz/weißen Umsetzung meist im Dunkeln spielt, gehört mit zu den Eigenschaften, die „Ein Toter spielt Klavier“ zu etwas Besonderem werden lassen.

Mag sich das Szenario zunächst wie die übliche „jemand soll in den Wahnsinn getrieben“-Geschichte anhören, so ist dies doch nur die halbe Wahrheit. Und dass „Scream of Fear“ (Alternativtitel) mehr als diese schlichte Erzählvariante serviert, verdankt er nicht nur den wendungsreichen Ereignissen, sondern auch der Gabe der Charaktere nicht pausenlos ahnungslos zu agieren, sondern mitzudenken und relativ früh Vermutungen zu äußern, die in Routinewerken meist nur dem Zuschauer kommen, nicht aber den Protagonisten klassischer Horrorfilme. Das schaut sich erfrischend und sorgt für weiterführende Möglichkeiten, welche sicherlich selbst jene gewieften Cineasten vom Hocker hauen werden die zumindest teilweise mit ihren Vermutungen richtig lagen.

„Ein Toter spielt Klavier“ gönnt sich den Luxus sich viel Zeit für die Ereignisse zu nehmen, pausiert dennoch nie zu lang mit Situationen welche den Horrorgehalt der Geschichte fördern, und sorgt somit für einen stimmigen Grusel-Krimi voller interessanter Dialoge, Wendungen, gepackt in charmant düstere Bilder, begleitet von einem stimmigen Soundtrack und veredelt durch ein durchdachtes Drehbuch, dem man lediglich vorwerfen kann, dass es dem Durchschnittsbürger viel mehr schauspielerisches Talent zutraut als es in der Wirklichkeit tatsächlich der Fall sein dürfte. Aber so kleinkariert könnte ich nie sein, um mir davon eine solch professionell umgesetzte Erzählung vermiesen zu lassen.


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